Tante Rosina und das verräterische Mieder

Tante_Rosina.jpgDie Tochter des Bürgermeisters bestellt im Wäschegechäft ein Mieder und die Besitzerin des Geschäftes bringt diese Tatsache durch die Beichte beim Pfarrer in Umlauf. So beginnt die Geschichte, die von den verschiedenen Bewohnern des Dorfes erzählt, die alle irgendwie miteinander zu tun haben und deren Wege sich immer wieder kreuzen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Der Autor Andrea Vitali ist selbst in diesem Ort aufgewachsen und beschreibt sehr genau die Mentalität der Bewohner. Die Hauptrolle spielt der Bürgermeister, der selbst ein Geheimnis mit sich trägt, das seine Frau nicht wissen soll und das durch die Beziehung seiner Tochter Renata zum Sohn des Bäckers ans Tageslicht kommen könnte. Er selbst wird als sehr geltungssüchtiger Mensch dargestellt, der den Ort in große Schulden stürzt, um sich den anderen Bürgermeistern der Gegend gegenüber hervorzuheben. Dass dabei der eine oder andere Skandal nicht ausbleibt, liegt auf der Hand. Jeder Bewohner des Dorfes, ist mit einem anderen irgenwie verbandelt, wodurch sich deren Geschichten kreuzen. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz und führen den Leser von einem Bewohner zum anderen. Das Buch liest sich sehr flüssig und ich fand das Eintauchen in die italienische Lebensart ziemlich amüsant.

"Ich habe so ein Ding doch noch nie angezogen", sagte Evangelia. "Solche Sachen weiß man eben", erwiederte er kurz angebunden. "Und Renata?", fragte die Frau barsch. Renata!, dachte der Bürgermeister. "Wo ist das Ding?", frage er. "Ich weiß es nicht"; antwortete die Frau. "Sieh an!", sagte er. Wie sollte er der Tochter gegenübertreten und sie beschuldigen, diesen unschicklichen Kauf vorgenommen zu haben? Wie sollte er sie fragen, vorgeben, den Grund zu wissen, wenn er ihr das Corpus delicti nicht unter die Nase halten konnte?

Seitenangabe für Zitat1: 
32

Ein Schauder überkam ihn. Schließlich erreichte er den Bahnhofsvorplatz. Er warf einen vorsichtigen Blick auf die Straße. Niemand. Hurra, er hatte es geschafft! Dann war er auf dem Bahnsteig. Die Fahrkarte? Die konnte er im Zug lösen. Wieviel Strafe kostet das? Zehn Lire, vielleicht zwanzig. Oder dreißig. Er würde alles bezahlen. Wenn er nur aus diesem Ort wegkam.

Seitenangabe für Zitat2: 
284

Die Prognose ist noch ungewiss. So sollte sie es sagen, hatte Tante Rosina ihr aufgetragen. "Aber das ist doch nicht war", hielt Dulù entgegen. "Was die Whrheit ist,bestimmt der, der das Sagen hat", bemerkte die Alte, und dann befahl sie ihr, sich zu setzten und zuzuhören.

Seitenangabe für Zitat3: 
344
Verlag: 
Piper
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978 3 492 25407 6

Kommentare

Der Ort liegt am Comersee nördlich von Mailand.
Liebe Grüße
Gabi

Hab das Buch schon auf der Wunschliste, wobei meine Lieblingsgegend in Italien ja südlich von Neapel beginnt. Comersee ist aber auch schön, und Dorfleben ist Dorfleben...
Liebe Grüße
Germana

Also ich weiß, man soll ja eigentlich erst einen Kommentar abgeben wenn man ein Buch zu Ende gelesen hat, aber ich kanns mir einfach nicht verkneifen.
Durfte ja schon das eine oder andere Mal schmunzeln aber der erste große Lacher kam jetzt auf S 156. Ich will ja nix verraten aber, Gabi, du weißt was ich mein!!!
Ich sag nur, Schauspielunterricht: Addolorate schwingt das Szepter!!!!!
Herrlich, oder????

