Gertrud

Der Ich-Erzähler Kuhn (dessen Vornamen der Leser nicht erfährt) ist ein mittelmäßiger Geiger und Opernkomponist. Durch einen Unfall in der Jugend leidet er zudem an einer leichten Gehbehinderung und findet durch sein zurückhaltendes und schüchternes Wesen auch nur wenig Anklang beim weiblichen Geschlecht. Seine tiefe Zuneigung zur schönen Gertrud Imthor bleibt - wie nicht anders zu erwarten - ebenfalls unerwidert, da sie, wie so viele Frauen vor ihr, dem Charme von Kuhns Freund, dem Opernsänger Heinrich Muoth, erliegt.
Dass dies alles kein gutes Ende nimmt, ist vorhersehbar. Es ist aber auch weniger das in der Literatur wohl schon unzählige Male abgehandelte Thema das Besondere an der kurzen Geschichte, sondern die Art und Weise wie Hesse sie zu erzählen versteht.

Meine Gedanken zum Buch: 

Bei mir hat Hesse in diesem Fall als Meister der detailgetreuen Darstellung verschiedener Szenen gepunktet, die man nicht nur bildhaft vor sich sieht, sondern denen man auch ein spezielles Gefühl zuzuordnen vermag, so als hätte man sie selber erlebt. So etwa das Gefühl von Freude und Wärme bei der Heimkehr nach langer Abwesenheit oder die sich einstellende Entspannung beim unbeschwerten Festmahl mit Freunden, aber auch die Mutlosigkeit über ausbleibende Erfolge oder eine unerwiderte Liebe.
Diese Begabung Hesses, mit wenigen Worten lebhafte Bilder vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen und ihn in die momentane Gefühlswelt seiner Figuren mitzunehmen, hat ihn zu einem meiner liebsten Schriftsteller werden lassen. 
Wofür auch dieses kleine feine Bändchen Zeugnis ablegt.

Verlag: 
Suhrkamp
Auflage: 
Sonderedition
ISBN: 
351803099X

Kommentare

Sylvia, mit all Deinen Hesse-Büchern werden gleich Jugenderinnerungen wach. Er war einer der ersten Autoren, dessen Gesamtwerk ich mir vorgenommen hatte. Nicht ganz erfolgreich, muss ich sagen, denn z.B. "Das Glasperlenspiel" hab ich bis heute nicht geschafft. Damals, mit 17, hab ich es nicht lesen können, und später hab ich mich nicht mehr drübergretraut.
Aber alle diejenigen, die Du hier vorstellst, stehen brav beim mir im Regal. Hätte ich mehr Zeit, würde ich sie gern wieder lesen. Wobei mein Liebling "Demian" war und danach "Narziss und Goldmund". Wäre echt interessant, was ich jetzt, über 30 Jahre später, davon halten würde...

Das sagt sich so einfach. Mit 194 Büchern am SuB überlegt man es sich gut, ob man ein Buch ein zweites Mal liest. Wobei es mit Hesse wahrscheinlich eh wie ein erstes Mal wäre, das ist ja über 30 Jahre her, und ich habe sicher vieles vergessen.