Elf Minuten

Als junges Mädchen verlässt Maria ihr Dorf in Brasilien, um nach Rio de Janeiro zu gehen. Sie will Abenteuer, Geld und Ruhm - und einen Mann fürs Leben. Durch eine Modelagentur gerät sie an einen Mann, der sie mit nach Europa nimmt, wo sie in einem Nachtclub landet und als Prostituierte zu arbeiten beginnt. Lange Monate verkauft sie ihren Körper, ohne groß nachzudenken; sie gewinnt hauptsächlich die Erkenntnis, dass ein durchschnittlicher Geschlechtsakt elf Minuten dauert. Sie hortet das Geld, das sie verdient, da ihr Traum darin besteht, mit vollen Taschen nach Hause zurückzukehren und sich und ihren Eltern eine Farm zu kaufen. Bis sie in einem Café einen Mann kennenlernt und sich in ihn verliebt. Maria spürt, dass sie Seelenverwandte sind. Gleichzeitig gerät sie an einen "besonderen Freier", der ihre sado-masochistische Seite weckt und sie zu neuer Lust treibt. Maria erfährt, dass Liebe und Lust zwei verschiedene Dinge sind.

Meine Gedanken zum Buch: 

Obwohl ein sehr "schlüpfriges" Thema, wird es von Coelho absolut souverän behandelt. Nie rutscht er "unter die Gürtlelinie" und wenn dann sehr stilvoll.
Ausserdem eine sehr schöne Liebesgeschichte und natürlich tragisch *seufz*
 

Ich erinnere mich an alles, nur nicht an den Augenblick, in dem ich die Entscheidung getroffen habe. Merkwürdigerweise habe ich überhaupt keine Schuldgefühle.Früher hielt ich die Mädchen, die für Geld mit jemandem ins Bett gehen, für Frauen, denen das Leben keine andere Wahl gelassen hat- und jetzt sehe ich, dass das nicht stimmt. Ich hätte nein sagen können, keiner hat mich gezwungen.

Kommentare

"Es war einmal....." so wie es sich für alle Märchen gehört, beginnt auch Coelho seine Erzählung mit diesen vielversprechenden Worten und man wird nicht enttäuscht. Man taucht ein in eine Welt voll von Hoffnung, Gefühl, Liebe aber auch Tabus, Abgründen, Leere....
Was mir immer wieder auf`s Neue an seinen Büchern gefällt,  ist sein Feingefühl für Sprache und Handlung/Thema. Selbst hier - Sex, Geld, Prostitution, Menschen am Rande der Gesellschaft... - geht er mit enorm viel Sensibilität ans Werk, einfach toll.
 
Besonders gut hat mir auch seine Schlussbemerkung gefallen: "Einige Bücher bringen uns zum Träumen, andere führen uns zur Realität, aber mit keinem Buch darf der Autor aufgeben, was ihm am wichtigsten ist: die Aufrichtigkeit, mit der er schreibt."
 

Coelho ist ein so feinfühliger Schreiber, dass alles in die Tiefe geht und nicht falsch verstanden wird. Bin schon fast eine Bewunderin...