Siddhartha

" Siddharta sagt, er glaubt nicht recht an alle Lehren, weder die der Brahmanen noch die Buddhas und der Asketen, denn alle diese Lehren seien in Worte gefaßt und ruhen auf Worten. Er aber sei überzeugt, daß alles Denken durch Worte nur leide und entstellt werde; das richtige, echte, wesenhafte Denken gehe ohne Worte, ohne Abstraktionen und sei schöpferisch, es bedürfe darum auch der Mitteilung nicht, sondern sei in sich selbst begnügt wie die Sonne im Ausstrahlen." ( Zitat: S. 141)

Meine Gedanken zum Buch: 

Ja, gute Frage, was hat mir besonders gefallen....angelehnt an die angenommene Existenz eines morphogenetischen Feldes, zähle ich Hermann Hesse zu einem meiner "geistigen Väter".....ich liebe diese Geschichte, weil sie so unendlich viel Wahres in sich birgt und sie ist für mich als "Freidenker" eine wahre "Wohltat" gewesen...Siddharta, in dem kann ich mich wiederentdecken, denn auch ich bin Zeit meines Lebens auf der Suche nach Wahrheit / Liebe ( heute nenne ich es Tao- das ALL-Eine ohne Namen) )  gewesen...zum Schluss, nach seinem Weg über viele verschiedenen Stationen, wo er immer wieder feststellt, daß er keinen für sich "passenden Lehrer" und keine für ihn "passende Lehre" findet.....endet sein ganz eigener Weg am Fluss, der sein bester Lehrer wird....will jetzt nicht mehr Worte verlieren, über ein Werk, was jeder, der etwas "tiefer" gucken, fühlen, schmecken, riechen, hören kann...für sich selbst entdecken sollte....für mich ist es ein absolutes Schmuckstück, ein gedanklicher Meilenstein und ich begegne Hesse Zeit meines Lebens immer wieder, auch an Stellen, wo ich ihn garnicht vermute, und wenn es nur ein Zitat ist ( z.B. bei Xing auf der Startseite der Bücher, Bücher,Bücher Gruppe, weswegen ich jetzt hier ganz "zufällig" bei Euch gelandet bin ( ich glaube nicht mehr an Zufälle) .......auch ich suche heute nach Mustern, die verbinden...Hesse und ich, wir sind auf dem gleichen "Weg"....

" Gewiß,viele Verse der heiligen Bücher, zumal in den Upanishaden des Samaveda, sprachen von diesem Innersten und Letzten, herrliche Verse.>>Deine Seele ist die ganze Welt<<, stand da geschrieben, und geschrieben stand, daß der Mensch im Schlafe, im Tiefschlaf, zu seinem Innersten eingehe und im Atman wohne. Wunderbare Weisheit stand in diesen Versen, alles Wissen der Weisesten stand hier in magischen Worten gesammelt, rein wie von Bienen gesammelter Honig. Nein, nicht gering zu achten war das ungeheure an Erkenntnis, das hier von unzähligen Geschlechterfolgen weiser Brahmanen gesammelt und bewahrt lag.- Aber wo waren die Brahmanen, wo die Priester, wo die Weisen oder Büßer, denen es gelungen war, dieses tiefste Wissen nicht bloß zu wissen, sondern zu leben ? "

Seitenangabe für Zitat1: 
0

" Die Erzählung vom Brahmanensohn Siddharta verwendet legendäre Elemente aus dem Leben Buddhas ( ca. 560-480v.Chr.; Siddharta=>>der sein Ziel erreicht hat<< war der Vorname des historischen Buddha) und zeigt die Wege und Umwege, die zu wagen und zu erproben sind, um die weltlichen und spirituellen Bedürfnisse vereinbaren zu können. Dabei ist es Hesse nach Henry Millers Meinung geglückt, >> einen Buddha zu schaffen, der den allgemein anerkannten Buddha übertrifft<<. 

