Lea

Leas zieht sich nach dem Tod ihrer Mutter völlig zurück und ist für ihren Vater kaum mehr zugänglich. Bis sie sich in den Kopf setzt, Geige zu lernen und dadurch Menschen kennenlernt, die sie durch Höhen und Tiefen der folgenden Jahre tragen. Ihr Vater ist verzweifelt, weil er immer weniger Zugang zu ihr hat, ist aber gleichzeitig unfähig sich seiner Tochter mitzuteilen. Die beiden Leben äusserlich aneinander vorbei, wollen aber doch gegenseitig nicht enttäuschen, leben immer in Erwartung der andere mache endlich einen Schritt.
In seiner Verzweiflung stürzt sich Martijn van Vliet in ein gewagtes Abenteuer um seiner Tochter doch noch näher zu sein.
Jeder bleibt jedoch bis zum tragischen Ende Gefangener seiner nicht gelebten Träume.

Meine Gedanken zum Buch: 

Kann man tatsächlich so in sich selbst gefangen sein, so unfähig sich anderen mitzuteilen, selbst wenn sein ganzes Inneres danach schreit?
Pascal Mercier baut eine spannende Gefühlswelt rund um Martijn und Lea Van Vliet auf, erzählt aus ineinanderfliessenden Perspektiven, welche immer genau die einzig richtige zu sein scheint. Der Handlungs- und Spannungsbogen ist perfekt, an keiner Stelle wird zusehr gebremst, an keiner zusehr beschleunigt.
Mir als Geiger und Kenner von Konzert- und Wettbewerbs-betrieb ein aus der Seele geschriebenes Buch, sozusagen eine "Guaneri del Gésu" unter den Büchern....
 

Erst als Lea den Bogen fallen ließ und die Geige mit beiden Händen am Hals faßte, wußte ich: "Das ist das Ende"

Seitenangabe für Zitat1: 
225

Als Van Vliet die Hände das zweite Mal vom Steuer nahm udn sie wenige Zentimeter davon entfernt hielt, fand ich es merkwürdig, denn wieder tat er es, als ein Lastwagen entgegenkam.

Seitenangabe für Zitat2: 
13
Verlag: 
btb verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-442-73746-8

Kommentare

Also ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht von "Lea". Aber vielleicht lag es daran, dass ich vorher "Nachtzug nach Lissabon" gelesen hatte, von dem ich ganz begeister war.
Also "Lea" hat mir eigentlich gar nicht gefallen, obwohl mich als Hobby-Geigerin ja ebenfalls (fast) alles interessiert, was mit Musik zu tun hat. Besonders hat mich dann ja deine positive Meinung erstaunt, da du ja selbst Musiker bist und ich für mich konnte die Geschichte mit meinem Musikerhintergrund überhaupt nicht nachvollziehen. Aber so unterschiedlich liest man eben, trotz ähnlicher Interessen.
Um noch bei Musikerbüchern zu bleiben (Piatigorsky hatte ich ja schon empfohlen), in "Vindings Spiel" von Ketil Björnstad geht es um einen angehenden Pianisten und den Schwierigkeiten, erwachsen zu werden und sich selbst zu finden. Kann ich aber leider auch nicht empfehlen, aber vielleicht mag es ja der eine oder andere unter den Musikliebhabern.