Woher wir kommen

Woher_wir_kommen.jpgNach dem Verlust beginnt das Leben neu Ada hat nach dem Selbstmord ihres Freundes auch als Malerin gerade mit ganz neuen Bildern begonnen, als plötzlich drei lebhafte Kinder und ihr Jugendfreund Jonas in ihr Leben eindringen. Ihre Mutter Martha musste es verwinden, dass ihr Mann gemeinsam mit seinem kurdischen Freund Vedat spurlos im Ararat-Gebirge verschwand. Seitdem trifft sie sich einmal im Jahr mit Vedats Frau Lale, um sich gemeinsam ihrer Männer zu erinnern, auch wenn sie keinen Ort haben, um zu trauern. Lilofee, die Tante, hatte als junges Mädchen in den Bergen einen Kriegsgefangenen versteckt und musste mitansehen, wie er, ihre große Liebe, verraten und verschleppt wurde. Nie wird sie das vergessen können, aber sie rächt sich. Barbara Frischmuth erzählt klug und mit der nur ihr eigenen souveränen Leichtigkeit, die das Unerträgliche nie vergessen lässt, wie jede dieser Frauen es lernen muss, im Jetzt zu leben und Liebe wieder zuzulassen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Drei Frauen, drei Schicksale. Liebe, Verlust und neue Hoffnung.
Martha, die ihren Mann verliert. Lilofee, deren Geliebter verraten und ermordet wird. Ada, die sich nicht sicher ist, ob sie sich in Johannes, den Vater von drei Kindern, verlieben soll.
Alle drei gehen ihren Weg, lassen sich von ihren Ängsten nicht besiegen, nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Ada hat die Zukunft noch vor sich, für Martha stellen sich immer wieder neue Fragen.
Besonders originell finde ich den Wechsel in der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin zum neutralen Beobachter zum Klatsch der Dorftratschen im Kaffeehaus. "Hast schon gehört...." - Das kennt man ja, vor allem, wenn man in einer Ortschaft der Größe von Altaussee lebt. Und das verleiht der Geschichte eine zusätzliche Lebendigkeit und den Figuren eine weitere Dimension der Wahrnehmung. "Woher wir kommen" ist ein wunderschöner Familienroman, ansprechend geschrieben, unterhaltsam und berührend.

Neulich war Ada im herbrand-Haus. Sie hat im Garten geraucht. Am Rand der Terrasse. So gegen Mitternacht.
Hat sie was mit dem jungen Herbrand?
Und wenn schon.
Raucht er auch? Nämlich wenn er nicht raucht, sie aber schon, kannst dus vergessen. Welcher Mann will heute noch eine Zunge im Mund haben, die nach Tabak schmeckt? Fürher vielleicht, als fast alle geraucht haben, aber heute will kein Nichtraucher mehr mit einer Raucherin, könnts mir glauben.

Seitenangabe für Zitat1: 
91

Ich selbst hatte bis dahin geglaubt, das der Tod eines Menschen, mit dem man so sehr verbunden ist, wie Robin und ich miteinander verbunden waren, sich ankündigen müsse. Dass es Zeichen gäbe, darauf hindeutende Gefühle, Vorahnungen. Aber da war nichts, nicht der geringste Hinweis, weder Verdacht noch vorauseilendes Erschrecken, kein zu deutender Traum, keine Boschaft im Auge des anderen. Nur Ada wurde von einer Ahnung gestreift, wie auf dem Foto, das Robin in Anadolu Kavagi von ihr gemacht hat, noch immer zu sehen ist.

Seitenangabe für Zitat2: 
184
Verlag: 
Aufbau Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3351035082