Lèon und Louise

Leon_und_Luise.gifZwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Lieb ist schön, aber auch nicht immer einfach und schon garnicht, wenn sie in Zeiten des Krieges zu keimen beginnt.
Durch einen Zufall lernen sie sich kennen... der schüchterne, unerfahrene Lèon und die lebenslustige Louise.... und sie lernen auch sich zu lieben, bis einen Bombenangriff alles abrupt beendet.
Schicksale, die vermutlich kein Einzelfall waren... ein Mensch kommt ums leben.... der ander bleibt allein zurück und die Zeit.... ja, die hält für niemanden an... Menschen werden erwachsen, gehen ihren Weg... doch was geschieht, wenn man wie Leon nicht vergessen kann??? Wenn Gefühle in den Hintergrund treten aber nicht verschwinden und dann eines Tages, DER Mensch plötzlich wie aus dem Nichts vor einem steht?????
 
Eine Liebesgeschichte: JA    Kitsch: NEIN
Leichtfüßig und mit viel Charme erzählt A. Capus die besondere Geschichte zwischen Lèon und Louise. Eigentlich ja eine Dreiecksbeziehung, die teils sehr verwundert, aber auch amüsiert.
Ich frage mich, wie ihr gemeinsames Leben verlaufen wäre, hätte der Krieg sie nicht getrennt. Hätte es dieses Leben überhaupt gegeben?? Wäre vorallem Louise damals schon dafür bereit gewesen??
Eine sehr nachdenklich Rolle trägt für mich auch Yvonne, aber mehr möchte ich nicht verraten Smile

Es fängt an zu regnen.
Das ist kein Regen, sagt sie... Nur eine Wolke, die zu tief fliegt.

Seitenangabe für Zitat1: 
77

Ich lebe ganz gut, Du fehlst mir nicht, verstehst du?
 Du bist nur eine der vielen Leerstellen, die ich durch mein Leben trage; schließlich bin ich auch nicht Autorennfahrerin oder Balletttänzerin geworden, kann nicht so gut zeichnen und singen, wie ich mir das gewünscht hatte, und werde nie Tschechow auf Russisch lesen.
Ich finde es längst nicht mehr allzu schlimm, dass sich im richtigen Leben nicht jeder Traum verwirklicht; das könnte ja sonst rasch ein bisschen viel werden....

Seitenangabe für Zitat2: 
185

Nur weit weg von dir bin ich ganz bei dir, nur fern von dir kann ich es wagen, mich dir zu öffnen, ohne mich zu verlieren, verstehst du????

Seitenangabe für Zitat3: 
190
Verlag: 
Carl Hanser Verlag
Auflage: 
1. Ausgabe 2011
ISBN: 
978-3-446-23630-1

Kommentare

dürften wir das gelesen haben, liebe Claudia; ist ja noch nicht so lange draussen. Nun zum Buch. Zuerst muss ich sagen, dass ich dieses Buch beim Kauf ein wenig falsch eingeordnet habe (Capus-Camus) aber egal. Der Lesespass stellte sich voll ein. Die Sicht des Enkels ermöglicht einen distanzierten Blick der damaligen Dinge, die sich wohl nur durch Erzählungen dem Enkel ergaben.So will es uns Capus weismachen. Natürlich ist alles nur erfunden - weder Enkel noch Großvater existieren zwingend. Aber das ist nur ein technisches Detail.  Wie verändert der Krieg das Volk? Das ist eine zentrale Frage. Nie werden die Beantwortungen der Briefe erwähnt, auch nicht die Gedanken ob der Briefe. Fast glaubt man, Léon hat die Briefe niemlas gelesen. Nach Beendigung der letzten Zeile las ich erstmals nochmal den Anfang, da dort sich die Geschichte ja rundet. Ich finde, das Grundmotiv ist der Umgang mit Gewalt. Der, welcher Gewalt erfährt, verhält sich typisch, wie auch der, der Gewalt ausübt, sich typisch verhält. Beide Seiten sind also im Strudel der Gegebenheiten gefangen. Dieses Paar erfährt eine frühe Trennung, die kaum mehr zusammenfinden können, oder? Ich will nicht zu viel verraten. Hut ab vor der Reaktion der Gattin zu dem Ganzen. Ich habe mich beim Lesen sehr amüsiert. Ich glaube, in Wirklichkeit ist so eine harmonische Dreiecksbeziehung schwer vorstellbar, wo doch auch eine Menge Kinder im Spiel sind.

Hallo Reinhard,
 
ja, so ist das.... druckfrisch aus der Buchhandlung ..... haben wir beide vielleicht etwa gar die gleiche Quelle was Leseempfehlungen angeht??? Wink
 
Gewalt und der Umgang damit..... Capus zeigt uns diese Situation sehr ehrlich, wie ich finde.... man kann die Ohnmacht aber auch den Kampfgeist auf beiden Seiten spüren....
Ob`s diese Art der Dreiecksbeziehung in Wirklichkeit geben kann, wage ich auch zu bezweifeln.... egal wie sich so etwas auch entwickelt..... einer muss, was die eigenen Bedürfnisse angeht,  immer einen Schritt zurück treten und ich glaube, zumindest die Rolle der Ehefrau ist so gesehen gar nicht mal so unrealistisch...
 
Auf jeden Fall freut es mich, dass es auch dir als Mann gefallen hat. In einem Artikeln, den ich gelesen hab,  wurde es ja fast als verkitschter Liebesroman dargestellt und das ist es dann doch bei weitem nicht.
 
lg Claudia

dass noch mehr Kriegs-Bahn-Ungewöhnlichkeiten eine Rolle gespielt hätten. Der Krieg wurde ganz sicher durch Züge mitgetragen und eben transportiert. Da wäre noch ein starker Handlungsstrang daraus entstanden. Ganz kurz blitzte es in die Richtung auf, wie ein Soldatentransport erwähnt wurde. Da hätte noch tiefer erzählt werden können. Oder?
lg
Reinhard