Robert Walser

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

mikrogramme2_0.jpgOriginalschrift von Robert Walser + Entschlüsselung. Robert Walser hatte sich eine Mikroschrift angewöhnt, die als unentschlüsselbar galt - bis jetzt.

Gedanken zum Buch

Walser hat deswegen so klein geschrieben um möglichst nicht gelesen zu werden. Es sollte eine Art geheimes Tagebuch bleiben. Jedoch kam es anders. Diese Betrachtungen seiner selbst sind eine Freude zu lesen. Zwischen seinen Gedanken und dem Geschriebenen steht hier keine Barriere. So zu schr... | ... weiterlesen

Zitate

Wenn ich anderer Leute Illusionen schone, so find' ich natürlich auch an den meinigen nicht gerade sehr viel auszusetzen.

Im übrigen laufe die Schicklichkeit Gefahr abzunehmen, wenn von allen Richtungen her darauf hingewiesen werde.

Vielfach ist es sehr schädlich, nützliche Bücher zu lesen, und sehr nützlich, hie und da mit einer schädlichen Lektüre nähere Bekanntschaft zu machen.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Ein Mann lebt beobachtend sein Leben. Er akzeptiert und liebt den Ersatz durch die natürliche Schönheit der Natur, die ihm hinwegtröstet von der Ausgeschlossenheit durch die Gesellschaft. Ein lebensfoher Text ohne Erreichen einer menschlichen Beziehung.die-strasse-robert-walser_0.jpg

Gedanken zum Buch

Die Welt ist schön, auch wenn man allein durch die Straßen streift. Damen werden immer wieder gedanklich begehrt, nur traut sich der Protagonist nicht den letzten Schritt zu tun. Da bleibt es beim Träumen und Verehren. Eine unpersönliche, freche Ansprache wird von den Angespr... | ... weiterlesen

Zitate

Es war dann und dann, genau kann ich die Zeit nicht angeben.

Ich möchte ihnen um keinen Preis nicht begegnet sein.

Nachher sprach ich im dunklen Treppenhaus mit einem ältlichen Fräulein über Leben und Sterben und fröhlich und traurig sein.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

der_r__uber.jpgWalsers Räuber ist ein Außenseiter, dem es nicht glückt, "sich der bürgerlichen Ordnung brav anzuschmiegen". Er ist ein Zeitgenosse, dem das Entscheidende fehlt, "was fürs Leben und seine Gemütlichkeit wichtig ist". Er ist der "Nichtsnutz", der sich in die Rolle eines "Räubers" gedrängt fühlt, da er kein Geld besitzt noch sich zu arrangieren und auf allgemein respektierte Weise welche... | ... weiterlesen

Gedanken zum Buch

Ach, wie lächelnd blickte ich dies Buch nach gelungenen Sätzen durch. Und wie nützlich finde ich meine Kugelschreiberhäckchen, die ich schon damals setzte, um die besten Sätze immer wieder flott wiederzufinden. Werde nun bei den Zitaten noch weitere einfügen. Da... | ... weiterlesen

Zitate

Man muß sich lieb behalten.
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Dummchen können sich in eine Schweigsamkeit verbeißen, wie man's nicht besser tun kann, sind Meisterinnen in der Lust an taktvoller Aufführung. Sie führen sich gleichsam wie zu... | ... weiterlesen

Allen meinen Mängeln gegenüber bin ich von einer totalen Gnädigkeit.
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Mein bemerkenswertes Prinzip lautet: wer mir nicht nützt, der schadet sich. Nicht wahr, das ist unerhört gut gedacht? Ferner lautet ein G... | ... weiterlesen

Ja, es kommt viel aufs Weben von Umständen an. "Unter Umständen", das ist ein wichtiges Wort.
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Wollen Sie mich bitte einen Augenblick über alles das Bedingende nachdenken lassen.
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Es war, als... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Sammlung von 25 Kurzgeschichten, entlarvend, doch mit schalkhafter Arglosigkeit vorgetragenen Episonden aus dem abenteuerlich unzeitgemäßen Alltag eines "Poeten". Die Erstausgabe dieses nach wie vor blitzblanken, dem Rost der Historie gegenüber bemerkenswert unauffälligen Buches erschien 1917, mitten im Ersten Weltkrieg. Eine größere Provokation des damaligen "Zeitgeistes" läßt sich kaum vorstellen.

Gedanken zum Buch

Das dürfte ein Protestbuch gegen den Krieg sein. Der Krieg wird nicht mit einer Silbe erwähnt. Sehr plaudernd und beiläufig kommen die Geschichten, scheinbar ohne Höhepunkt. Äußerst beruhigend und lieblich. Sehr ehrfürchtige Naturbetrachtungen. Einfach entspann... | ... weiterlesen

Zitate

Ich besaß zwei hübsche Anzüge und einiges erspartes Geld, das ich fest entschlossen war zu vergeuden.

