Paradies der Ungeheuer

Paradies_der_Ungeheuer.jpgVon Beruf ist Benjamin Malaussène Sündenbock, aber auch großer Bruder und Ernährer zahlreicher Halbgeschwister. Die ganze Sippschaft wohnt in einem alten Laden im bunten Pariser Stadtteil Belleville. Väter gibt es nicht, und Maman ist ständig in Liebesabenteuern unterwegs. Benjamin arbeitet in einem großen Pariser Kaufhaus in der Reklamationsabteilung, hält für alle Pannen seinen Kopf hin. Aber man will ihm noch mehr anhängen: eine Serie geheimnisvoller Bombenexplosionen im Kaufhaus, deren Opfer sich ausgerechnet immer in seiner Nähe aufhielten. Doch die Ermittlungen des Kriminalkommissars Coudrier führen in eine andere Richtung. Benjamin könnte aufatmen, wenn nicht zu Hause bei den Geschwistern dauernd etwas schief ginge: Jeremy bastelt in der Schule erfolgreich eine Bombe, Louna kriegt Zwillinge, Julius der Hund erleidet seinen ersten epileptischen Anfall. Und in all dem Trubel verliebt Benjamin sich unsterblich in die überwältigende Journalistin »Tante Julia«.

Meine Gedanken zum Buch: 

Mit den Malaussènes hat Daniel Pennac eine einzigartige Familie geschaffen, wie sie bunter nicht sein könnte. Mein erster Gedanke galt den Flodders, aber ganz so verkommen sind die Franzosen nicht, sie leben auch nicht von der Wohlfahrt. Sondern von der ehrlichen Arbeit Benjamins, der damit sich selbst, einen riesigen Hund und eine unüberschaubare Anzahl von Geschwistern finanzieren muss, von denen jeder einzelne seine unverkennbaren Schrullen hat.
Abgesehen von der Vorstellung dieser illustren Gesellschaft passiert aber auch ganz schön viel auf diesen 282 Seiten. Mehrere Bomben explodieren, ein Hund fällt ins Koma, und eine Geheimgesellschaft ergeht sich in den dunkelsten Praktiken.
Alles in allem ein wirklich witziges Lesevergnügen mit einer gelungenen Mischung aus feiner Ironie und provokantem Brachialhumor, einer Prise Emotion und Tiefgang, sowie einem nicht unwesentlichen Anteil Spannung.
"Paradies der Ungeheuer" ist der erste Teil einer längeren Reihe, der zweite ist bereits bestellt. Ihr werdet also noch mehr von den Malaussènes zu lesen bekommen!

Und da lege ich los. Ich sage ihr, dass sie diesen kleinen Untermieter behalten muss. Seinen Vorgängern hat sie den Mietvertrag gekündigt, weil sie die betreffenden Väter nicht liebt; da würde sie doch jetzt diesem sein Wasserbett vor die Tür stelen, weil sie seinen Papa zu sehr liebt.

Seitenangabe für Zitat1: 
25

"Warum sind Récamier-Sofas so hart?"
"Weil Eroberer ihr Reich verlieren, sobald sie auf dem Sofa einschlafen, Monsieur Malaussène."

Seitenangabe für Zitat3: 
147
Verlag: 
Kiepenheuer & Witsch
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3462030198