Nullzeit

Nullzeit.jpgEigentlich ist die Schauspielerin Jola mit ihrem Lebensgefährten Theo auf die Insel gekommen, um sich auf ihre nächste Rolle vorzubereiten. Als sie Sven kennenlernt, entwickelt sich aus einem harmlosen Flirt eine fatale Dreiecksbeziehung, die alle bisherigen Regeln außer Kraft setzt. Wahrheit und Lüge, Täter und Opfer tauschen die Plätze. Sven hat Deutschland verlassen und sich auf der Insel eine Existenz als Tauchlehrer aufgebaut. Keine Einmischung in fremde Probleme - das ist sein Lebensmotto. Jetzt muss Sven erleben, wie er vom Zeugen zum Mitschuldigen wird. Bis er endlich begreift, dass er nur Teil eines mörderischen Spiels ist, in dem er von Anfang an keine Chance hatte. Juli Zehs neuer Roman ist ein meisterhaft konstruierter Psychothriller in der Tradition von Patricia Highsmith, bei dem der Leser, genau wie Sven, alle Gewissheiten verliert. Zugleich gelingt Juli Zeh ein brillantes und hellsichtiges Kammerspiel über Willensfreiheit, Urteilsfindung, Schuld und Macht

Meine Gedanken zum Buch: 

Nullzeit ist die Zeit, die ein Taucher unter Wasser bleiben kann, ohne beim Auftauchen ohne Sicherheitsstopp mit Gesundheitsschäden rechnen zu müssen. Und so ähnlich geht es auch Jola und Theo, die eine gewalttätige Hassliebe verbindet, die jederzeit zum Gesundheitsrisiko werden kann.
In dieser hoch explosiven Stimmung treffen sie auf Sven, einen Aussteiger, der Jola als Vorbereitung auf die Rolle als Lotte Hass das Tauchen beibringen soll. Immer tiefer verstrickt er sich in die Fäden, die die beiden auslegen, und immer deutlicher wird, dass Jolas Wahrnehmung nicht der Realität entspricht. Ob das Zufall oder Absicht ist, zeigt sich in einem Finale, in dem es für mehrere Beteiligte um Leben und Tod geht.
Schon in "Adler und Engel" zeichnet Juli Zeh ein Beziehungsbild, das sich um Abhängigkeiten und psychologische Spielchen dreht. Dieses Thema greift sie in "Nullzeit" wieder auf und zeichnet in ihrem einfachen ansprechenden Stil das Bild eines Paares, das in seiner Unfähigkeit, sich von einander zu lösen, erstarrt ist. Das mit Krampf Publikum sucht für das tägliche Schauspiel seiner Beziehung. Nur einer versucht ernsthaft aus diesem Käfig auszubrechen, dafür ist jedes Mittel Recht, und so ist für Spannung bis zum Schluss gesorgt.
Leider schaffen die Figuren es nicht, mich auch nur im Ansatz zu berühren, wobei man dadurch zum stillen Beobachter dieses Kammerspiels wird. Der Schluss ist eine Spur zu vorhersehbar und zu unspektakulär, leider. Die aufgebaute Spannung hätte man gerade in der letzten Tauchszene noch weitaus besser halten können, so legt man das Buch weg und denkt sich "Na und?". Schade eigentlich, denn sprachlich hat es durchaus genug zu bieten, um die Höchstbewertung zu erhalten, inhaltlich muss ich leider doch einige Abstriche machen.
 

Wir müssen nicht Urlaub machen. Der alte Mann könnte sich vornehmen, ein Buch über die Insel zu schreiben. ich kann für Lotte trainieren. Das ist das Schäne an künstlerischen Berufen. Man kann alles Arbeit nennen und es dann scheiße finden, ohne enttäuscht zu sein.

Seitenangabe für Zitat1: 
53

Ein Mann gewöhnt sich im Lauf seines Lebens daran, dass Frauenbis auf wenige Ausnahmen nicht mit ihm schlafen wolen. EIne Frau hingegen kann davon ausgehen, dass tehoretisch jeder Mann mit ihr schlafen wil. Heute frage ich mich, was es für eine Frau wie Jola bedeutet haben muss, zurückgewiesen zu werden.

Seitenangabe für Zitat2: 
98

Kleine Mädchen warten auf den weißen Ritter, der sie aufs Pferd hebt und mit ihnen davongaloppiert. Erwachsene Frauen hingegen schließen Verträge. Mal wieder eine Abmachung: Der alte Mann lässt mich in Ruhe, wenn ich ihm auf Wunsch einen runterhole und dabei von Sven erzähle.

Seitenangabe für Zitat3: 
144
Verlag: 
Schöffling & Co
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3895614361