Wer nie fehlt, hat wahrscheinlich auch nie Gutes getan.

"Ist es wahr, daß Sie Gedichte schreiben?" fragte man ihn.
"Ja, ich glaube es fast", gab er sanft, gutmütig und demutvoll zur Antwort.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Träumen, seiner Phantasie freien Lauf lassen, das macht Robert Walser am liebsten auf seinen Spaziergängen. Die ausgewählten Erzählungen sind Miniaturen über die Sehnsucht nach Geborgenheit in der Natur und beim Mitmenschen.

Gedanken zum Buch

Dieser Plauderton ist ehrlich und spontan, er lädt ein zum Mitgehen und Staunen, zum Atmen und Leben. Immer wieder wendet sich der Erzähler direkt an den Leser; das mag manchen verschrecken. Walser meint es aber wunderbar Nach-Einem-Greifend.

Zitate

Werden mir sehr geehrte Herrschaften, Gönnerschaften und Leserschaften, indem sie diesen vielleicht etwas zu feierlichen und hochdaherstolzierenden Stil wohlwollend hinnehmen und entschuldigen, nunmehr gütig erlauben, dieselben auf zwei... | ... weiterlesen

...mich entzückt eigentlich jedes noch so dumme und ungeschickte Stück Malerei, weil jedes Stüch Malerei erstens an Emsigkeit und Fleiß und zweitens an Holland erinnert.

Ich bin schon ein wenig zermürbt, zerstochen, zerdrückt, zerstampft, durchlöchert. Mörser haben mich zermörsert. Ich bröckle schon ein wenig, falle schon ein wenig ab, ja, ja! Ich sinke ein und bin schon ein wenig am... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Lieben ist ein Verschwenden, Kunst ein Sparen. Es gibt für mich keine gehässigeren Gegensätze.

Gedanken zum Buch

Jede Geschichte ist sehr kurz, keine 3 Seiten lang. Robert Walser kommt zum Punkt, das geht gut, wenn er verliebt ist. Ich glaube in Berlin war er es.

Zitate

Offenherzigkeit kann sehr rücksichtslos sein.

Vielleicht hat's keinen Sinn, daß wir uns gegenseitig auslachen, aber man lacht halt gern.

Da ich nicht verheiratet bin, es aber eigentlich bald sein wollte, so glaube ich mich auf die Füße machen zu sollen, damit gelegentlich wahr wird, was längst Wahrheit sein sollte, und ich eine Frau kriegte, kein leichtes Experiment... | ... weiterlesen

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Es ist einem, als schüttle da eine Riesin ihre Locken und strecke ein Bein zum Bett heraus, wenn man am frühen Morgen, noch ehe die Elektrischen fahren, von irgendeiner Pflicht angetrieben, in die Weltstadt hineingeht. Kalt und weiß liegen die Straßen wie ausgestreckte Menschenarme da.

Gedanken zum Buch

Diese leichte Sprache, sehr schnell und treffend. Interaktiv mit dem Leser diskutierend. Das spricht an. Ich bin Robert Walser im Moment des Lesens.

Zitate

Leute, die unter Leuten keinen Erfolg finden, haben bei Leuten nichts zu suchen.

Übrigens ist es billig und unedel, an den Mitmenschen Komisches zu entdecken und darüber zu lachen.

Bin ich eigentlich mit meinem Satz fertig oder nicht? Wenn nicht, so ist's eine schöne Sache zum Fortfahren.

Reinhard E. Karner

Inhaltsangabe

Ein Entwicklungsroman einer verhinderten Entwicklung. Das, was Jakob für das Leben ausrüsten soll, entzieht ihn dem Leben

Gedanken zum Buch

Dieses Leben, dieses unaufhaltbare, aber zurückgehaltene Leben lässt sich kaum zurückhalten. Die Energie kann nur schwer unterdrückt werden. Wie wird da das Ende sein? Ich verspreche - überraschend.

Zitate

Man lernt hier sehr wenig, es fehlt an Lehrkräften, und wir Knaben vom Institut Benjamenta werden es zu nichts bringen, das heißt, wir werden alle etwas sehr Kleines und Untergeordnetes im späteren Leben sein.

Ich wollte von etwas ganz anderem sprechen, nämlich von Kamerad Peter, dem langen Peter. Dieser hochaufgeschossene Knabe ist zu drollig, er stammt aus Teplitz in Böhmen und kann slawisch und deutsch sprechen. Sein Vater ist Schutzmannm u... | ... weiterlesen

...denn kränklichen, empfindsamen Leuten gegenüber ist die Welt ja so unbegreiflich roh, gebieterisch, launisch und grausam.

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