Wilde Schwäne

Von der Kaiserzeit bis zu den Ereignissen am Platz des Himmlischen Friedens 1989 erzählt Jung Chang die spannungsgeladene Geschichte dreier Frauengenerationen aus dem China des 20. Jh., Im Mittelpunkt stehen die Großmutter und die Mutter der Autorin sowie Jung Chang selbst. Ihre Porträts vermitteln einen Eindruck der kommunistischen Revolution von Mao Zedong, die China in die Moderne führte. Inhalt: Yu-fang, die Großmutter der Autorin, wird 1924 im Alter von 15 Jahren als Opfer ihres machthungrigen Vaters dem Polizeichef der Zentralregierung in Peking als Konkubine anvertraut, was ihrem Vater die Beförderung ermöglichte. Bao Qin (Mutter) 1931 geboren, schließt sich als junge Frau den Kommunisten an und heiratet 1949 einen hohen Revolutionär. Beide werden Opfer der zahlreichen politischen Reinigunskampagnen. Die Geschichte ihrer eigenen Jugend schildert Jung Chang im Spannungsverhältnis zwischen Tradition, KOmmunismus und Moderne. So berichtet sie u. a. über das chinesische Schulsystem der Mao-Ära, den Beginn der Kulturrevolution, die Aktionen der Roten Garden, die Infrastruktur des von innenpolitischen Macxhtkämpfen erschütternden Landes, aber auch über das alltägliche Leben, die medizinische Versorgung der Landbevölkerung sowie die allmählich sich vollziehende Demokratiebebewegung nach Maos Tod.

Meine Gedanken zum Buch: 

Durch Zufall fiel mir dieses hochinteressante, spannende Buch in die Hand, das ich  kaum weglegen konnte. Die Geschichte der Großmutter, die noch gebundene Füße hatte, Konkubine des Polizeichefs war und erst später einen Arzt heiratete, sowie die der Mutter, die eine überzeugte Kommunistin war und doch Opfer einer Reinigungskampagne wurde, gemeinsam mit dem Vater, wird von Jung Chang fesselnd erzählt.  Sie selber war auch überzeugte Kommunistin und es ist bedrückend, dass trotz aller Repressalien, die die Menschen erlebten, von Hungersnot, beruflichen und schulischen Nachteilen,Trennung von Familie , Denunzierungen uvm, Mao bis zuletzt als unantastbare Persönlichkeit galt.  .  Jung Chang erzählt ihre Geschichte von den Umständen zu Hause, als Rotgardistin, bei der Umerziehung, als Bäurin und Barfußdoktor und schließlich als Englischstudentin und erste Frau Chinas, die ein Stipendium für ein Studium in England erhielt.

In Maos neuem China mußten alle dasselbe denken und dasselbe sagen, sonst drohte seiner Auffassung nach das Land auseinanderzubrfechen. Er ließ etliche Schriftsteller verhaften, weil sie angeblich an einer "konterrevolutionären Verschwörung" beteiligt waren. "Konterrevolutionäre Umtriebe´" waren eine schwerwiegende Anklage, darauf standen harte Strafen bis hin zur Todesstrafe. Das war der Anfang vom Ende jeder Möglichkeit zum individuellen Ausdruck in China.

Seitenangabe für Zitat1: 
270

Um das Gewaltpotential der Jugendlichen freizusetzen brauchte man Opfer. Die naheliegendsten Zielscheiben an der Schule waren die Lehrer, und die rebellierenden Kinder konnten leicht gegen sie aufgebracht werden. Die Lehrer waren bessere Zielscheiben als di Eltern, die nur einzeln und nicht in Massenaktionen hätten angegriffen werden können. Außerdem waren Lehrer in der chinesischen Kultur im Vergleich zu den Eltern wichtigere Autoritätspersonen. In praktisch jeder Schule in China wurden sie beschimpft und geschlagen, einige so schwer, dass sie ihren Verletzungen erlagen. Schüler richteten Gefängnisse ein und folterten ihre Lehrer.

Seitenangabe für Zitat2: 
395

Ich fand meine Umgebung unerträglich. Unwissen konnte ich akzeptieren, nicht aber seine Verherrlichung und noch weniger den Anspruch, dass die Unwissenheit zu regieren habe.

Seitenangabe für Zitat3: 
657
Verlag: 
Knaur Taschenbuch Verlag
Auflage: 
Vollständige Taschenbuchausgabe September 2004
ISBN: 
978-3-426-62705-1