Naokos Lächeln

Der junge Toru steht zwischen zwei Frauen: Der geheimnisvollen und zurückgezogen lebenden Naoko, und der lebenslustigen Midori.

Meine Gedanken zum Buch: 

Murakamis sprache zog mich vollständig in das leben des jungen toru hinein. die spannung bleibt stets erhalten, durch kleine geheimnisvolle zwischenbemerkungen. so zum beispiel gleich auf den ersten seiten: toru erinnert sich an seine jugendliebe. und muss doch erkennen "naoko hat mich nie geliebt". Und das war für mich spannend genug, um die weiteren 400 seiten zu "verschlingen".

"Und was passiert, wenn man sich öffnet?"
Die Zigarette im Mund, verschränkte Reiko gutgelaunt die Hände auf dem Tisch. "Man wird gesund", sagte sie. Ihre Asche fiel auf den Tisch, aber sie kümmerte sich nicht darum.

Seitenangabe für Zitat1: 
149

Mit der Erinnerung ist es eine seltsame Sache. Als ich tatsächlich mit beiden Füßen in dieser Landschaft stand, hatte ich ihr kaum Beachtung geschenkt. Nie hätte ich gedacht, dass sie einen solchen Eindruck hinterlassen würde, und schon gar nicht, dass ich mich nach achtzehn Jahren noch bis in jede Einzelheit an sie erinnern würde. Ehrlich gesagt, mir war die Landschaft an jenem Tag völlig egal. Ich dachte an mich, an das schöne Mädchen an meiner Seite, ich dachte an uns beide und dann wieder an mich selbst. In jenem Alter kehrte alles, was ich sah, was ich fühlte, was ich dachte, am Ende wie ein Bumerang stets zu meiner eigenen Person zurück. Noch dazu war ich verliebt. Und diese Liebe hatte mich in eine entsetzlich komplizierte Lage gebracht.

Seitenangabe für Zitat2: 
7
Verlag: 
btb in der Verlagsgruppe Random House GmbH, MÜnchen
Auflage: 
14.
ISBN: 
ISBN 978-3-442-73050-6

Kommentare

Puh... was für ein Buch... also Langeweile war für mich hier ein Fremdwort...... ich weiß ja im Grunde nicht so recht, was ich von diesem Buch konkret erwartet habe, aber DAS auf jeden Fall nicht ;o)))
 
Wo fang ich nur an???
Die 60er.... du lieber Himmel, waren sie wirklich so??? Und dann auch noch in Japan.... irgendwie hatte ich bisher die japanischen Bevölkerung immer als sehr bedacht und "zivilisiert" empfunden.... die Seite, von der sich hier aber gerade die Jugend zeigt, ist eine ganz andere.
Ich muss gestehen, irgendwie betrübt es mich aber auch. Gut... sie leben sich aus, lassen im wahrsten Sinne des Wortes nicht`s anbrennen..... junge Männer sowie auch junge Frauen, ihr Umgang mit der Sexualität ist sehr leichtfertig, zügellos, oft auch unbedacht.... und trotzdem hat man als Leser auch immer das Gefühl, das sehr viel Melancholie hier mitschwingt.  Sex scheint schon fast sowas wie Zeitvertreib zu sein..... um leere Stunden auszufüllen, um Langeweile tot zu schlagen.... und trotzdem scheinen sie im Anschluss leerer sein als zu vor....... all das empfand ich als sehr bedrückend.... oder sagen wir besser, bedenklich...
 
Was die Charaktäre angeht, das muss man schon sagen, die hat Murakami einfach toll gewählt. Sie könnten unterschielicher nich sein und genau das macht macht diesen Roman auch so vielseitig und unterhaltsam.
Toru ist ein etwas eigenartiger, aber trotzdem auch sehr sympatischer junger Mann... allein schon, weil er Mann und Hesse liest.... den muss man desshalb schon ins Herz schließen. Und seine Reaktioen auf Midori`s Offenheit sind einfach zum Schreien. Die zwei haben mich mehr als einmal zu Lachen gebracht.
S. 251: Toru zu Midori:
"Was hast du denn gedacht?Wenn du in so einem kurzen Rock in ein Wohnheim für Männer kommst, glotzen alle."
"Macht nichts. Wenigstens hab ich heut ein ganz süßes Höschen an - rosa mit Spitzen. Und mit Rüschen."
"Auch das noch", seufzte ich.
;o)))) Toru`s Antworten auf Midori`s Verrücktheiten sind im Grunde ja immer sehr straight und knapp. Aber genau das macht die Wortwechsel zwischen den beiden immer so spritzig.
Was diese Heiterkeit für mich aber immer etwas trübt, ist die die Melancholie... die immer wieder mitschwingt. Vorallem im Fall von Naoko.... eigentlich sind sie ja alle sehr unterschiedlich, eins verbindet sie im tiefsten Innern dann aber doch: die Einsamkeit.
Sie sind nicht gefestigt, fühlen sich unsicher, allein..... egal wie stark sie sich auch zeigen, im Grunde sind sie aber grenzlos überfordert. Für viele scheint Selbstmord die einzige Lösung zu sein.... ein sehr beklemmendes Gefühl.
Warum kommen diese jungen Mensch so schwer mit sich und mit ihrem Umfeld zurecht? Eigentlich sind sie ja in einem Alter, wo das Leben Spaß machen sollte, aber irgendwas hindert sie daran....sie wirken auf mich oft so teilmanslos, kühl... abgebrüht.
 
Trotzdem, im Ganzen ein sehr berührender aber auch unterhaltsamer Roman.... selten, dass in einem Buch so viel Unterschiedliches zu finden ist.

Er war ein viel leidenschaftlicher Leser als ich, rührte aber kein Buch an, dessen Autor nicht mindestens dreißig Jahre tot war. Nor solchen Büchern könne er trauen, behauptete er.
"Nicht, daß ich der zeitgenössischen Literatur mißtraue, ich will nur keine wertvolle Zeit auf Bücher verschwenden, die nicht die Weihe der Zeit empfangen haben. Dazu ist das Leben zu kurz"

Es erleichterte sie offenbar, daß sie an meinem Tisch gelandet waren. Ich war ordentlich angezogen, hatte mich am Abend rasiert und las auch noch im Zauberberg von Thomas Mann.