Herr Nakano und die Frauen

Herr_Nakano_und_die_Frauen.jpg»Wir handeln nicht mit Antiquitäten, wir handeln mit Trödel«, sagt Herr Nakano zu Hitomi, die sich um eine Aushilfsstelle in seinem Laden bewirbt. Der eigenwillige Nakano, ein Herr alter Schule, liebt neben schönen alten Dingen auch schöne junge Frauen. Sein Geschäft, eine Enklave in der hektischen Innenstadt Tokios, wird zum Treffpunkt liebenswert-skurriler Zeitgenossen. Hier kommen sich zwischen Nudelimbiss und Nacktfotos auch die junge Verkäuferin Hitomi und der Laufbursche Takeo allmählich näher. Doch westliche Einflüsse und aggressive Geschäftsmethoden machen vor Herrn Nakanos altmodischem Laden nicht halt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Das erste Buch (Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß) der Autorin war für mich eine echte Entdeckung, umso enttäuschter war ich von diesem Roman. Er zeichnet durchaus liebevoll das Bild eines Mikrokosmos im Moloch Tokio, aber letztendlich gelingt es ihm nicht, den Leser zu fesseln, zu berühren, ihm die Figuren wirklich nahezubringen.
Das Thema Liebe, um das sich alles dreht, bleibt sehr an der Oberfläche, schon allein deshalb, weil alle Protagonisten irgendwie gestört sind und sich nicht auf den anderen einlassen können oder wollen. Trotzdem fehlt der Geschichte der Tiefgang, um daraus eine echte Mileustudie zu machen.
Das Buch war unterhaltsam genug, um es fertigzulesen, man will ja schlussendlich doch wissen, wie es mit den Figuren weitergeht, aber wirklich weiterempfehlen würde ich es nicht.

"Nur die Götter wissen, wann ich zurückkomme", verkündete Herr Nakano dramatisch. Masayo, die gerade zu Besuch war, schnaubte.
"Es kommen sowieso nur wenige Kunden, also werde ich den Laden Hitomi und Takeo überlassen und mich zurückziehen."
"Dann übernehme ich den Laden", erklärte Masayo prompt.
"Du? Diesen Saftladen? Dann geht der doch sofort pleite."
"Du hast ja keine besonders hohe Meinung von Deinem Laden."
"Und überhaupt - was meinst du, warum diese Klitsche trotz allem läuft? Das ist doch nur meinem genialen Geschäftssinn zu verdanken."
Diese Geschwister waren nicht zu fassen.

Seitenangabe für Zitat1: 
45

Lieber Takeo,
wie geht es Dir?
Ich trinke gerade Sake.
Seit ich hier bin, werde ich schneller betrunken als sonst.
Es liegt vielleicht daran, dass ich die meiste Zeit mit dem Bus unterwegs bin.
Heute mittag habe ich am Strand eine Menge Fliegen gesehen.
Wahrscheinlich waren sie gerade geschlüpft. In Scharen flogen sie herum. Ich sah ihnen eine Weile zu.
Die Fliegen schienen scih nicht für mich zu interessieren.
Hokkaido ist sehr groß. Vielleicht werde ich deshalb so leicht betrunken.
Ich verstehe die Frauen nicht.
Du bist noch jung, aber irgendwie scheinst Du kein großes Interesse an ihnen zu haben.
Darum beneide ich Dich.
Tamotsuwird heute mit einer Frau, die er gestern kennengelernt hat, hier übernachten und dann nach Hause fahren.
Takeo, hör auf mich:
Lass Dich nicht allzu sehr mit Frauen ein.
Viele Grüße, Haruo Nakano

Seitenangabe für Zitat2: 
51
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3423139793