Emoticon

24416.jpg›Emoticon‹ handelt von der komplizierten Freundschaft zweier Frauen: Ester und Lola, die ein halbes Leben lang alles miteinander geteilt haben – die Liebe, die Männer, die Eifersucht, das Mißtrauen, die Neugier auf Israel, die Liebe zu einem Kind namens Daniel, Lolas Kind. ›Emoticon‹ ist die Geschichte dieses Daniel, der zum Jugendlichen heranwächst, sich von seiner ersten großen Liebe enttäuscht fühlt, der vor allem aber eine Sehnsucht hat: seinen Vater, einen Israeli, kennenzulernen, was die Mutter ihm bislang verwehrt hat. In zweiter – hart kontrastierender – Linie ist der Roman zugleich die Geschichte von Aischa, einer Palästinenserin und radikalen Aktivistin Mitte zwanzig aus Ramallah, die die Verzweiflung über die Misere ihres Volkes zum Äußersten treibt. Sie möchte für die Weltöffentlichkeit ein Zeichen setzen, und das Schicksal spielt ihr die Gelegenheit dazu in die Hände: Aischa lockt einen niederländisch-israelischen Jungen – Daniel! – in eine tödliche Falle. Ihr Lockmittel: das Internet und seine Zeichensprache, die Emoticons. Der Roman handelt last, not least von einem faszinierenden, vitalen, zerrissenen Land, das nicht zur Ruhe kommen kann. Er besticht durch seine komplexe und dennoch atemberaubende Dramaturgie, die den Leser bis zur letzten Seite in Hochspannung hält.

Meine Gedanken zum Buch: 

Beeindruckend fand ich die sensible Zeichnung der einzelnen Charaktere: Gefühle und Gedanken der jeweiligen Person wurden im Hinblick auf deren Umgebung gut nachvollziehbar dargestellt.
Trotz Hochspannung bis zum Ende hat es die Autorin nicht geschafft oder vielleicht auch nicht beabsichtigt, näher in den eigentlichen Konflikt in Israel einzudringen. Man ist immer außen vor, genau wie sie es der Weltöffent-lichkeit im Buch zum Vorwurf macht. Etwas mehr Tiefe hätte nicht geschadet.
Dennoch geht dieses Buch unter die Haut, es ist gefühlvoll, aufwühlend und stimmt nachdenklich. 

Gesehen und bemerkt zu werden war wunderbar, und zugleich hatte es etwas Unheimliches, wie zu fallen.

Seitenangabe für Zitat1: 
45

Schreiend zu Boden zu sinken, um von einer Vater- oder Mutterfigur resolut aufgehoben und ins Bett gesteckt zu werden - das wünschte sie sich jetzt. Daß alles wieder gut wäre.

Seitenangabe für Zitat2: 
70

Eine solche Wut zu hegen, war nicht schwer wenn man sah, wie alles immer mehr verkam, aber Aischa hatte schon, wie auch jetzt wieder, gemerkt, wie leicht man nachließ, wie man sich an alles gewöhnte, wie man sich, wenn man nicht aufpaßte, der Langeweile und dem Alltagstrott ergab und Trost in dummem Geschwätz mit Leidensgenossen suchte.

Seitenangabe für Zitat3: 
86
Verlag: 
Diogenes
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 9783257065152 / ISBN-10: 3257065159