Seitenangabe für Zitat2: 
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...." Ich suchte das zu ergründen, was allen Konfessionen und allen menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jedem Einzelnen geglaubt und verehrt werden kann<<....

Seitenangabe für Zitat3: 
0
Verlag: 
Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main
Auflage: 
Erste Auflage dieser Ausgabe
ISBN: 
3-518-41623-5

Kommentare

Lieber Reinhard,
vielen Dank für Deine Worte....;o))
.....ist schön, Du bist auch so ein "offener Geist"....
ja und ich habe es wahrgemacht und bin Deiner Einladung hierher gerne gefolgt....
...wir lesen uns wieder bei Ulysses...
Yvonne

... Spass gemacht, dieses Buch zu lesen und ich war echt begeistert, obwohl ich mir sonst mit Hesse sehr schwer tue. Es ist aber durchaus möglich, dass dies wahrscheinlich sein einziges Werk ist, mit dem ich mich vom Gefühl her, identifizieren kann.
Echt super!
 
Danke
Peter

das ich vor langer Zeit gelesen habe und das ein anhaltend schönes Gefühl hinterlassen hat.
 
Eindeutig ein Fall zum Wieder-Lesen - danke fürs Erinnern!

Liebe TinaMarie,
....vielen Dank....habe jetzt bei Deinen Zeilen ein inneres Lächeln...
....ja, Siddharta ..;o))....ein "innerer Schatz"
..... gaaaaaaaaaaaaaaanz wertvoll ;o))
Liebe Grüße
von Yvonne

"So ist es, wenn Siddhartha ein Ziel, einen Vorsatz hat. Siddhartha tut nichts, er wartet, er denkt, er fastet, aber er geht durch die Dinge der Welt hindurch wie der Stein durchs Wasser, ohne etwas zu tun, ohne sich zu rühren; er wird gezogen, er läßt sich fallen. Sein Ziel zieht ihn an sich, denn er läßt nichts in seine Seele ein, was dem Ziel widerstreben könnte. (...) Jeder kann zaubern, jeder kann seine Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er fasten kann."

Diese indische Dichtung, wie Hesse sie im Untertitel nennt, gehört zu den wenigen Büchern in meinem Leben, die ich immer wieder lese.
Und immer wieder begleite ich den Brahmanensohn gerne auf seinem Weg, der ihn auf Umwegen zur Erkenntnis über das Wesen aller Dinge führt. So kann ich mich jedes Mal aufs Neue an dieser wunderschönen Geschichte erfreuen, die Hesse in einem unvergleichlichen Stil erzählt. Ruhig fließen die Gedanken, wie Perlen reihen sich die Worte aneinander, selbst wenn der Suchende zornig, enttäuscht oder übersättigt ist von Luxus und Wohlleben. 
Und jedes Mal - so kommt mir zumindest vor - gehe ich selber nach dieser Lektüre zufriedener und umsichtiger an mein Tagewerk, auch wenn mich der Strudel der Alltagspflichten bald wieder einholt. 
Ich weiß ja, dass "Siddhartha" in meiner Bibliothek auf mich wartet ... 

"Wie kannst du küssen, Kamala!" stammelte Siddhartha.
"Ja, das kann ich schon, darum fehlt es mir auch nicht an Kleidern, Schuhen, Armbändern und allen schönen Dingen....."

 
Es ist immer wieder eine Freude, dieses Buch zur Hand zu nehmen.
Der Einband ist meiner Sonerausgabe ist sooo schön, golden und schimmernd.... da haben sich die Verleger wirklich was ganz Besonderes einfallen lassen.
 
