Schlepping durch die Alpen

Schlepping_-_Alpen.jpgHans Breuer ist der letzte Wanderschäfer Österreichs - und mit Sicherheit auch der ungewöhnlichste, den es je gab. Denn welcher Schäfer singt schon seinen 625 Schafen zum Einschlafen jiddische Lieder vor? Das fragt sich auch Sam, ein junger jüdischer Journalist aus New York,der von seiner Großmutter Bashy zur ständigen Wachsamkeit vor an jeder Ecke lauernden Pogromen erzogen wurde. Als er Hans in New York kennenlernt, beschließt er, ihn durch die Alpen zu begleiten. Ausgestattet mit Diktaphon und nagelneuen Designerboots muss der neurotische Hypochonder schmerzlich erfahren, dass die Spaziergänge durch den Central Park nicht die rechte Vorbereitung auf die Herausforderungen der alpinen Welt waren. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz wird die Reise für Sam zu einer Spurensuche nach seinen jüdischen Wurzeln und zu einer Begegnung mit sich selbst.

Meine Gedanken zum Buch: 

Als ich mir das Buch kaufte, dachte ich, es sei eine ausführliche Reisebeschreibung des Weges über die Alpen. Zu Beginn ist es das auch, aber danach schreibt Sam Apple hauptsächlich über Interviews und Begegnungen in Wien. Die Gespräche haben fast ausschließlich den Antisemitismus und die Nazizeit in Österreich zum Thema. Die englische Originalausgabe stammt aus der Zeit, als die FPÖ mit Jörg Haider den Sprung in die Österreichische Bundesregierung schaffte. Es kommen viele Vorurteile, die es in Amerika über die Politik in Österreich gibt zur Sprache. Sam Apple hat selbst jüdische Wurzeln und begibt sich mit seinem Österreichbesuch auf Spurensuche in die Vergangenheit.
Für mich war es interessant und erschütternd zugleich, welches Bild Amerikaner von Österreich haben. Manchmal wollte ich dem Autor schon gerne sagen, dass nicht alle bei uns Antisemiten sind und auch Amerika aus seiner Vergangenheit einiges aufzuarbeiten hat (Sklaverei, Umgang mit Ureinwohnern, ...).
Wenn es darum geht, uns an die schrecklichen Verbrechen der Nazis an den Juden zu erinnern, ist dieses Buch ein wertvoller und leicht lesbarer Beitrag.

Frage1: Wie viele Schafe habt ihr?
Antwort: 675 am 6. Oktober 1997. Die Stückzahl ändert sich dauernd. Wir können den Schäfer fragen, der wird dann seine Frau fragen, und sie wird ihr Schäfer-Tagebuch fragen - wenn sie es findet... Oder wir können die beiden Buben fragen, die letztes Mal beim Entwurmen die Striche gemacht haben.

Seitenangabe für Zitat1: 
15
Verlag: 
btb Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978 3 442 73810 6