Schattengesicht

Schattengesicht.jpgMila ist sechsundzwanzig und eigentlich Lehrerin. Doch dann begeht ihre Freundin Polly einen Mord für sie und die beiden flüchten vor der Polizei. Auf ihrer Odyssee geraten Mila und Polly immer wieder an gefährliche Menschen und in lebensbedrohliche Situationen, der Tod scheint sie zu verfolgen. Mit dem wenigen Geld, das Mila mit schlecht bezahlter Schwarzarbeit verdient, halten sie sich über Wasser. Sie leben in Abrisshäusern und brechen oft über Nacht alle Zelte ab, nur um in einer neuen Stadt wieder auf Pollys Fahndungsfotos zu stoßen. Das einzig sichere Versteck und mögliche Endstation ihrer Flucht scheint ein leerstehendes Haus in Schweden zu sein, von dem nur sie beide wissen. Doch nicht allein das Sterben umgibt die Freundinnen wie eine Aura. Etwas Ungreifbares, Rätselhaftes schwebt über den doch so unterschiedlichen Frauen: Ist wirklich allein ihre Freundschaft der Grund für den Zusammenhalt? Der Blick zurück in die gemeinsame Kindheit lüftet ein dunkles Geheimnis, das Mila und Polly untrennbar, auf beinahe obsessive Art, miteinander verbindet.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mit "Schattengesicht" hat Antje Wagner einen Roman geschrieben, der als Teil einer Krimi-Reihe erschienen ist. Meiner Meinung nach lässt er sich kaum diesem Genre zuschreiben, auch wenn der eine oder andere Todesfall den Pfad von Mila und Polly säumt.
Erzählt wird die Geschichte von zwei jungen Frauen, sie beginnt mit der Gegenwart und reicht zurück bis in die Kindheit von Mila, die von Verlust und Einsamkeit geprägt ist. Eine Freundschaft beginnt, die einerseits Milas Anker im Hier und Jetzt darstellt, andererseits immer wieder zu Missverständnissen führt, die sie an keinem Ort länger verweilen lassen. An jeder dieser Lebensstationen hinterlassen die beiden Frauen einen Toten.
Der Roman zeichnet sich einmal mehr durch Antje Wagners kreative und einfühlsame Sprache aus. Bis zum überraschenden Schluss der Geschichte fragt man sich, was die beiden Frauen dermaßen aneinander bindet. Rund 200 Seiten faszinierende Spannung in höchster sprachlicher Qualität - eine Empfehlung an alle, die mehr Wert auf leise Untertöne als auf reisserische Action legen.

Wenn sie ein Auge auf dich werfen, weil ihnen irgendwas an dir nicht passt, wenn sie beginnen, Geschmack daran zu finden, dich zu quälen, ist es vorbei. Dann können sie nicht mehr zurück, selbst wenn sie es wollten, keine Ahnung, warum, vielleicht ist das wie bei Kampfhunden, die verbeißen sich in etwas Lebendiges und lassen dann nicht mehr los, du kannst sie anschreien und wegzerren, wie du willst, am Ende hört es auf zu zucken und fällt schlaff zu Boden.

Seitenangabe für Zitat1: 
21

"Warum weinst du nie?"
"Weil ich nicht mehr damit aufhören könnte."
"Darf man tanzen, wenn man so traurig ist?"
"aber ja!", rief sie. "Es ist ja die einzige Möglichkeit"...

Seitenangabe für Zitat2: 
127

Ich lag in Halbreich, die Arme über dem Kopf, der Sturm hatte die Weidenzweige in Peitschen verwandelt. Der Weiher versuchte nach mir zu greifen, er hatte die Scheinheiligkeit abgelegt, schwarz und schmierig leckte er das Ufer hoch. Meine vergrabenen Schätze kamen wieder zutage. Meine unterirdische Schutzschicht. Und alles rutschte ins Wasser, und das Wasser lebte, es schnappte, zermalmte und schluckte.

Seitenangabe für Zitat3: 
167
Verlag: 
Quer Verlag Gmbh
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3896561800