Haus der Geschichten

Mit seinem Leihkater Poseidon lebt Marvin Heider in einer sanierungsbedürftigen Berliner Altbauwohnung. Dank eines unerwarteten Jobangebotes findert er sich plötzlich als Gehilfe eines geheimnisvollen alten Buchhändlers wieder.
Dieser betreibt im Keller seines Antiquariats die "narratorische Apotheke" - eine Sammlung von Geschichten, die den Leser mit auf ungewöhnliche Reisen nehmen, an Orte jenseits des Gewohnten.
Schon bald kann auch Marvin sich der Faszination dieser Geschichten nicht mehr entziehen...

Meine Gedanken zum Buch: 

Wundervolle, fantastische (im wahrsten Sinn des Wortes) Geschichten in eine Rahmenhandlung eingepackt deren Titlel unter anderen wie folgt lauten:
Der Schemen
Die Brücke
Ein Nachtmahr
Der Werhamster
Der König hinter den Nebeln
Linni und die fatalistischen Drüsen
Marvin der "Held" der Erzählung gerät in Abenteuer voller Bücher, Liebe und Gott. Das Buch ist sehr unterhaltsam und kurzweilig geschrieben mit einem Schuss Humor. Ich bewundere den Autor für so viel Fantasie, die mich in jeder der Geschichten gefesselt hat.
Es ist schwierig dieses Buch genauer zu beschreiben, man sollte es einfach lesen Smile
Ab sofort eines meiner Lieblingsbücher!
 
 

Rasmus schwieg einen Moment, dann meinte er: "Es gibt Wunden, die einfach nicht heilen wollen - jede Berührung scheint dann unterträglich zu sein. Es ist sehr menschlich, auf Schmerz mit Zorn zu reagieren." Er seufzte. "Aber Sie haben natürlich recht, wir Menschen mögen es im Allgemeinen ganz und gar nicht, wenn jemand unsere Wahrheiten infrage stellt."
Marvin grinste: "Erst recht nicht, wenn es unser Beruf ist, Wahrheiten zu verkaufen."
Rasmus nickte: "Darf ich fragen, was Ihre Wahrheiten sind, Marvin?"
"Oh, ich glaube nicht an absolute Wahrheiten. Alles Fundamentalistische ist mir suspekt."
Rasmus blickte in fragend an:" Was meinen Sie damit?"
"Ich durfte während eines Teils meines Lebens noch den real existierenden Sozialismus genießen, der auch keine Fragen zuließ. Und in einem Zeitalter, in dem religiöse Fundamentalisten auf beiden Seiten mit Bomben predigen uns sich gegenseitig als Achse des Bösen und großen Satan bezeichnen, lernt man schnell, dass Wahrheit relativ ist."
 

Seitenangabe für Zitat1: 
52

Marvins Eltern waren Atheisten gewesen und er hatte seine ersten Schuljahre noch nach den Lehrplänen der damaligen DDR genossen. So war er in der festen Überzeugung erzogen worden, dass Religion etwas vollkommen Überholtes sei, eine Art Krücke aus den Anfängen der Menschheit, die inzwischen längst zu einer Last geworden war und die jeder aufgeklärte und selbstbestimmte Mensch mit einem erleichterten Lächeln von sich warf.
 

Seitenangabe für Zitat2: 
68

Marvin wanderte in einen winzigen Park und blickte vorsichtig um. Kein Mensch war in der Nähe.
"Also gut Gott", wisperte er, " ich habe den Verdacht, dass du tatsächlich existieren könntest, Aber, um ehrlich zu sein, sprengt das meine Vorstellungskraft, und bislang ist es mir auc ein Rätsel wie ausgerechnet du die Antwort auf meine Fragen sein könntest. Denn all die Dinge, die ich bisher mit dir verbinde, schrecken mich eher ab, zum Beispiel kalte Kirchen mit strengen, alten Damen, Männer in schwarzen Roben, die salbungsvoll Nichtssagendes von sich geben, oder religiöse Fanatiker, die aller Welt ihre Überzeugungen aufzwingen wollen. Ich könnte die Liste noch eine ganze Weile fortführen, aber vermutlich kennst du sie schon. Vielleicht bist du aber auch völlig anders, als ich bislang dachte -  ich habe zumindest den Verdacht, dass es so ist. Also, wenn du mir etwas zu sagen hast -  nur zu! Ich habe nämlich keine Ahnung, was ich mit diesem ganzen Gedankenwirrwarr anfangen soll - Das war's fürs Erste."
Marvin wartete noch eine Weile ab, für den Fall, dass Gott ihm gleich eine Antwort geben würde, aber nichts geschah.

Seitenangabe für Zitat3: 
204
Verlag: 
Gerth Medien GmbH
Auflage: 
3. Auflage
ISBN: 
978-86591-272-6