Magie

Tessia wächst als Tochter eines Dorfheilers im Lehen Mandryn in Kyralia, nahe der Grenze zu Sachaka auf. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als selbst Heilerin zu werden, was ihr als Frau in Kyralia aber verboten ist.
Bei einem Besuch des sachakanischen Ashaki Takado bei Lord Dakon, dem Lehensbesitzer von Mandryn, verletzt Takado seinen Quellsklaven Hanara so schwer dass dieser fast stirbt. Tessias Vater gibt sein Bestes, den Mann zu retten. Tessia, die ihren Vater davon überzeugen will, sie weiter auszubilden, begibt sich allein in Lord Dakons Haus, um Hanaras Verbände zu wechseln und stößt dabei auf Ashaki Takado, der sie überfällt. Dabei werden Tessias magische Kräfte freigesetzt, von denen sie zuvor nichts ahnte.
Lord Dakon nimmt Tessia als Meisterschülerin an und schenkt dem Sklaven Hanara die Freiheit, gibt ihm Arbeit in seinen Ställen.
Während einer Reise Lord Dakons und seiner Meisterschüler in die Hauptstadt Kyralias, Irmadin, kommt es zu einem Überfall Kyralias durch die Sachakaner, unter Führung von Takado, zu dem Hanara im absoluten Gehorsam zurückkehrt. Der (magische) Krieg zwischen Kyralia und Sachaka hat begonnen.
Während des Krieges lernen die kyralischen Magier, die zuvor sehr eigenbrödlerisch auf ihr Wissensmonopol gesetzt haben, gegenseitig über die Verwendung von Magie, was Jayan auf den Gedanken bringt, eine Meistergilde zu gründen (letztere ist Grundlage der (chronologisch)folgenden Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier").

Es sei zum Verständnis der Zitate erwähnt, dass sowohl Menschen als auch Tiere Magie in sich tragen, aber nicht jeder hat das Potential, Magier zu werden. Magier nehmen die Magie von nicht Magiern auf und speichern diese bis zu ihrer Verwendung. Kyralier dürfen von Gesetzes wegen nur auf ihre Meisterschüler zurückgreifen, Sachakaner halten sich dafür Sklaven. Quellsklaven verfügen dabei über ein hohes Potential an Magie und stehen, wenn man davon sprechen darf, in der Ordnung unter den Sklaven vor anderen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Obwohl chronologisch der Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier" vorangehend, erschien "Magie" erst in 2009.  In Erwartung eines ähnlichen Spannungsverlaufs wie in der Trilogie freute ich  mich auf die Lektüre, wurde aber sehr enttäuscht.

Die Handlung ist absolut vorhersehbar. Die weitschweifenden und sich in ihrem Kern oft wiederholenden Ausführungen zu Tessias Absichten, Heilerin zu werden, langweilen. Liebeleien sind ebenso vorhersehbar wie alles weitere in der Geschichte.
Ein zweiter Handlungsstrang, der die Elynerin Stara und ihr Schicksal im Frauen deskriminierenden Sachaka beinhaltet, wirkt aufgesetzt und nicht genug mit dem Haupthandlungsstrang verwoben. Im Gegenteil gibt es nur zwei Begegnungen der beiden Handlungsstränge, die jeweils außerordentlich isoliert und künstlich erscheinen.
Angenehm gelöst ist die Erzählperspektive: Jede Hauptfigur kommt zu Wort und erzählt aus seiner Sicht. Somit wird die Geschichte aus unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet und erörtert und gibt dem Leser weitreichenden Einblick in die Hauptfiguren.
Wenn ich recht informiert bin, ist der Roman für Jugendliche gedacht. Vielleicht bin ich etwas übervorsichtig, aber ich empfehle die Lektüre erst ab ca. 16 Jahren:
Die Darstellung der Gesellschaftsformen, insbesondere der Sachakas, ist krass. Es werden Sklaven gehalten, Frauen werden wie Sklaven behandelt und haben keine eigenen Rechte. Sie werden an ihre Ehemänner verkauft und verfügen über keinerlei eigene Freiheit. 
Aber auch in Kyralia, die die Sklaverei abgeschafft und dafür die Dienerschaft eingeführt haben, ist die gesellschaftliche Ordnung meiner bescheidenen Meinung nach als kritisch anzusehen. Natürlich handelt es sich um eine fiktive Geschichte, doch habe ich Bedenken ob der Wirkung auf junge Menschen. 
Die Strategien des Krieges und die Beschreibung des Sterbens in ihm sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Der Kopf ist eben, wie eine Bekannte so treffend sagte, eine Einbahnstraße: Sind die Bilder erst einmal drin, kriegt man sie nicht so leicht wieder raus...

