Jive Talker

Jive_Talker.jpgSein Name bedeutet »Don t worry be happy.« Ist das der Grund, weshalb der kleine Samson in einer Welt, wo hinter jeder Ecke Mambas, Malaria und Misere lauern, zu einem Teenager heranwächst, der Michael Jacksons Moonwalk perfekt beherrscht, Nietzsche mit Vorliebe auf dem Klo liest und sich mit zwölf seine eigene Religion ausdenkt? Oder liegt es an seinem exzentrischen Vater, dem Jive Talker? Der muss zwar seinen Traum, ein richtiger Doktor zu werden, begraben, seinem Sprössling impft er aber einen nie versiegenden Optimismus ein.
Jive Talker ist die sprühende Lebensgeschichte eines Jungen, der in Malawi aufwächst und auszieht, Künstler zu werden. Mit seiner Leidenschaft für die Sprache und einem irrwitzigen Humor bewältigt er Höhen und Tiefen.

Meine Gedanken zum Buch: 

Samson Kambalu erzählt die Geschichte seiner Kindheit in einem Entwicklungsland. Malawi - ich bin mir sicher, viele wissen garnicht, wo das liegt, und bei so einem kleinen Land ist das auch nicht weiter verwunderlich. Anziehungspunkt für Touristen ist der große See mit seiner einzigartigen Tierwelt und den Eingeborenen, die man am besten barfuß fotografiert, um ja dieses besondere Dritte-Welt-Feeling auf das Bild zu bannen.
 
Schlechte Ernährung, mangelnde Hygiene, bescheidene Unterkünfte Und AIDS begleiten Sam durch seine Kindheit. Den Weg in eine neue Welt eröffnet ihm eines der begehrten Stipendien für die staatliche Eliteschule, die ganz im Stile Etons geführt wird und deren Absolventen in den USA und in Europa studieren sollen. Letztendlich kommt alles ganz anders, der eigenwillige junge Mann findet aber trotzdem einen Weg, seine Religion des Holyballismus sowie seine Kunst auch dem Rest der Welt zugänglich zu machen.
 
Humorvoll, ohne Selbstmitleid aber mit einem Tropfen Wehmut beschreibt Kambalu sein Leben und das seiner Familie. Dieses Buch ist ein echter Tipp für Afrikafans und Leute, die sich auch gerne einmal mit einem Land auseinandersetzen, das ihnen bisher vielleicht völlig fremd war.

"Seht euch vor, wenn ihr am See Touristen begegnet, die mesiten von ihnen sind Spaceheads, zugekiffte Freaks, die letzten Hippies auf der Suche nach dem Gold von Malawi. Ihr wisst doch, was das Gold von Malawi ist, Kinder? Marihuana, das Zeug, das einen zum Lachen bringt, wenn es nichts zu lachen gibt. Raucht es ja nicht, es macht euch so träge, dass ihr zu nichts mehr fähig seid. So ein Spacehead kommt nicht weit im Leben... Ihr braucht diesen rohen, ungehemmten Trieb in euch, um euch euren Platz in der Welt zu erobern. Seit Bob Marley sagte, der Cannabis aus Malawi sei der beste, den er je geraucht hat, kommen scharenweise Leute aus der ganzen Welt nach Nkhotakota, um sich welchen zu besorgen. Nkhotakota ist jetzt die Cannabishauptstadt der Welt. Amerikaner, Holländer, Deutsche, Franzosen, Briten, Australier, ... alle sind sie da. Also haltet euch von den Rucksacktouristen fern, und lasst euch bloß nicht von einem Touristen fotografieren, sonst landet ihr noch auf dem Spendenaufruf irgendeiner Hilfsorganisation."

Seitenangabe für Zitat1: 
83

Irgendwie wurden die meisten Eingeborenen tatsächlich gesund und wollten noch mehr von den Pillen. Nur ganz wenige starben. Bruce erklärte mir die Symptome der jeweiligen Person aus seinem Dorf, die Pillen haben wollten, ich sa in Manson's Tropical Diseases nach, konsultierte meine Tabelle und entschied, welche Kapseln zu verschreiben waren. Schon bald schwamm ich von meinen Sonnenscheinpillen im Taschengeld.

Seitenangabe für Zitat2: 
180

Der Floh (und ein toter Hund) hatten zu meiner feurigen Beziehung mit Susan geführt, und ein Floh war es auch, der mich dazu brachte, ihr früher als beabsichtigt einen Heiratsantrag zu machen.

Seitenangabe für Zitat3: 
340
Verlag: 
Unionsverlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3293004115