Zwei bemerkenswerte Frauen

arrow-click_TopRight_35_-76_AA300_SH20_OU03_.jpgEs geht in diesem Buch tatsächlich um zwei außergewöhnliche Frauen. Die drei unverheirateten Schwestern von John Philpot werden nach Lyme Regis verfrachtet, damit der Bruder mit seiner Familie in London standesgemäß leben kann.Für die Schwestern reicht das Erbe von 150 Pfund im Jahr nur zu einem Leben in Lyme. Louise und Elizabeth haben sich - reizlos und ohne nennenswerte Mitgift - mit ihrer Jungfernschaft abgefunden; Margaret muss es noch lernen. Als Elizabeth am Strand die ersten Fossilien findet, ist es um sie geschehen. Sie hat ihre Lebensbeschäftigung gefunden. Bei ihrer Suche am Strand lernt sie Mary Anning kennen, die Tochter eines Tischlers, die jeden Tag nach Kuriosiäten sucht, die sie an Touristen verkauft. Elizabeth lernt viel von Mary. Eines Tages entdeckt Mary ein Krokodil-ähnliches Fossil in den Klippen von Lyme. Im Jahre 1830 glaubt man noch daran, dass die Erde erst ein paar Tausend Jahre existiert und die Vorstellung, dass es vielleicht Tiere gegeben hat, die ausgestorben sind, ist für die meisten Menschen völlig undenkbar.
Als Elizabeth den Geistlichen Reverend Jones fragt, wie es kommt, dass die Tierskelette in die Steine gelangen und zu Fossilien werden, wenn es doch in der Genesis heißt, dass die Steine zuerst kamen, antwortet er ihr: "Als ER die Steine schuf, hat Gott die Fossilien eingefügt, um unseren Glauben auf die Probe zu stellen und ihren Glauben stellt er eindeutig auf die Probe, Miss Philipot."
Mary entdeckt auch noch ein Schildkröten-ähnliches Fossil mit einem sehr langen Hals wie bei einem Schwan. Durch ihre spektakulären Funde, sichert sie ihrer Familie über die Jahre ein gutes Auskommen und führt sie damit aus der früheren Armut heraus. Gesellschaftlich wird sie jedoch niemals anerkannt.
Die Freundschaft zwischen ihr und Elizabeth wird durch Eifersucht eine Zeit lang auf eine harte Probe gestellt, doch finden die beiden so unterschiedlichen Frauen wieder zusammen und widmen sich weiterhin den rätselhaften Versteinerungen am Strand von Lyme Regis.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieses Buch las sich wunderbar und ich fand es äußerst interessant, obwohl mich beim Lesen manchmal die Wut gepackt hat über die damalige Männerwelt. Eine tollen historisch fundierte Geschichte über diese beiden bemerkenswerten Fossiliensammlerinnen, von denen ich noch nie gehört hatte. Andererseits auch wieder diese aus unserer heutigen Sicht ungeheuerliche Unterdrückung der Frauen, denen nicht einmal erlaubt wurde, bei einem Vortrag der Geologischen Gesellschaft zuzuhören, geschweige denn, dass sie das Wort ergreifen durften.

Im Laufe der Jahre hat Mary Anning damals außer dem Ichthyosaurier auch noch den Plesiosaurier gefunden. Diese sind im Natural History Museum in London ausgestellt und ein kopfloser Plesiosaurier von ihr in der paläontologischen Galerie des Musèe National d'Histoire Naturelle in Paris.
Von Elizabeth Philpot gibt es eine Fossiliensammtlung, die sich im Oxford University Museum of Natural History befindet. Außerdem gibt es in Lyme Regis das Philpot-Museum.

Schon bald nach meiner Ankunft im Morley Cottage erkor ich Fossilien zu meiner neuen Leidenschaft. Irgendeinen Zeitvertreib brauchte ich schließlich: Ich war fünfundzwanzig, würde wahrscheinlich niemals heiraten und suchte nach einer Liebhaberei, die meine Tage ausfüllen konnte. Das Leben einer Dame kann unendlich öde und langweilig sein.

