Morgenstund hat Gift im Mund. New Yorker Geschichten

Morgenstund_hat_Gift_im_Mund.jpg10 Kurzgeschichten:

1. Aus dem Tagebuch einer New Yorker Lady
2. Zu schade
3. Morgenstund hat Gift im Mund
4. So kleide die Nackten
5. Vetter Larry
6. Soldaten der Republik
7. Der Lebensstandard
8. Arrangement in Schwarz und Weiß
9. Pferdchen
10.Der herrliche Urlaub

Meine Gedanken zum Buch: 

Wie schade, dass ich mit Kurzgeschichten nichts anfangen kann. Jetzt, wo ich das Büchlein noch einmal durchblättere, muss ich sagen, dass ich mich doch immer wieder bei der einen oder anderen Stelle recht gut amüsiere. Dorothy Parker ist eine gute Beobachterin mit einer spitzen Zunge, das muss man ihr lassen.
In der ersten Geschichte geht es um den Tagesablauf einer New Yorker Dame der Gesellschaft, man fragt sich, woher sie die Energie für dieses Leben nimmt, das so aktiv und doch so eintönig ist. Mit der feinen Pinzette zerlegt die Autorin jeden Abend, und unter ihrem Mikroskop betrachtet, nimmt jedes Fitzelchen monströse Ausmaße an.
In diesem Stil sind alle 10 Geschichten geschrieben, am Schluss bleibt man immer etwas betroffen zurück.
Aber wie gesagt, ich bin kein Fan von Kurzgeschichten, ich plage mich ganz furchtbar damit, verliere schnell die Konzentration und auch das Interesse, blättere bei jeder vor bis zum Schluss, damit ich weiß, wie viele Seiten es noch sind. An mich sind diese Geschichten also im Grunde verschwendet, aber für Freunde der kurzen Erzählung mit Biss ist dieses Buch ein absoluter Tipp!
 

Aus 3.
Hier liege ich, hellwach wie der lichte Tag, geschüttelt und geschaukelt mit La Rochefoucauld. Denn das kann man nun wirklich nicht von mir erwarten, dass ich alles stehen und liegen lasse und anfagne, Schäfchen zuzählen, in meinem Alter. Ich hasse Schafe. Ist wohl Mangel an Zartgefühl, aber all mein Lebtag habe ich Schafe gehasst. Das grenzt schon an Phobie, wie ich sie hasse. Ich merke sofort, wenn eins im Zimmer steht. Die sollen sich bloß nicht einbilden, ich liege hier im Dunklen und zähle ihre abscheulichen kleinen Gesichter für sie; und wenn ich bis Mitte nächsten August nicht wieder einschlafen können sollte. Angenommen, sie würden nie gezählt werden - was könnte da schlimmstenfalls passieren? Wenn die Zahl der imaginären Schafe dieser Welt eine ungelöste Frage bliebe, wer würde davon reicher oder ärmern? Nein, Chef - ich bin nicht deren Buchhüter. Die sollen sich doch selber zählen, wenn sie so wahnsinnig schaft auf Mathematik sind. Sollen doch ihre Drecksarbeit alleine machen. Kommen hierher und hampeln rum, um diese Zeit, und verlangen von ir, dass ich sie zähle! Und dann sind sie noch nicht mal richtige Schafr. Also das ist das Absurdeste, was ich im Leben gehört habe.

Seitenangabe für Zitat1: 
51
Verlag: 
Kein & Aber
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3036956169