Tschick

Tschick.jpgMutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Assi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Meine Gedanken zum Buch: 

Maik und Tschick auf großer Fahrt. In einem gestohlenen Lada Niva in Richtung Walachei. Zwei Teenager, die aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen und trotzdem im Grunde das gleiche Schicksal erleiden: die komplette emotionale Verwahrlosung, keiner kümmert sich um sie, alle Erwachsenen sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um auf die Bedürfnisse eines 15-Jährigen einzugehen.

Ein berührend-witziges Buch, geschrieben in einer jugendgerechten Sprache, die immer natürlich klingt, nicht übertrieben und auch nicht nervig.

Besonders gut gefallen hat mir eine der Schlussaussagen, nämlich, dass die Menschen garnicht so schlecht sind, wie immer behauptet wird.

Ein echter Tipp für Jugendliche und Erwachsene, die ihre eigene Jugend noch nicht vergessen haben oder vielleicht einfach einmal gerne Einblick in die Gedankenwelt von Teenagern gewinnen möchten.

Ich konnte Tschick von Anfang an nicht leiden. Keiner konnte ihn leiden. Tschick war ein Asi, und genau so sah er auch aus.

Seitenangabe für Zitat1: 
41

Ich hatte meinen Arm aus dem Fenster gehängt und den Kopf darauf gelegt. Wir führen Tempo 30 zwischen Wiesen und Feldern hindurch, über denen langsam die Sonne aufging, irgendwo hinter Rahnsdorf, und es war das Schönste und Seltsamste, was ich je erlebthabe. Was daran seltsam war, ist schwer zu sagen, denn es war ja nur eine Autofahrt, und ich war schon oft Auto gefahren. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man dabei neben Erwachsenen sitzt, die über Waschbeton und Angela Merkel reden, oder ob sie eben nicht da sitzen und niemand redet.

Seitenangabe für Zitat2: 
104

".... Der hat seine Aussage schon gemacht. Der gibt dir die ganze Schuld. Das ist immer so, da gibt jeder Idiot dem anderen die Schuld."
"Und das soll ich also auch machen?"
"Das sollst du nicht, das wirst du machen. Weil sie dir nämlich glauben. Verstehst du? Du kannst von Glück sagen, dass der Typ von der Jugendgerichtshilfe so begeistert war. Wie der das Haus gesehen hat. Wie der allein den Pool gesehen hat! Das hat er ja auch gleich gesagt, dass das hier ein Elternhaus ist mit den besten Möglichkeiten und allem Pipapo." Mein Vater drehte sich zu meiner Mutter um, und meine Mutter linste in ihr Glas. "Du bist da reingerissen worden von diesem russischen Asi. Und das erzählst du dem Richter, egal, was du der Polizei vorher erzählt hast, capisce? Capisce?"
"Ich erzähl dem Richter, was passiert ist", sagte ich. "Der ist doch nicht blöd".

Seitenangabe für Zitat3: 
230
Verlag: 
rororo
Auflage: 
8. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3499256356