Verlockung

Verlockung.jpgUngarn zwischen den Weltkriegen. Der Bauernjunge Béla zieht vom Land zu seiner jungen, lebenshungrigen Mutter in die Budapester Vorstadt. Sein Entschluss ist gefasst: Er will die Armut hinter sich lassen und sie erobern, diese märchenhafte, andere Welt. Als Liftboy in einem Luxushotel taucht er in die dekadente Gesellschaft der Reichen und Schönen ein. Als eines Nachts die schöne, geheimnisvolle Gattin seiner Exzellenz nach ihm klingelt, glaubt Béla seine Stunde gekommen ...

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein fabelhafter Roman, großartige Literatur! Ohne jemals ins Jammern zu verfallen erzählt Béla seine Geschichte, die von Elend und Not geprägt ist. Stets behält er die Zukunft im Auge, auch wenn seine Lage hoffnungslos erscheint, selbst in der ärgsten Krise verliert er nicht den Willen zum Leben.
 
Geprägt von diesem optimistischen Ton erzählt Székely diese Geschichte, die zum Teil auch autobiografisch ist, und lässt vor den Augen des Lesers das gespaltene Budapest der Zwanzigerjahre auferstehen. Die Elendsviertel, die Obdachlosen im Park, die zerlumpten Proletarier, immer auf der Suche nach Arbeit und etwas Essbarem. Daneben der Prunk von Budapests elegantestem Hotel, die vergnügten jungen Leute auf der Margareteninsel, der scheinbar grenzenlose Reichtum. Die "Exzellenzen", für die Dienstboten nicht mehr als Tiere sind, selbst der Hund wird besser gehalten.
 
Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte und das einen sicher nicht so schnell wieder loslässt.

Nur ein Mensch, der lange gelebt hat, der begeistert und ernüchtert und wieder begeistert gewesen ist, vermag eines Tages still und demütig zu erkennen, daß der vielgepriesene menschliche Geist alles in allem einem Käse gleicht: Ist er reif geworden, so wimmelt er von Maden. Es gibt eine bestimmte Art der Weisheit - und es ist nicht einmal die schlechteste -, die wie die Käsemade nur in der Fäulnis und durch sie existieren kann; eine Weisheit, die, wenn man will "tiefgründiger" ist als die primitiven schaffenden Klassen, die aber die schöpferische Fähigkeit verloren hat - man kann mit ihr nicht mehr leben, nur sterben, langsam, allmählich, wie die Welt, die sie hervorgebracht hat.

Seitenangabe für Zitat1: 
532
Verlag: 
Btb
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3442735105