Verteidigung der Missionarsstellung

Benjamin Lee Baumgartner befindet sich per Interrailticket in England, als der Rinderwahn ausbricht. In einer Hamburgerbude sieht er seine Traumfrau - obwohl er eigentlich Vegetarier ist, entschließt er sich, einen Burger bei ihr zu kaufen. Tatsächlich kommen sie auch ins Gespräch und die namenlose Verkäuferin willigt ein, mit ihm nach Dienstschluss auszugehen.
Allerdings hat Benjamin kein Geld mehr, so versetzt er kurzerhand seinen Ring für sehr wenig Geld, der obendrein noch das einzige Andenken an seinen indianischen Vater darstellt. Ist er bereits vom Rinderwahn befallen?

Meine Gedanken zum Buch: 

 
 
 
Wolf Haas Hauptfigur Benjamin Lee ist ein Antiheld. Schon während der Szenen am Burgerstand beschreibt Haas die Gedanken seiner Hauptfigur und wie diesem sehr eloquente oder auch nur komplizierte Formulierungen einfallen, mit denen er die Verkäuferin beeindrucken könnte, tatsächlich bringt er letztendlich aber immer nur sehr kurze und wenig beeindruckende Sätze hervor. Die Handlung wird aus Sicht eines Autors erzählt, der gleichzeitig ein Freund von Benjamin Lee ist und sich auch immer mehr in dessen Geschichte verstrickt – denn immer wenn irgendwo auf der Erde eine Seuche ausbricht, scheint Benjamin Lee dort zu sein und sich zu verlieben. Oder ist es umgekehrt – bricht immer dann eine Seuche aus, wenn sich Benjamin Lee verliebt?
Fazit:
Wolf Haas bietet höchstes Lesevergnügen, seine Sätze und Formulierungen sind einzigartig, einige haben sogar das Potential Kultstatus zu erlangen, allerdings sollte man sich deswegen auch unbedingt einen ruhigen Platz suchen und sich genügend Zeit zum Lesen nehmen. Trotz der humoristischen – satirischen Handlung muss man sich zumindest zu Beginn des Romans voll konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren. Einige Seiten sind nur mit ein oder zwei Sätzen Text beschrieben, da diese diagonal, quer oder in Aufzugsform angeordnet sind. Die Darstellung passte zwar zum Text und will besonders originell daherkommen, fast hat es aber den Anschein (speziell bei der Aufzugsszene) dass man Seiten schinden wollte.
Insgesamt ist der Roman aber absolut lesenswert - Wolf Haas bestätigt wieder einmal, dass er zu Recht einer der erfolgreichsten österreichischen Autoren ist.

Verlag: 
Hoffmann und Campe
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-455-40418-0