Herr Lehmann

Frank Lehmann ist Wahlkreuzberger aus Bremen, beinahe ein sogenannter "Berufsberliner", denn außer dass er hinter dem Tresen steht, um sein Geld zu verdienen, macht sein Leben nur eines aus: das Leben in Kreuzberg im Jahr der Maueröffnung.

Kurz vor seinem 30. Geburtstag passieren lauter Dinge, die ihn aus seinem gewohnten Phlegma heraus reißen: er muss mit einem Hund auf der Straße Wettsaufen, weil der ihn bedroht, er verliebt sich in die schöne Köchin Kathrin, seine Eltern besuchen ihn nach Jahren zum ersten Mal in Berlin, sein Freund Karl hat eine Ausstellung in einer Charlottenburger Galerie, die ihn jedoch überfordert: er erleidet einen psychsischen Zusammenbruch.
An seinem 30. Geburtstag wird die Mauer geöffnet.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich habe einfach ohne Ende gelacht, geschmunzelt, gegrinst und mitgelitten. Selbst bin ich erst 1987 nach Berlin gekommen, war dann auch "Wahlkreuzbergerin", zum Glück hatte ich nie solche Angst vor Hunden :-).
Herr Lehmann ist einer, den man einfach gern haben muss, er geht auf seine kauzige, unumgängliche Weise seinen Weg, erlebt die schrägsten Sachen mit jeder Menge Becks in Bauch und Hirn und ist eigentlich doch ganz normal.
wie man in Kreuzberg eben normal bleiben kann :-).

Zu empfehlen als Reiselektüre für Berlin, einfach lustig!

"Nie, nie, nie wieder willst du das tun", sagte er und zu jedem Wort bekam der andere eine gewischt. Dann schleuderte Karl den Mann gegen die Bushaltestelle, ging hinterher und trat ihn in den Hintern, dass er aufs Gesicht fiel. "Du hast Herrn Lehmann geschlagen", rief er, "das gibt Höchststrafe. Zweimal Höchstrafe", ergänzte er...

Seitenangabe für Zitat1: 
100

"Dann ist das Leben ein Gefäß, das man gefüllt hingestellt bekommt, und zwar gefüllt mit Zeit. Und in diesem Gefäß ist ein Loch drin und die Zeit fließt unten raus, so ist das nämlich, wenn man überhaupt von einem Gefäß sprechen will. Und Zeit, das ist das Blöde daran, kann man nicht nachfüllen."

Seitenangabe für Zitat2: 
56

"wenn die Welt schon vollgestopft ist mit Arschlöchern, die bis 17 Uhr frühstücken, wieso brauchen wir dann auch noch Knallchargen, die um elf Uhr Schweinebraten bestellen?"
Herr Lehmann war begeistert. So hatte er noch nie eine Frau reden hören. Eigentlich wollte er überhaupt keinen Schweinebraten mehr, aber wenn sie so mit ihm sprach, hatte er natürlich keine Lust, die Sache fallenzulassen."

Seitenangabe für Zitat3: 
46
Verlag: 
Goldmann
Auflage: 
7. Auflage 2003
ISBN: 
3-442-45330-5

Kommentare

>Wieso fragt einen dauernd einer, ob man noch was anderes macht?< Ich rede gar nicht mit ihr, dachte Lehmann bedauernd, eigentlich rede ich mit dem Rest der Welt, und sie bekommt es ab. >Und die meisten, die ich kenne, sagen dann: Ja, ich arbeite in einer Kneipe, aber eigentlich mache ich Kunst, eigentlich mache ich Musik in einer Band, eigentlich studiere ich, eigentlich, eigentlich, und alle meinen damit, dass irgendwann das richtige Ding losgeht, so wie Karl mit seinem Skulpturen und so, ich meine, nichts gegen Karl und seinem Kram da, aber was ist das für ein trauriger Umgang mit dem, was man tut, wenn man es immer nur als Zwischenlösung ansieht, als nichts Richtiges?<
 
 er schreibt aus dem Leben >> Sven Regener<< und das mit viel Humor
 

Außerdem konnte Herr Lehmann keinen Aschenbecher entdecken, und er war sich nicht sicher,
                     ob es opportun war, auf den Fußboden zu aschen.
 
                    man hätte auch statt "opportun" einfach "angebracht" nehmen können. Ich gib´s zu, ich holte den Duden
 
 

Ich will jetzt die Inhaltsangabe nicht noch einmal darstellen, sondern nur mehr einige meiner Gedanken: Ohne Spannungsbogen plätschert der tägliche Altag das Herrn Lehmann so dahin--- wie im richtigen Leben könnte man sagen-- obwohl da sicherlich nicht so viele Kneipengänge dabei sind! Der Protagonist: Herr Lehmann heißt eigentlich Frank ist ein Schutzpatron aller Tresenkräfte, Bierkonsumenten und Liebhaber sinnloser Gespräche. Ein Buch voll tragischer Komik.
Einfach lesen.