Haus der Kindheit

Als er den Zenith seiner Berufslaufbahn als architektonischer Gestaltung von Gebäuden und Innenräumen in New York überschritten hat, erfüllt sich Max Bermann seinen lebenslang gehegten Wunsch, das Haus seiner Mutter in der Kleinstadt H. in Österreich in Besitz zu nehmen. Mira, seine Mutter, jüdische Auswanderin vor den Nazis hat seine Sehnsucht durch ein Foto entfacht, der Krieg und sein Einsatz als amerikanischer Soldat brachten eine erste reale Berührung, sein beruflicher Erfolg die Möglichkeit das Haus nach langem juristischen Hürdenlauf zurückzubekommen. Spitzer, der "Schammes"(Verwalter der Gemeinde) der kleinen verbliebenen jüdischen Gemeinde in H., der Bewahrer der jüdischen Geschichte der Gemeinde und des Städtchens, hilft ihm dabei. Vor diesem Hintergrund entfalten sich die Liebesgeschichten von Max, zu seiner Mutter und zu verschiedenen Frauen. An keine vermag er sich zu binden, Nadja wird die tragische Liebe seines Lebens, bitter wie die Geschichte der Juden der Stadt H., deren Aufzeichnung sein Alterswerk werden soll.Vollenden will er das in New York, seiner eigentlichen Heimat, zu der ihm H.und seine Bewohner nicht werden können.

Meine Gedanken zum Buch: 

Die Sprache der zwischen Linz ( ist Linz " H." und stammen Züge Spitzers von Simon Wiesenthal ?) und New York pendelnden Germanistin Mitgutsch ist wunderbar. Die Stadtschilderungen der ortskundigen Wahl- New Yorkerin sind Liebeserklärungen an das pulsierende Leben. Anna Mitgutschs Liebesgeschichten lösen ganze Skalen von Gefühlen aus, am nachhaltigsten bei mir eine Mischung von Schmerz und Wut über eine Unfähigkeit des Helden Max eine Liebesbeziehung auf Dauer einzugehen, bis zur Zerstörung seiner Partnerinnen. Aber das habe ich schon bei früherer Lektüre eines ihrer Texte erlebt. Ihren krassen Spiegel bekommt diese Unfähigkeit zu lieben in der Beziehungslosigkeit und immer wieder in der Geschichte im Hass tödlichen Gegeneinanders der Österreicher zu den anderen, den Juden, den Fremden, ohne die und mit denen sie nicht dauerhaft leben können..

Mehr als jemals zuvor und stärker als in anderen Städten, in denen er sich vorübergehend aufgehalten hatte, fühlte sich Max in H. unentwegt darauf verwiesen,dass er fremd war. Es waren die flinken, aufmerksamen Blicke, die es ihm bestätigten, und jedesmal bei seinem ersten Satz spürte er, wie alle aufhorchten und sich fragen, woher er komme.
Vergessen sie nicht, ermahnte in Spitzer von Zeit zu Zeit, das hier ist nicht New York, nicht einmal eine Großstadt.
Aber Max war kein beliebiger Tourist, der von weither kam und deshalb auffiel. Er saß als Jude den Beamten gegenüber, die mit seiner Rückstellungsklage befaßt waren, als Jude ging er in seinem Hotel aus und ein, und hätte er diesem Umstand kein Gewicht beigemessen, sie hätten es ihn nicht vergessen lassen, es war ihren Gesichtern abzulesen, ihren gezügelten, neugierigen Blicken.
Ver

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Von öffentlichen Telefonen rief sie bei ihm an, die einzige Nummer die sie auswendig kannte, und wußte nicht mehr, ob sie aus Sehnsucht oder aus Rachsucht nicht von ihm ablassen konnte. Sie horchte auf seine Stimme, wie sie die ganze Skala von einladender Neugier bis zum Ärger durchlief, atmete flach, während er fragte: Wer spricht, wollen Sie sich nicht melden?
Einmal hatte sie sich gemeldet. Er hatte geschwiegen, so lange, bis sie fragte: Bist du noch da?
Es tut mir leid, hatte er kühl gesagt, ich kann nichts mehr für dich tun.

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Die Vorfahren der Spitzers und der Walchs, schrieb er, kamen aus dem Nordwesten Böhmens.... Levi Walch, ein Vorfahre mütterlicherseits, erhielt im Jahr 1573, einen Paßbrief, im Erzherzogtum Handel zu treiben, allerdings mit Anweisung, zu allen Zeiten den gelben Fleck sichtbar auf seiner Kleidung zu tragen... Sein Enkel Jakob Walch mietete zusammen mit anderen fahrenden Juden Warenlager außerhalb der Städte. Das Judengewölbe in H. wurde während der Karwoche im Jahre 1677 von Seminaristen, angehenden Theologen, geplündert und zerstört, angeblich aus Rache für den Gottesmord.

Seitenangabe für Zitat3: 
297
Verlag: 
Luchterhand Literaturverlag GmbH, München
Auflage: 
1.Auflage
ISBN: 
ISBN 3-630-87064-3