Mein Lollimädchen-Ich: Mein Leben mit der Magersucht

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Um nicht länger für alle das Moppelchen zu sein, hört Christina auf zu essen. Mit 17 Jahren landet sie zum zweiten Mal in der Psychosomatischen Klinik; bei einer Größe von 1,73 m wiegt sie noch 33 Kilogramm. Zwei Wochen später hätte man ihr wahrscheinlich nicht mehr helfen können. Aber Christina will leben – und essen. Mutig und fesselnd dokumentiert sie ihren Kampf gegen die heimtückische Krankheit.

Meine Gedanken zum Buch: 

Eigentlich hatte ich nicht vor, ein weiters Buch über ein Mädchen zu lesen, welches Magersucht hat und versucht, mit einem Klinikaufenthalt und vielen Therapien wieder aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen, da mich das letzte Buch zu diesem Thema eher gelangweilt hat. Doch da ich schon zwei Bücher aus der „Mein Leben“ – Reihe gelesen habe, welche es zu ihrer Aufgabe gemacht hat, jungen Menschen ihr Leben bzw. ihr Schicksal erzählen zu lassen und diese mir auch ausgesprochen gut gefallen haben, beschloss ich, auch dieses zu lesen, da es mich auch durch das schöne Cover sehr angesprochen hat.
Und ich wurde nicht enttäuscht: Christina erzählt, was es heißt, magersüchtig zu sein, berichtet über die oft unschönen Klinikaufenthalte, über Auslöser, die einem zum Hungern bewegen, bis man so gut wie gar nichts mehr zu sich nimmt, schildert ihre unerträgliche Angst, als sie erfuhr, dass sie dem Tod nur knapp entronnen war und steht zu ihren Lügen und Ausreden, die sie anwendete, um nicht essen zu müssen. Sie lässt kein Detail aus und beschreibt ihre Gefühle dabei ganz genau.
Außerdem sind im Buchinneren auch einige Bilder, die sie unter anderem in ihrer frühen Kindheit und in der Klinik zeigen.  
Durch Christinas Geschichte kann man sich auf jeden Fall vorstellen, warum sich manche weigern, zu essen, obwohl ich mir sicher bin, dass es den Menschen viel, viel schlechter geht, die an dieser Krankheit leiden, als man es aufschreiben könnte.
Ich finde, dieses Buch ist für alle lesenswert, die sich für die Schicksale junger Menschen interessieren und auch mehr über das Thema Magersucht erfahren wollen.  

An solchen Tagen hasse ich mein Leben. Ich finde es unerträglich, ein Teil dieser Freakshow zu sein, in der ich mich so oft wie ein Fremdkörper fühle. Die meisten hier scheinen gar nicht zu merken, wie eigenartig sie sich verhalten. Ich lasse meinen Blick über die Mädchen gleiten, die mit mir am Tisch sitzen. Einige schielen zwischendurch zur Uhr. Es ist kurz vor 12, noch ein paar Minuten, dann sind alle erlöst. Wir haben exakt 40 Minuten, um zu essen. Einerseits ist es nervig, dass hier sogar die Essensdauer vorgeschrieben ist, andererseits würden einige von uns sonst mit Sicherheit ganze Tage vor ihren Tellern verbringen. Schließlich sind wir alle Mädchen, die sich trotz voller Kühl- und Speiseschränke zu Hause beinahe zu Tode gehungert haben. Wie absurd das ist.
Ein über Jahre gehender, quälender Selbstmord. Und viele hier scheinen absolut nicht bereit zu sein, ihr Hungern aufzugeben.

Seitenangabe für Zitat1: 
9

Damals wog ich 33 Kilogramm.
Dabei habe ich mich eigentlich gar nicht so schlecht gefühlt. Natürlich auch nicht fit, aber auch nicht wie kurz vor dem Tod. Und ich verstehe das auch heute noch nicht richtig: Warum hat mir mein Körper nicht deutlichere Signale geschickt?
Andererseits: Was hätten das für Signale sein sollen? Ich hatte Herzrasen, Krämpfe, Schwindelanfälle, bin in Ohnmacht gefallen, das ganze Programm. Trotzdem habe ich geglaubt, das sei schon in Ordnung. Schließlich bin ich erst 17, also in einem Alter, in dem man sein Leben noch vor sich hat. Oder?

Seitenangabe für Zitat2: 
12

"Es war so erschreckend. Ich habe mein eigenes Kind nicht mehr erkannt. Sie hat nur noch gelogen, absolut dichtgemacht. Ich kam nicht mehr an sie heran. Wenn ich sie gefragt habe, warum sie nicht isst, hat sie mir Märchen aufgetischt oder ist kreischend und schimpfend in ihrem Zimmer verschwunden. Ich musste zusehen, wie Christina immer weiter abmagerte, beinahe aussah wie eine Leiche, während sie beteuerte, dass alles in Ordnung sei. Das war Wahnsinn."
(Dagmar Helmis, Tinas Mutter)

Seitenangabe für Zitat3: 
57
Verlag: 
Arena Verlag
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3401064390 / ISBN-10: 3401064398

Kommentare

Gleich vorweg möchte ich dir ein Kompliment für deine Buchpatenschaften machen. Ich lese sie immer sehr gerne, weil ich finde, dass sie sehr aussagekräftig sind und ich dadurch einen guten Einblick in das beschriebene Buch kriege.
 
Zum Thema des hier vorgestellten Buches: Gerade heute hab ich gelesen, dass Isabelle Caro, die sich für eine Magersucht-Schockkampagne fotografieren hat lassen, ihre Krankheit nicht überlebt hat. Hast von ihr auch gehört?
 
Liebe Grüße,
Michaela

Ich habe tatsächlich schon einmal von Isabelle Caro gehört, da eine Freundin von mir ein Referat über Magersucht halten wird und dabei speziell über sie berichten will. Schade, dass sie gestorben ist, wo sie doch auch wirklich gegen die Krankheit angekämpft hat und die Gewichtszunahme auch erfolgreich war.
Übrigens, danke für das Kompliment! Es freut mich zu wissen, dass ich meine Buchpatenschaften gut mache. (-:
 
Liebe Grüße, Laura