Winter der Welt

Ken Folletts "Winter der Welt" beginnt im Jahr 1933 in Deutschland. Man erlebt hautnah mit, wie die Nazis an die Macht kommen und diese rücksichtlos einsetzen, indem sie Medien und politisch anders Gesinnte ausschalten. Auch in England wird die Angst vor dem Kommunismus geschürt und der Faschismus findet Zulauf.
Ähnlich wie schon in "Sturz der Titanen" erzählt Follett anhand von jeweils einer Familie in Deutschland, England, USA und Russland die historisch bekannten Entwicklungen in diesen Ländern.

Meine Gedanken zum Buch: 

Folletts Stärke ist neben einer fundierten Recherche vor allem die Zeichnung seiner komplexen Figuren und die daraus resultierenden Konflikte in der Handlung. Dafür ist natürlich die Zeit vor und während des zweiten Weltkriegs bestens geeignet.

Follett war sichtlich bemüht nicht zu einseitig zu schreiben, man ist als Leser sprachlos über die Gräueltaten der Nazis, aber es finden sich auch Deutsche die im Untergrund ihr Leben riskieren, indem sie gegen Hitlerdeutschland arbeiten. Die Gesellschaft in Amerika und England vor dem Krieg wird ebenso kritisch betrachtet, wie Stalins Russland und Amerikas Atombomben auf Japan.

Fazit:
Sehr aufwühlende Geschichtsstunde mit fiktiven Figuren - aber als Leser ist einem schnell klar, dass es genau solche Einzelschicksale wie die Hauptfiguren in "Winter der Welt" in großer Anzahl tatsächlich gegeben hat. Man sollte sich daher gut vorher überlegen, ob und wann man sich mit diesen über 1000 Seiten auseinandersetzen will, die eine der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte behandeln, denn die Geschichte beschäftigt einem über das Lesen hinaus.
Sehr vereinzelt hatte ich das Gefühl, dass der, sich selbst vom Autor auferlegte, hohe Anspruch über die Historie aller vier Länder und Familien im Detail zu schreiben, eine zu weitläufige Handlung ergibt, doch dann baute Follett zumeist wieder rechtzeitig die Berührungspunkte zwischen den jeweiligen Familien und Figuren ein.
Es kommen auch noch einige Begebenheiten aus "Sturz der Titanen" zur Sprache, man genießt dann diese Szenen doppelt, wenn man dieses Vorgängerbuch gelesen hat.
Alles in allem wieder ein sehr gelungener Roman von Follett.

Verlag: 
Lübbe
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-7857-2465-1

Kommentare

Ich hab jetzt gut ein Drittel des Hörbuchs hinter mir, das mir sehr gut gefällt. Wie auch schon im "Sturz der Titanen" wird die Geschichte aus dem Blickwinkel junger Leute erzählt, den Kindern der altbekannten Figuren. Natürlich kann ich mich nicht mehr an alles aus dem ersten Buch erinnern, aber Follett erzählt etliches so, dass man dann doch wieder weiß, worum es geht. Gute Unterhaltungsliteratur, würde ich sagen. Ausserdem war mir bis jetzt nicht bewusst, wie sehr doch auch in England eine nationalsozialistische Bewegung aktiv war. Fazit folgt!

Mein endgültiges Fazit knüpft lückenlos an meinen vorherigen Kommentar an:
 
Follett beschreibt aus dem Blickwinkel junger Leute, den Nachkommen der Protagonisten aus "Sturz der Titanen", die Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges in Deutschland, die aufkeimenden Bewegungen in London, die Situation in Moskau und den USA. Hautnah erleben wir die Foltermethoden der Nazis, den Blitz in London, den Angriff auf Pearl Harbour und die Bombardierung Berlins.
Natürlich sind unter den Hauptfiguren hauptsächlich tapfere "Gute" und keine fanatischen Nazihenker, aber so manch einer lässt sich doch von den Parolen und Versprechungen verführen und erkennt erst zu spät, dass er zur Marionette eines totalitären Regimes gemacht wurde, das an Grauen alles bisher Dagewesene übertrifft. Ähnliches gilt für die überzeugten Kommunisten in Russland, wobei diese nach wie vor davon überzeugt sind, auf der guten Seite zu kämpfen, weil sie natürlich auch nur bedingt über Informationen darüber verfügen, was im eigenen Land vorgeht.
Alles in allem versucht Follet, ein relativ neutrales Bild dieser Zeit zu zeichnen, das gefällt mir an sich recht gut. Natürlich werden jede Menge Klischees bedient, das beherrscht Follet ja wunderbar, und auch an Liebesgeschichten fehlt es nicht, aber unterm Strich wurde ich auf angenehmem Niveau gut unterhalten, und das ist ja die Hauptsache.