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Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Sammlung von 25 Kurzgeschichten, entlarvend, doch mit schalkhafter Arglosigkeit vorgetragenen Episonden aus dem abenteuerlich unzeitgemäßen Alltag eines "Poeten". Die Erstausgabe dieses nach wie vor blitzblanken, dem Rost der Historie gegenüber bemerkenswert unauffälligen Buches erschien 1917, mitten im Ersten Weltkrieg. Eine größere Provokation des damaligen "Zeitgeistes" läßt sich kaum vorstellen.

Gedanken zum Buch

Das dürfte ein Protestbuch gegen den Krieg sein. Der Krieg wird nicht mit einer Silbe erwähnt. Sehr plaudernd und beiläufig kommen die Geschichten, scheinbar ohne Höhepunkt. Äußerst beruhigend und lieblich. Sehr ehrfürchtige Naturbetrachtungen. Einfach entspann... | ... weiterlesen

Zitate

Ich besaß zwei hübsche Anzüge und einiges erspartes Geld, das ich fest entschlossen war zu vergeuden.

Wer nie fehlt, hat wahrscheinlich auch nie Gutes getan.

"Ist es wahr, daß Sie Gedichte schreiben?" fragte man ihn.
"Ja, ich glaube es fast", gab er sanft, gutmütig und demutvoll zur Antwort.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

ein_regenschirm_0_0.jpgGeld verdienen kann man mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, indem einer seinem Bedürfnis nach distanzierter Betrachtung der Welt folgt, als Probeläufer für Luxushalbschuhe.

Gedanken zum Buch

Ja, das war die erste Erfahrung mit dem Weltmeister des Betrachtens und der Ruhe - Wilhelm Genazino. Seine detailgetreue Beobachtung und das Bis-zum-Ende-Denken zeichnen ihn positivst aus. Man spaziert mit ihm durch die Straßen und erobert mit ihm seine Bekanntschaften. Man ist er - eben wu... | ... weiterlesen

Zitate

Durch den Abbruch des Beischlafs ist mir Margot noch näher als zuvor. Sie macht keinerlei Aufhebens von unserem Mißgeschick. Ich kann nicht ausdrücken, daß ich ihr dankbar bin. Wie seltsam ist das Menschliche!

Das Klagen und Mhnen ist die Lieblingsbeschäftigung von fünfundneunzig Prozent der Menschheit, mit der mein Dünkel nichts zu tun haben will.

Ich habe einen Brief von dir gefunden, ruft sie aus, den du mir vor achtzehn Jahren geschrieben hast.
Vor achtzehn Jahren? frage ich tonlos.
Ja, sagt sie, im August vor achtzehn Jahren hast du mich so angeredet: Liebe Susanne ...
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Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Auf beinahe täglichen Gängen in die Natur belebt der Märchenerzähler Frederik F. Mellak seine Beziehung zur "Erde". Schon auf dem kleinen Rasenstück vor seiner Haustür warten Überraschungen.

Gedanken zum Buch

einfach gehen, einfach schauen, einfach spüren, einfach sein

Zitate

ich höre auf zu denken

ich gehe nicht mehr

ich fließe und gleite

knistere und knacke

biege mich

durch Baumgespinst und Astgewebe

wie weise

Hab und Gut abzuwerfen

bevor der Winter kommt

geben wie der Wind

der den Wellen Kraft verleiht

ohne Dank zu verlangen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

ermunterung_0.jpgSchule des Genusses? Ja, in die müßten wir wieder gehn. Eine schwere Schule, eine holde und strenge Zucht. Am Ende aber gibt es sie gar nicht; und wenn man sie zu ergründen versuchte, es käme ein schrecklicher "Ernst des Lebens" dabei heraus.

Gedanken zum Buch

So, ich muss die Geschichte, also wie ich zu diesem Buch kam, erzählen. Dieses Buch ist gebraucht und ich erhielt es in einem Kuvert. Noch relativ unspektakulär. Gleich nach dem Öffnen drang ein nasser alter Geruch in meine Nase, ich wagte dann lange nicht, es wirklich zu lesen. Ek... | ... weiterlesen

Zitate

Nachmittags lag Otto lange auf seinem Gasthausbett und las Zeitungen. Er las immer nur ein paar Sätze und versank dann in Gedanken.

Gelegentlich bringe ich dich einmal mit ihr zusammen. Wir wollen aber vermeiden, daß sie unsere Damen kennenlernen, ihren Charakter verliert und Mode wird.

Nimm dir lieber den Diwan, Hölderlin oder einen Band George aus meiner Bibliothek mit und lerne Gedichte auswendig, wenn du nicht einfach dösen kannst.

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