Frühstück bei mir - Besondere Begegnungen

Fr__hst__ck.jpgAm 19.1.1997 erlebte die Ö3-Sendung Frühstück bei mir einen Raketenstart mit dem frisch gekürten Bundeskanzler Viktor Klima als erstem Gast. Seither wurde die Radio-Interviewreihe, bei der rund eine Million Hörer Sonntag für Sonntag dabei ist, zur Institution: 750 Gäste von Arno Geiger bis Richard David Precht, von Falco bis Herbert Grönemeyer, von Christoph Waltz bis Veronica Ferres haben bereits an Claudia Stöckls Frühstückstisch Platz genommen.
Kurz vor dem fünfzehnjährigen Jubiläum der beliebten Ö3-Sendung präsentiert die Moderatorin die überraschendsten Erkenntnisse und spannendsten Gedanken ihrer Gäste in Buchform. Gegliedert in die großen Themenbereiche des Lebens wie Schönheit, Erfolg, Treue, Liebe, Glück, Krise, Alter, Trost und Tod berichtet Stöckl von den ganz besonderen Interview-Begegnungen und schildert Geschehnisse, die nie auf Sendung erwähnt wurden. Und sie hat die schönsten Zitate der Stars zu den wesentlichen Fragen unseres Seins ausgewählt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich bin keine Frühstück-bei-mir-Hörerin und auch kein Fan von Claudia Stöckl.... ich muss gestehen, ich hatte beidem bisher keine besondere Beachtung geschenkt. Warum also ging ich kürzlich zu dieser Lesung????
Es war Neugier... am Buch... an der Person.... und auch eine wilkomme Abwechslung zu der sonst so typischen Abendgestaltung.
Dieser Abend hat mich sehr überrascht..... ausschließlich im positiven Sinne. Die Lesung war im Grunde keine Lesung sonder eher eine sehr persönliche Begegnung mit einem Menschen und dessen Arbeit und auch den unzähligen Erfahrungen, die er bisher daraus schöpfen konnte.....
Humor und Unterhaltung war auch dabei, aber auch sehr viel Tiefe und Ehrlichkeit.
Stöckl´s Buch "Frühstück bei mir" ist für mich ein sehr wertvolles Buch. Es hat nicht`s zu tun mit seichten Interview´s, die nur darauf abziehlen, dem prominenten Gast Pikantes zu entlocken..... Skandale aufzuwärmen ect.
Beginnt man zu lesen, wird man sehr schnell merken, dass viel, viel mehr in diesen Seiten steckt.... ich habe sehr viel Persönliches entdeckt, Berührendes, Aufschlussreiches.... und sehr oft hatte ich auch beim Lesen das Gefühl, mich selbst in so machen Dingen wieder zu finden... oft gab es einen AHA-Effekt.... vieles ermöglicht einen anderen und vorallem neuen Blickwinkel....
 
Besonders stolz bin ich auch auf die sehr pesönlich Widmung in meinem Exemplar.
Kein knappes "für Claudia"... oder gar nur die simple Signatur des Autor´s, wie ich es schon mehrmals erlebt haben... nein, Claudia Stöckel war und ist anders... hat sich Zeit genommen, für jeden Gast.... hat mit ihm geplaudert, im Fragen gestellt.... und aus dieser "Begegnung" und ihren Eindrücken dann ein paar Zeilen zu Papier gebracht. Ein sehr schöner Zug, wie ich findet... der auch zeigt, dass es hier nicht nur darum geht, die Werbetrommel für Buch und Sendung zu rühren....
 
Zitate aus diesem Buch zu finden fällt mir schwer... nicht, weil es so wenige geben würde, nein... weil es so viele sind. Weil es oft ganze Abschnitte sind, die einem zum Nachdenken bringen.....

"Sie kam und ging nicht mehr weg", warf der Burgtheaterchef in mein Gästebuch nach unserem Interview, das gleich zu Beginn zu scheitern gedroht hatte.

Seitenangabe für Zitat1: 
13

Arno Geiger: "Die Liebe zur Sprache hatte ich einfach. Dafür braucht man keine Bücher. Nur Ohren. Das ist angeboren. Diese Liebe ist angeboren."

