Erbarmen

Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?« Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten. Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?

Meine Gedanken zum Buch: 

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Ereignisse werden langsam mit Rückblicken aufgebaut, bis dann ein Gesamtbild entsteht. Solider Thriller!

Zitate: 

"Wir erhöhen lediglich den Luftdruck in deiner Kammer auf zwei bar Überdruck. Dann müssen wir sehen, ob du in einem Jahr schlauer bist. Wir wissen nicht genau, welchen maximalen Luftdruck der menschliche Organismus aushält. Aber das finden wir mit der Zeit schon gemeinsam heraus."

Seite 104

~~Heute war der 4. April 2007. Ihr blieben noch vierunddreißig Tage zu leben, aber sie wollte sich fünf Tage vorher am 10. Mai das Leben nehmen.

Seite 360
Verlag: 
Deutscher Taschenbuch Verlag
Erscheinungsjahr: 
2011
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
9783423247511

Kommentare

Dieses Buch hat mich sehr gefesselt... Gut war, dass nicht die Situation von Merete in ihrem Verließ nicht bis ins kleinste Detail beschrieben wurde. (Das was erzählt wird, reicht aber schon zur Genüge...). Das Hauptaugenmerk liegt in den Ermittlungen, die sehr spannend dargestellt werden.
 
Besonders gefallen hat mir allerdings das Verhältnis zwischen Carl - dem Kommissar, der nach einem Unfall einfach seine Zeit in seinem Büro absitzen möchte und keine Lust mehr auf Ermittlungen hat - und Assad - ein politischer Flüchtling aus Syrien, der Carl als übereifriger Assistent aufgezwungen wird. Assad spricht auch nicht ganz so perfekt deutsch (ja okay, eigentlich dänisch) und so ergibt sich so manch komische Situation:
 
z.B. Seite 129: "Wie geht's?", fragte Carl Assad und wunderte sich über die Stapel von Fotokopien, die ordentlich an der Wand aufgereiht bis zur Treppe lagen. Bestand die Akte wirklich aus so vielen Teilen?
"Ja also, tut mir leid, Carl, dass es so lange dauert. Aber das sind die Zeitungen, also die sind am schlimmsten."
Carl blickte noch einmal auf die Stöße. "Kopierst du die ganze Zeitschrift?"
Assad neigte den Kopf auf die Seite wie ein kleiner Welpe, der überlegt, ob er wegrennen soll. Ach du meine Güte.
"Hör mal. Du musst nur die Seiten kopieren, die mit dem Fall zu tun haben, Assad. Ich glaube, Hardy ist es scheißegal, welcher Prinz auf der Jagd in Hinterposemuckel wie viele Fasane geschossen hat. Alles klar?"
"Hinterposemuckel?"
"Vergiss es, Assad. Konzentrier dich einfach auf den Fall und wirf die Seiten weg, die nicht relevant sind. Du hast einen super Job gemacht."
 
Oder Seite 140: "Hardy! Assad, ich fragte nach Hardy! Was hat er gesagt? Hast du ihm aus der Akte vorgelesen?"
"Ja. Zwei und eine halbe Stunde. Dann ist er eingeschlafen."
"Und?"
"Na ja, dann schlief er."
Carl schickte eine Nachricht vom Gehirn an seine Hände, dass es trotz allem nicht legal sei, den Würgegriff anzuwenden.

Jetzt muss ich auch wieder schmunzeln. Ich hab das Buch in ca. 2,5 Tagen gelesen, ich konnt es nicht weglegen. Die Situation ist echt furchtbar...es reicht wirklich, das was beschrieben wird.

Wenn Dir das Buch gefallen hat, dann könnte Kind 44 auch etwas für Dich sein, ich habe es schon vorgestellt. Ist auch super spannend, schnell geschrieben und ich muss sagen, teilweise muss man echt "Augen zu und durch"...aber es lohnt sich.

Und wieder gibt es einen neuen Ermittler auf dem Thrillermarkt: Carl Morck.
 
