Narziss und Goldmund

Narziss, der ernsthafte, Goldmund, der neugierige Künstler. Die Freundschaft der beiden sehr verschiedenen Wesen ergänzt sich zur Vollkommenheit.
Die Vergeistigung alleine ist Goldmund zu wenig, strebt nach Sinnlichkeit, Narziss sucht seine Erfüllung in der Askese.

Meine Gedanken zum Buch: 

Hesse schreibt in wunderschönen Bildern, ein Traum von einem Buch.
Lehrreich, spannend, fordernd.

Goldmund öffnete die Augen, aus Traumwäldern zurückkommend. Sein Kopf lag weich, er lag im Schoß einer Frau, in seine verschlafenen, verwunderten Augen blickten fremde nahe Augen warm und braun....

Seitenangabe für Zitat1: 
74

"....Du hast von den >Urbildern< gesprochen, von Bildern also,  die nirgends vorhanden sind als im schöpferischen Geist, die aber in der Materie verwirklicht und sichtbar gemacht werden können. Lang ehe eine Kunstgestalt sichtbar wird und Wirklichkeit gewinnt, ist sie schon vorhanden, als Bild in der Seele des Künstlers!..."

Seitenangabe für Zitat2: 
264
Verlag: 
surhkamp taschenbuch
Auflage: 
1. Auflage 2002
ISBN: 
3-518-39871-7

Kommentare

Ich habe als junges Mädchen alle Hesse-Bücher verschlungen, und natürlich war "Narziss und Goldmund" eines meiner Lieblingsbücher. Wäre schon interessant, ob ich als Erwachsene mit der Geschichte auch noch was anfangen kann bzw. wie sich die Bedeutung für mich verändert hat.
Den "Steppenwolf" hab ich z.B. mit 17 nicht gepackt, dafür hab ich ihn später mehrere Male gelesen.
Ich denke, ich werde mich demnächst auf dieses "Experiment" einlassen - danke für den Tipp! Das Buch steht ja seit .... (vielen) Jahren im Regal.

ist sicher im Vergleich zu Narziss und Goldmund eine etwas herbere Literatur und eigentlich fast gar nicht Hesse-typisch. Der Autor bleibt aber auch dort seiner Betrachtungsweisen zum Sinn des Daseins treu.
Mit siebzehn hat man tatsächlich andere Sorgen...
Ich bewundere Reinhards Kommentar (wir hatten dieselbe Deutsch-Lehrerin): Kein einziges befohlenes Buch aus dieser Zeit ist mir in Erinnerung, schon gar nicht in guter.

auch für mich ein Buch meiner Jugendzeit;
ich werde es jetzt aber bestimmt nocheinmal lesen; wunderschön.
Eines ist mir noch in Erinnerung geblieben:
Der Vergleich des Gesichtes einer Frau in Extase mit dem Gesicht einer Gebärenden.

danke. das erinnert mich daran wieder mal hesse aus dem regal zu nehmen. vor allem der steppenwolf, n. u. g. und demian. bin ohnehin gerade der verzweiflung nahe weil mich nur mehr jedes fünfte buch das ich beginne auch fesselt.

"Weißt du nicht, Freund, daß für viele fromme Väter gerade diese Vorübungen nötig waren? Weißt du nicht, daß einer der kürzesten Wege zum Leben eines Heiligen das Leben des Wüstlings sein kann?

 Wach nenne ich den, der mit dem Verstand und Bewusstsein sich selbst, seine innersten unvernünftigen Kräfte, Triebe und Schwächen kennt und mit ihnen zu rechnen weiß.

wie herrlich.... schon nach dem ersten Kapitel war klar, dieses Buch ist wie für mich gemacht. Hesse schreibt so wunderbar, ich kann von seiner Sprach garnicht genug bekommen.....
Auch wenn ich inhaltlich noch nicht viel dazu sagen kann ist schon mal klar, ein besonderes Leseerlebnis, dass da vor mir liegt. .....

Die Frauen hatten es hierin vielleicht leichter. Bei ihnen hatte die Natur es so geschaffen, daß von selbst die Lust ihre Frucht trug und aus dem Liebesglück das Kind wurde. Beim Manne war statt dieser einfachen Fruchtbarkeit die ewige Sehnsucht da. War der Gott, der alles so geschaffen hatte, denn böse oder feindselig, lachte er schadenfroh über seine eigene Schöpfung?

also ich hab`s gestern beendet.... schade drum.....hat mir seehr gut gefallen. Allein sprachlich schon. Bei einer Amazonbewertung hab ich was gelesen, dass ich hier so weitergeben möchte. "Hesse schreibt nicht nur, er malt mit den Worten" und das finde ich eine wunderbare Beschreibung..... er hat einen Stil, der mich total anspricht... ich finde, beim Lesen seiner Bücher hab ich nicht nur Zeitvertreib... sonder viel, viel mehr....
 
Die beiden Charaktäre, mit denen uns Hesse hier bekannt macht könnten gegensätzlicher nicht sein... der eine ein Realist... der andere ein Träumer..... zwei Menschen, deren Leben in ganz andere Richtungen geht und doch vergessen sie einander nicht... sind sich im  Gedanken immer nah....
Was mich auch beeindruckt, ist die Lockerheit und Unverfrohrenheit mit der Hesse gewissen Themen aufgreift... immerhin wurde dieses Buch ja 1927-1929 geschrieben... eine Zeit, in der zB das Thema Sexualität ein Tabuthema war...... grad was die Figur des Goldmund angeht... der lässt hier ja absolut nix anbrennen und Wandelt im Grunde von Frau zu Frau.... sehr amüsant, sehr erfrischen.....
 
Alles in Allem ein Buch mit sehr vielen Facetten und Hesse ein Autor, er es versteht, Erzählung und Sprache perfekt zu vereinen.