Seitenangabe für Zitat2: 
127

Villazòn: Im Leben geht es nicht darum glücklich zu sein. Es geht darum, Intensität zu finden. Ich möchte leben um lebendig zu sein. Und was heißt das? Machmal ist man traurig. Machmmal glücklich. Machmal ist es langweilig. Machmal hat man Top-Energie. Manchmal ist es still. Aber alles ist ein Teil vom Leben. So ist auch die Traurigkeit ein Teil vom Weg.

Seitenangabe für Zitat3: 
153
Verlag: 
Ecowin Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-7110-0015-6

Kommentare

... das wird dir sicher gefallen.... ich hab aus diesem Buch und auch aus der Begegnung mit Claudia Stöckl sehr viel für mich selbst mitnehmen können.

Interview mit Philosoph Richard David Precht... der die Liebe als "unordentliches Gefühl" philosophisch-wissenschaftlich aufbereitet hat...Die Unordnung in der Liebe besteht darin, dass wir von einem Partner erwarten, dass er uns ein Maximum an Erregung und Aufregung beschert und auf der anderen Seite der Mensch ist, dem wir vertrauen können, bei dem wir Sicherheit , Zufriedenheit, Geborgenheit finden.... wir erwarten von der romantischen Liebe das zusammenbringen von zwei Zuständen, die im Gehirn eigentlich nicht auftreten können, außer aufgrund der stärksten körpereigenen Droge, über die wir verfügen. Das ist unter anderem der Stoff Phenylethylamin. Unter Phenylethylamin können Sie es schaffen, Dopamin und Serotonin parallel hochzuhalten. Diesen biochemischen Ausnahmezustand nennen wir Verliebtheit. Der kann wochenlang andauern, maximal aber 3 Jahre. Dann ist das Phenylethylamin abgebaut. Dann ist also Schluss.

 Noch nie in der Geschichte hat eine Gesellschaft so viel Geschiss um die romantische Liebe gemacht. Noch nie hat eine Gesellschaft so viel Sinnerfüllung von der Liebe erwartet. Noch nie hat eine Gesellschaft die romantische Liebe als Ersatz für Religion betrachtet, als sinnstiftende Funktion wie heute. Das produziert eine ganze Menge Blödsinn und falsche Lebenserwartungen.

Nicht immer den anderen so haben wollen, wie man ihn möchte, sondern für das lieben, was er wirklich ist. Und mit welchem Recht wollen wir andere ummodeln nach unserem Ebenbild, wenn uns unser eigenes Ebenbild, in dem wir drinnen stecken, oft so tragisch erscheint? Auf diesen Säulen ruht das, was man an guten Tagen ein glückliches Leben nennt.

Ja, WARUM.... das ist die Frage.... der Mensch ist wohl immer auf der Suche... will immer mehr und mehr... immer Besseres.... sucht immer das Perfekte (vorallem was Partnerschaften angeht, aber natürlich auch in anderen Bereichen...).... muss sich immer wieder bestätigt sehen in seinem Tun und Denken....Zufriedenheit  und Gelassenheit fällt wohl sehr schwer, das liegt anscheinend in unserer Natur.... und genau damit machen wir`s uns wohl auch oft viel schwere, als es sein müsste....
Warum auch versuchen einen Menschen umzumodeln??? Möchte man selbst umgemodelt werden??? Wohl kaum.... also warum versuchen wir es immer und immer wieder bei anderen....???? Und was bleibt, wenn man dann so einen umgemodelten Menschen an seiner Seite hat.....????
Fragen über Fragen.... die wohl zum Teil unbeantwortet bleiben werden...
 
Mir hat dieser Satz bzw. diese Ausage von Heller auf jeden Fall sehr gut gefallen.... denn auch, wenn man immer wieder unbewusst in den alten Trott des Denken´s und Handeln`s zurückfällt.... man kann sich das vor Augen halten, sich selbst bei der Nase nehmen und wieder ein Stück auf den richtigen Weg bringen....