Mit seinem ersten Roman "Erbarmen" startet Jussi Adler-Olsen die neue Reihe rund um das Sonderdezernat Q. Carl Morck ist eine etwas eigenwillige Persönlichkeit... man braucht etwas, um mit ihm warm zu werden. Er wirkt auf mich ein wenig gewöhnungsbedürftig, mit seinem oft eigenwilligen Humor und der schroffen Art. Es ist nicht Sypmathie auf den ersten Blick.... mit dem ihm zugeteilten Gehilfen Assad kommt allerdings Schwung in die ganze Sache. Bis zum Schluss wird man nicht ganz schlau aus diesem Mann (eine Sache, die vermtulich erst in den nächsten Bände Stück für Stück ans Tageslicht dringen wird) und trotzdem ergänzen sich die beiden perfekt und werden schnell zu einer Einheit.
 
Auf den insgesamt 419 Seiten fehlte mir allerdings oft die erhoffte Extraportion Spannung. Nicht, dass es hier eine Flaute nach der anderen gäbe. Der Roman liest sich durchgehen flüssig, aber ich für meinen Teil hätte mir ein bisschen mehr Nervenkitzel gewünscht. Die Handlung wechselt von Kapitel zu Kapitel zwischen dem aktuellen Ermittlungsstand Carl Morck`s und der Rückblende ab dem Zeitpunkt der Entführung von Merete Lynggaard.
 
Das, was dieser Frau widerfährt ist natürlich unfassbar und geht ganz schön unter die Haut. Über Jahre hin gefangen zu sein in einem Verlies, nicht zu wissen warum und wie lange..... hilflos ausgesetzt den abartigen Plänen psychisch kranker Menschen.... die Vorstellung allein schon ein Horror..... man kann nur hoffen, dass solche Geschichten wirklich nur auf Papier passieren.... oft fragt man sich ja, wie sinnvoll es  in der heutigen Zeit wirklich ist, solche Dinge/"Ideen" in Buchform bzw. auch in Filmform an den Mann bzw, an die Frau zu bringen.....

Claudia, mir ging's da wie Dir. Die Spannung fehlte mir von Anfang an. Klar, die Beschreibung von Meretes Situation hat mir schon die Gänsehaut über den Rücken gejagt, aber es war ziemlich bald klar für mich, worauf das alles hinausläuft, und ich bin sonst nicht die Blitzgneisserin, die immer gleich weiß, wer's war.
Die Geschichte mir Moerck und seinen Kollegen hat was Berührendes, die setzt sich übrigens auch im nächsten Buch fort, es tauchen neue Aspekte auf, und auch in "Schändung" wird der Fall nicht gelöst, da kommt sicher noch was auf uns zu.
 
Und weißt Du was, ich glaube, die schlimmsten Geschichten schreibt immer das Leben selbst. Die Menschen, die anderen sowas antun, brauchen keine Krimiautoren, die sich das für sie einfallen lassen, eher ist es umgekehrt, kommt mir oft vor. Glaubst, der Herr Fritzl hat Adler Olsen gelesen? Und das Matyrium seiner Tochter war sicher genauso schlimm.
 
Alles in allem finde ich, dass "Erbarmen" ein guter Einstieg in eine Serie ist, von der man sich noch was erwarten kann. Jetzt, da ich "Schändung" auch schon gelesen habe, kann ich sagen, dass meine Erwartungen nicht enttäuscht wurden, es geht bergauf. Sowohl mit der Entwicklung der Figuren als auch der Handlung an sich. Also dranbleiben und weiterlesen!
 
 

na ja... natürlich wird nich jeder automatisch  zum Täter, der solche Romane liest...... das ist mal klar.... aber ich frage mich einfach, was solche Geschichten aus Menschen machen, die sowieso schon so eine Veranlagung haben..... wie sie damit umgehen können......
Ich hab ja auch schon mehr in dieser Richtung gelesen, aber grad im Fall dieses Roman´s ist mir das in den Sinn gekommen. Wahrscheinlich halt auch, weil das ja grad ein sehr aktuelles Thema ist.
 
Ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt, aber wenn man bedenkt wie zB Kinder durch gewalttätige Videospiele geprägt werden....wie diese abfärben und leiten....das ganze Verhalten ändert sich..... und wenn ich mir dann zB einen labilen Jugendlichen vorstell, der nur solche Bücher liest... na ja... ist ja nur so ein Gedanke.
 
Ich finde einfach, dass man mit solchen Romanen "vorsichtig" umgehen sollte.