Eines Menschen Herz

Eines_Menschen_Herz.jpgLogan Mountstuart ist Schriftsteller, Kunsthändler, Spion und mehr, geboren 1906 in Uruguay, gestorben 1991 in Frankreich, ein Mann mit vielen Talenten, aber auch mit vielen Schwächen: Anfang Zwanzig brilliert er mit einer Shelley-Biografie, heiratet eine adelige Lady, später trifft er auf Berühmtheiten wie Evelyn Waugh und Virginia Woolfe. Er lernt in Paris Hemmingway und Picasso kennen und kauft billige Gemälde von Unbekannten: Paul Klee und Juan Gris.Er arbeitet für Ian Flemming und landet im Gefängnis in der Schweiz. Schließlich geht er nach Frankreich und wird als alter Mann beinahe glücklich.

Meine Gedanken zum Buch: 

Am Anfang habe ich mir sehr schwer getan in die Geschichte hineinzufinden. William Boyd hat alles in Tagebuchform verfasst. Es wird das Leben eines Mannes beschrieben, der viele Schicksalsschläge hinnehmen muss, aber sich dazwischen immer wieder aufrichtet und Erfolge (vor allem als Kunsthändler) hat. Zum Schluss war ich dann doch von der Geschichte gefesselt und fragte mich immer wieder. "Gab es diesen Logan Mounstuart nun wirklich oder ist die ganze Geschichte erfunden?" Die Personen, mit denen er zu tun hatte, sind großteils real.

Behutsam und ohne Hast mache ich Freya den Hof. Ich plane unsere Treffen sorgfältig, lasse ausreichend Zeit verstreichen, nehme nichts für selbstverständlich. Sie geht gern essen und trinkt genauso viel wie ich. Meine Stammlokale meide ich - also kein Ivy, kein Cafe Royale, kein Previtali-, weil ich kein Gerede will. Wir gehen ins Kino, besuchen Gemäldegallerien, Theater und Ballett. Letzte Woche vor dem Theater nahmen wir einen Drink in der Draycott Avenue, und sie bewunderte die Wohnung. Es gibt einen "jungen Mann" bei der BBC, der sich für sie interessiert, aber der ist, glaube ich, keine Konkurrenz.

Seitenangabe für Zitat1: 
167

Ich verfiel in eine Apathie, die mir mein Dasein erträglich machte - ein Zustand, den, wie ich glaube, alle Gefangenen durchleben; der Geist unterwirft sich der täglichen Routine. Ich wusste nicht, wo ich war, weshalb ich festgehalten wurde (vermutete lediglich Spionage) oder was sich die Schweizer von meiner kostspieligen Inhaftierung versprachen.

Seitenangabe für Zitat2: 
277

Ein gutes Buch, eine Hängematte und eine gut gekühlte beperlte Flasche blanc sec. Ein derber Rotwein und steak frites. Die Kühle meines abgedunkelten Schlafzimmers und - wenn ich zu Bett gehe - die Aussicht, dass mir all das auch morgen noch unverändert zur Verfügung steht.

Seitenangabe für Zitat3: 
487
Verlag: 
Berliner Taschenbuch Verlags GmbH
Auflage: 
1.Auflage
ISBN: 
978 3 8333 0508 5