Liebe Claudia, es ist überhaupt nicht notwendig, das Buch vor deinem ersten Kommentar zu Ende zu lesen. Sobald dir beim Lesen etwas Bemerkenswertes unterkommt, nicht aufhalten lassen, sondern gleich deine statements dazu abgeben. Anders verhält es sich bei den Buchpatenschaften; hier wünschen wir uns, dass das Buch vor der Vorstellung zu Ende gelesen wird. (Außer es ist so grottenschlecht, dass das Lesen überhaupt keinen Spaß mehr macht...)
 
meint Gabi

Kleine und etwas größere Skandale, ein Dorf in dem jeder jeden kennt, pures intalienisches Lebengefühl - was will man mehr.
Ein Leben in dieser Ortschaft könnte ich mir selbst durchaus recht reizvoll vorstellen. Langweilig wird`s dort sicher nie.
Schade fand ich nur, das man über Tante Rosina doch ziemlich wenig erfahren hat. Ich hätte mir gewünscht, dass sie die Hauptrolle in dieser Geschicht einnimmt, denn seien wir mal ehrlich, diese Tante hat´s sicher in jeder Beziehung faustdick hinter den Ohren (ich verweise nur auf die Täuschungsmanöver betreffend ihres eigenen Gesundheitszustandes).
Dieses Buch verspricht ein flüssiges, amüsantes Lesevergnügen gepaart mit einen Hauch von Dolce Vita. Mit Tip - einfach gemütlich machen, ein Glas kräftigen Rotwein und ein Schälchen Oliven in Reichweite und auf geht`s nach Bellano am Comer See.
Außerdem wünsche ich uns allen genau so eine Tante in der Verwandschaft - die würde dann mal so richtig gscheit aufmischen!!!! Wink
 

ist heute als Überraschungsgeschenk bei mir eingetroffen - hurra! Jetzt muss ich nur mehr die Zeit finden, es zu lesen...

Ich würde mal sagen, wenn dir das Wetter an diesem verlängerten Wochenende (für dich zumindest, ich muss am Montag ja arbeiten) zu schlecht werden sollte, schnappst du die einfach Tante Rosina samt Mieder und machst eine gedanklich Reise Richtung Süden.... Wink

Kommentare reizen mich dieses Buch zu kaufen. Sie klingen alle sehr amüsant. Ich freue mich schon darauf.
Paula
 

Also ehrlich gesagt war ich von dem Buch etwas enttäuscht. Ich liebe die humorvolle Erzählweise, wie ein Camilleri sie hat, oder auch die Skurrilität einer Lily Prior in "La cucina siciliana", wo die Italiener mit all ihren kleinen Besonderheiten liebevoll und mit einem Augenzwinkern dargestellt werden, und in diese Richtung soll wohl auch dieses Buch gehen. Aber dafür fehlt es meiner Meinung nach den Figuren an Profil und an Originalität, und der ganzen Geschichte an Witz. Irgendwann hab ich begonnen, die noch ungelesenen Seiten auszurechnen, und das ist immer ein Zeichen dafür, dass ich mich langweile. Ich werde von Vitali sicher kein weiteres Buch lesen und würde dieses nur großen Italienfans mit Vorbehalt empfehlen.

Es ist teils schon eine recht amüsante Erzählung, finde ich , obwohl ich natürlich auch zugeben muss: Der Titel versprach mehr, als das Buch dann tatsächlich gehalten hat. Vorallem find ich, dass der Titel im Grunde einfach komplett falsch gewählt wurde.
Hätte man Tante Rosina tatsächlich die Hauptrolle in diesem Roman zugestanden (wie eigentlich von mir erwartet), hätte das dem Buch auch sicher mehr Pfiff verliehen. So macht die ganze Geschichte aber eher einen großen Bogen um Rosina und ihr Mieder und das ist ein bisschen schade.