Der Sklave wird überleben oder auch nicht, sagt er [Lord Dakon] sich, es wird keinen Unterschied machen, ob du ihn besuchst oder nicht. Aber er konnte die kalte Nüchternheit, mit der Takado Untergebene betrachtete, nicht aufbringen. Erinnerungen an den Sklaven, der, an eine Wand gepresst, vor den unbarmherzigen, unsichtbaren Schlägen des Sachkaners zurückzuweichen versuchte, ließ Dakon erschaudern. Er konnte noch immer das Knirschen brechender Knochen hören, das Klatschen der Schläge auf verletzbares Fleisch.
Schließlich wandte er sich ab und machte sich auf den Weg zu seinen eigenen Räumen, wobei er versuchte, nicht zu hoffen, dass Veran [der Heiler, Tessias Vater] scheitern würde.
Denn was im Namen höherer Magie sollte er mit einem befreiten sachakanischen Sklaven anfangen?

Seitenangabe für Zitat1: 
27

Takados Lächeln wurde breiter. "Dann gratuliere ich dir, dass du der Erste von uns warst, der einen kyralischen Magier getötet hat. Dafür wirst du vielleicht in die Geschichtsbücher eingehen." Er blickte auf Jochara hinab, machte eine knappe Geste. "Wir sollten und setzen und deine Leistung feiern." Der Sklave huschte zu den Packsäcken hinüber und brachte Takado eine Flasche Schnaps, während die Magier alle rund um das Feuer Platz nahmen. Als Takado Davoka den ersten Schluck anbot, verblasste sein Lächeln. "Ich hoffe, du wirst nicht als der Mann in die Geschichte eingehen, der unsere Chance auf eine Eroberung Kyralias zunichte gemacht hat."
Davoka zuckte die Achseln. "Indem ich einen einzigen Kyralier getötet habe?"
"Was, wie wir alle wissen, Konsequenzen haben wird", erwiderte Takado. "Bisher haben sie sich aus denselben Gründen zurückgehalten wie wir. Jetzt, da wir einen von ihnen getötet haben, steht es ihnen frei uns zu töten. ..."

Seitenangabe für Zitat2: 
353

[In der Schlacht]
Also hatten die drei die Reise nach Irmandin um einige weitere Stunden verzögert, sodass sie nach zusätzlicher Stärke jagen konnten. Sie hatten Menschen und Tiere getötet. Alles, was ihnen auch nur den geringsten Funken zusätzlicher Magie geben konnte. 
Aber es hat ihnen nicht genutzt, dachte Hanara. Als er an Takado vorbeiblickte, konnte er erkennen, dass bisher kein Kyralier gefallen war. Sie ermüdeten nicht, und sie suchten auch nicht den Schutz ihrer Nachbarn. Ihr Angriff ließ nicht nach.
Während der nächsten drei Atemzüge fielen zwei weitere Sachakaner.
"Jochara!"
Einige Schritte entfernt stand der junge Sklave auf und eilte an Takados Seite. Er machte Anstalten, sich zu Boden zu werfen, aber Takados Hand schoss vor, und der packte ihn am Arm. Hanara sah das Aufblitzen einer Klinge, und Entsetzen durchlief ihn. Jochara starrte Takado überrascht an - und starrte noch immer, als er leblos zu Boden sackte.
"Chinka!"
Hanara blickte auf. Die Sklavin ging, die Schultern durchgedrückt, das Gesicht grimmig, auf ihren Herrn zu. Sie kniete nieder und streckte ihm das Handgelenk hin. Takado zögerte nur kurz. Dann berührte sein Messer ihre Haut. Sie schloss die Augen und starb mit einem Ausdruck der Erleichterung auf dem Gesicht.
Genauso sollte ich ebenfalls sterben, schoss es Hanara durch den Kopf. Duldsam. In dem Wissen, dass ich meinem Herrn gut gedient habe. Warum schlägt mein Herz also so schnell?
"Dokko!"
Links von Hanara erklang ein wortloser Protest. Als er sich umdrehte, sah er, wie der hochgewachsene Mann sich aufrappelte und losrannte. Aber er kam nicht weit. Eine unsichtbare Macht zog ihn rückwärts. Er stürzte und schrie gellend, während er über den Boden rutschte. Takados Gesicht war eine Maske des Zorns.
Er ist verärgert darüber, dass er Macht vergeuden musste.
Die Schreie des Sklaven brachen ab. Takado wandte sich ab, um den Blick über das Schlachtfeld wandern zu lassen.
"Hanara!"

Seitenangabe für Zitat3: 
592
Verlag: 
Phentaligon Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH, München
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-7645-3037-2