Seide

Seide.jpgKnisternde Seide, kühl, edel und kostbar. Als 1861 eine nahezu weltweite Epidemie in der Seidenraupenzucht um sich greift, fühlen sich die Spinnereien des südfranzösischen Städtchens Lavilledieu in ihrer Existenz bedroht. Daher bricht der Seidenraupenhändler Hervé Joncour im Herbst desselben Jahres auf zu einer beschwerlichen Reise in das für seine Seide berühmte, doch gegen alle äußeren Einflüsse abgeschottete Japan.
Die Geschäfte mit dem japanischen Edelmann Hara Kei sind bald getätigt, und da sieht er sie: wie eine Skulptur, wie ein stummes Abbild perfekter Weiblichkeit liegt das junge Mädchen, gehüllt in einen Seidenschal, zu Füßen ihres Gebieters. Nur ein Blick und eine kurze Botschaft – mehr ist es nicht, was Joncours Leidenschaft entfacht. Niemals wird er auch nur die Stimme der rätselhaften Schönen hören. Doch die Sehnsucht bestimmt fortan sein Leben.

Jahr für Jahr treibt es ihn ins ferne Japan – im heimatlichen Lavilledieu erwartet ihn seine Frau Hélène stets sehnsüchtig zurück. Dann bricht in Japan der Krieg aus. Eine letzte Reise, der Hof Hara Keis liegt in Schutt und Asche, und Joncour weiß: Nie wieder darf er zurückkehren. Sechs Monate nach seiner Rückkehr erreicht ihn jedoch ein Brief mit japanischen Schriftzeichen …

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein sprachlich wunderschönes, leises und zartes Buch. „Seide" hat zwar nur einen Umfang von 131 Seiten, aber nach der Lektüre hat man den Eindruck einen Roman von 500 Seiten gelesen zu haben.

Verlag: 
Dtv
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3423133357

Kommentare

Dieses Buch war einige Zeit lang mein absolutes Lieblingsbuch. Ich habe es auch so empfunden - ein schmales Werk, aber eines, das eine Flut von Gedanken und Gefühlen ausgelöst hat. Und das mit so wenigen zarten Worten. Vor kurzem habe ich wieder hineingeschmökert, und es hat mich nicht mehr sooo gefesselt. Ich glaube, man muss für dieses Buch in einer ganz bestimmten Stimmung sein.

Lese es gerade zum dritten Mal - eines der wenigen Bücher die ich immer wieder gerne aufs Neue zur Hand nehme. Finde auch es bedarf einer gewisse Stimmung, inneren Ruhe ... um dieses Buch zu lesen, so kann man die Erzählung viel besser in sich aufnehmen ... Kann esnur weiter empfehlen !!!!

Am 4. September 1862 wurde er dreiunddreißig Jahre alt.
Sein Leben regnete vor seinen Augen herab. Ein stilles Schauspiel.

Egal wie oft ich dieses Buch noch lesen werden, es wird mit jedem Mal schöner.... für mich eine der bezaubernsten Liebesgeschichten die ich je gelesen habe.... nicht schmalzig, nicht schmachtend.... einfach nur wunderschön... hier passt jedes Wort!!!!
 
Obwohl ich den Inhalt nun Mittleweile schon fast auswändig kenne, erlebe ich jede Zeile erneut mit einer unheimlichen Intensitiät. Baricco schreibt so feinfühlig... so berührend..... einfach nur toll, jedes Mal auf`s Neue...
 
Zitat Seite 10:
Er war übrigens einer jener  Menschen, die dem eigenen Leben gern beiwohnen, während sie jegliches Bestreben, es zu leben, für unangebracht halten.
 
Zitat Seite 42:
Das Leben wimmelte leise, es bewegte sich mit listiger Langsamkeit wie ein in seinem Bau aufgespürtes Tier.

ja, es war wieder mal so weit.... immer wieder und wieder zieht es mich zu diesem Buch und immer wieder entdeckte ich Neues, das mich berührt und bewegt. Eigentlich fast unfassbar bei einem Roman, der grad mal 132 Seiten hat, aber es ist so.....
A. Baricco hat hier wirklich etwas ganz Großes zu Papier gebracht und ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen.
 

Er trug ein dunkles Gewand und keinen Schmuck.
Das einzige sichtbare Zeichen seiner Macht: eine reglos neben ihm liegende Frau, den Kopf auf seinem Schoß, die Augen geschlossen, die Arme unter dem weiten roten Klied verborgen, das sich auf der aschfarbenen Bastmatte wie eine Flamme ringsumher ausbreitete.

Wie durch ein besonderes  Gebot ging dieser  Mann, wo er auch ging, in unbedingter und vollkommener Einsamkeit.