Zum Inhalt: 
Am Anfang fühlte es sich ja fast ein bisschen wie ein Coelho an (wobei der diesem hier sprachlich bei weitem  nicht das Wasser reichen kann) und das hat mich fast ein bissl abgeschreckt. Hab wohl in der Vergangenheit  zu viele Coelho`s gelesen ;o)))... aber ab S. 73 habe ich mich schön langsam eingefunden .... Siddhartha beginnt gerade, sich selbst zu erkennen.... er geht nun SEINEN Weg und das macht dieses Buch von Seite zu Seite immer interessanter und spannender.

Wie schon "Demian" habe ich auch dieses Buch vor gut 30 Jahren zum ersten Mal gelesen, ich erinnere mich gut an das Staunen über diesen wunderschönen Text, der so viel Weisheit beinhaltet, der mir immer wieder ein "Aha!" hervorgelockt hat.
Das zentrale Thema Selbstbestimmung war mir als junge Frau sehr wichtig und ist es bis heute geblieben. Sich nicht an den Lehren anderer zu orientieren, sondern eigene Erfahrungen zu machen, scheinbar Unmögliches zuzulassen und daraus seine eigenen persönlichen Schlüsse für den eigenen Lebensweg ziehen, das ist das Ziel Siddhartas, der letztendlich zu dem Ergebnis kommt, dass man Weisheit nur erwerben aber nicht lehren kann.
Ein herrliches Buch, das mir beim Wiederlesen genausoviel Freude gemacht hat wie damals, das ich allen empfehlen kann, die gerne über ein großes Thema in wunderschöner Sprache lesen wollen.
 

Seite 34:
Als Siddharta den Hain verließ, in welchem der Buddha, der Vollendete, zurückblieb, in welchem Govinda zurückblieb, da fühlte er, daß in diesem Hain auch sein bisheriges Leben hinter ihm zurückblieb und sich von ihm trennte. Dieser Empfindung, die ihn ganz erfüllte, sann er im langsamen Dahingehen nach. Tief sann er nach, wie druch ein tiefes Wasser ließ er sich auf den Boden dieser Empfindung hinab,bis dahin, wo die Ursachen ruhen, denn Ursachen erkennen, so schien ihm, das eben ist Denken, und dadurch allein werden Empfindungen zu Erkenntnissen und gehen nicht verloren, sondern werden wesenhaft und beginnen auszustrahlen, was in ihnen ist.
 
Seite 81:
"Es ist gut", dachte er, "alles selber zu kosten, was man zu wissen nötigh hat. Daß Weltlust und Reichtum nicht vom Guten sind, habe ich schon als Kind gelernt Gewußt habe ich es lange, erlebt habe ich es erst jetzt. Und nun weiß ich es, weiß es nicht nur mit dem Gedächtnis, sondern mit meinen Augen, mit meinem Herzen, mit meinem magen. Wohl mir, daß ich es weiß!"
 
Seite 117:
Und dies ist nun eine Lehre, über welche du lachen wirst: die Liebe, o Govinda, scheint mir von allem die Hauptsache zu sein. Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären, sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, sie nicht zu verachten, sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderungund Ehrfurcht betrachten zu können.

 "Was soll ich dir, Ehrwürdiger, wohl zu sagen haben? Vielleicht das, dass du allzuviel suchst? Dass du vor Suchen nicht zum Finden kommst?.... Wenn jemand sucht... dann geschieht es leicht, dass sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben. Du Ehrwürdiger, bist vielleicht in der Tat ein Sucher, denn, deinem Ziel nachstrebend, siehst du manches nicht, was nah vor deinen Augen steht.....

Weisheit ist nicht mitteilbar. Weisheit, welche ein Weiser mitzuteilen versucht, klingt immer wie Narrheit.

‎.... so, nun am Ende dieses kleinen Büchleins.... sprachlich sehr schön... sehr ruhig, sehr leise......ein Buch, das nach einer bestimmten Stimmung verlangt. Habe so Mansches mitnehmen können. Muss aber gestehen, oft war`s mir ein bisschen zu weise... Trotzdem ein wunderbarer Einstieg in Hesse`s Welt !!!!