Nachts unter der steinernen Brücke

Klappentext:
Das Geschehen am Hof Kaiser Rudolfs II., die magische Atmosphäre des Prager Gettos, das Leben und Treiben in den winkeligen Gassen, den Spelunken und Palästen dieser Stadt der Künste und der Wissenschaften, der Dämonen und Gottsucher, der Wahrsager, Hofschranzen und Narren wird zum Greifen lebendig in den novellenartigen Geschichten, die Leo Perutz hier zu einem Roman verbindet. Er handelt von der unmöglichen Liebe des kunstsinnigen böhmischen Kaisers zu Esther, der schönen Frau seines jüdischen Financiers Mordechai Meisl, die nur im Traum Erfüllung findet, wenn nachts der Rosenstrauch und der Rosmarin, die der wundersame Rabbi Loew gepflanzt hat, ihre Blüten zueinander neigen und der Kaiser vermeint, seine Geliebte in den Armen zu halten.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein sehr schönes Buch, das auf fiktive Weise Geschichte und Mythologie miteinander verwebt.

Verlag: 
Knaur
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
3-426-63036-2

Kommentare

Dieses Buch erschließt sich dem Leser erst gegen Ende. Solange muss man durchhalten. Die einzelnen Geschichten sind nicht chronologisch und stellen auch immer unterschiedliche Personen vor. Eine Geschichte mit rotem Faden ist auch zum Schluss nicht daraus geworden. Aber, großes Aber: Unbeschreibliche Lesemomente, man spürt, wie sich das eignene Gehirn in seine Gänge findet, wie es immer wieder Klick macht. Sehr humorig auch die Seitengeschichten "Das Gespräch der Hunde" und "Der Heinrich aus der Hölle", die mit der Haupthandlung allerdings wenig zu tun haben. Es ist die Sprache, wenn man vom leicht Antiqiertem mal absieht, nicht kompliziert, eigentlich eher einfach; man wird vom Plauderton richtig eingelullt. Staunend liest man und fragt sich, wie soll das alles zusammenfinden? Ca. 80 % der Einzelgeschichten finden zusammen, also nicht allzusehr auf Einzelnes achten. Große Leseempfehlung, gutes Buch!

Ja, das stimmt, hier haben wir wirklich GROSSE Literatur vor uns. Wie alle Prager und Wiener Autoren aus dieser Epoche ist auch Leo Perutz einer der ganz Großen. Leider ist nur Franz Kafka und Karl Kraus wirklich bekannt bzw. berühmt geworden, alle anderen sind entweder vergessen oder garnicht erst richtig bekannt worden. Wie z. B. Anton Kuh oder auch Alfred Polgar.

Lange Zeit wusste ich übrigens nicht, dass Rilke auch in diesen Bereich gehört. 1875 in Prag geboren, zählt auch er zu den bekanntsten dieser Zeit, die bei mir unter Wiener und Prager Kaffeehausliteratur läuft.
http://www.tourist-net.co.at/coffee/coffee3.htm