Seitenangabe für Zitat1: 
24

Mary fürchtete die Gezeiten nicht; sie hatte ein sicheres Gespür für ihr Kommen und Gehen, das sich bei mir niemals einstellte. Wahrscheinlich muss man dafür so nah am Meer aufwachsen, dass man vom Fenster aus hineinspringen könnte.

Seitenangabe für Zitat2: 
38

Margaret war in ihrem Element. Dies war eine Situation wie aus einem der Romane, die sie so gern las, zum Beispiel aus der Feder von Miss Jane Austen, die Margaret damals, bei unserem ersten Besuch in Lyme, im Ballsaal gesehen zu haben glaubte. In einem der Bücher von Miss Austen kam sogar Lyme vor, aber ich las keine Romane und wollte mich dazu auch nicht überreden lassen. Das wahre Leben war viel komplizierter, denn dort löste sich nicht alles in Wohlgefallen auf, weil die Heldin den richtigen Mann fand. Wir Philipot-Schwestern waren das beste Beispiel dafür, wie unerfreulich es in der Wirklichkeit ausgehen konnte. Ich brauchte keine Romane, um mich daran zu erinnern, was mir entgangen war.

Seitenangabe für Zitat3: 
219
Verlag: 
btb-Verlag
Auflage: 
genehmigte Taschenbuchausgabe März 2012
ISBN: 
ISBN 978-3-442-74305-6 WG 2110

Kommentare

Hallo Ute! Schön, dass Du jetzt auch hier bei uns bist!
 
Das klingt wirklich nach einer interessanten Geschichte. Da wird einem gleich wieder bewusst, wie gut es uns heute geht. Zum Glück gab es immer Frauen, die sich für ihre Ideale vehement eingesetzt haben, sonst würden wir heute noch im Mieder stecken. Was für eine Vorstellung! Smile

Erst mal: Herzlich Willkommen, liebe Ute.... freut mich, dass du jetzt auch hier vertreten bist :o))))
 
Also hat`s die beiden Damen wirklich gegeben... spannend... ich find das ja immer sehr schön, wenn gerade so histroische Fakten bzw. das Leben von Menschen die wirklich mal gelebt haben,   in Romanform aufbereitet wird.
Da hat man als Leser gleich einen ganz anderen Zugang dazu...... sicher sind auch sehr viele Komponenten der Fantasie des Autor`s entsprungen, aber der Kern bleibt ja trotzdem.
 

Vielen Dank für Euer herzliches Willkommen. Noch wandere ich ein bisschen unsicher durch die Gegend, aber mit Deiner Hilfe, tedesca, habe ich jetzt schon einmal den Text der Inhaltsangabe korrigieren können und auch ein Bild des Buches eingefügt. Ich freue mich immer wieder, wenn mir dann doch etwas gelingt, was mir zuvor als schwierig erschien.
Ich schau dann erst einmal, welche Art Buchpatenschaften hier so übernommen werden ;-)))

Also Bücher gibt's hier wirklich aus allen Kategorien, vom Fachbuch übers Kinderbuch bis hin zu Klassikern, Horror, Fantasy.... alles da!
 
Dein Ava ist ja putzig!

Bei audible.de gibt es das Hörbuch, leider gekürzt. Jetzt hab ich die ungekürzte englische Originalversion in den Warenkorb gelegt - freu mich schon drauf und werde dann berichten!
 
Beim Stöbern hab ich gesehen, dass "Das Mädchen mit dem Perlenorhrring" auch von der selben Autorin stammt, das wollte ich auch schon lange einmal lesen, da hat mir der Film ganz gut gefallen.

Ach  daher weht der Wind...... "Das Mädchen mit den Perlenohrringe" ist mir nämlcih auch ein Begriff........ oh Mann..... ich lass aber vorläufig jetzt mal die Finger davon..... zuerst ein bissl am Büchervorrat daheim weiterlesen und dann erst wieder Nachschub bestellen.... aber notieren kann ich`s mir ja mal vorsichtshalber.... ;o)

Komischerweise gibt's "Das Mädchen..." sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch nur gekürzt. Das nervt! Aber diese Dame war sehr produktiv, ich hab allein bei audible.de 6 Bücher von ihr gefunden!
 
Das beweist einmal mehr, dass ich lesen kann, soviel man will, und trotzdem immer den Eindruck hab, ein literatisches Nackerpatzl zu sein... ein Jammer!