Eine Zeit ohne Tod

Eine_Zeit_ohne_Tod.gifEs ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Da geschieht, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Eines Tages findet der Direktor des nationalen Fernsehens einen Brief auf dem Tisch, über dessen Erhalt er umgehend den Ministerpräsidenten in Kenntnis setzt. Der Brief stammt vom Tod …

Meine Gedanken zum Buch: 

Und was wäre wenn plötzlich keiner mehr stirbt??
Ein guter und vorallem auch interessanter Einfall für einen Roman... eine ebenso gute Ausgangsposition, die dem Autor viele Möglichkeiten offen lässt.... die Umsetzung ist dann wieder eine andere Sache...
Beim zweiten Anlauf ist es mir schließlich gelungen, dieses Buch zu Ende zu lesen. Der Anfang beginnt inhaltlich recht vielversprechend, obwohl mir Saramagos Schreibstil schon von Beginn an so einige Probleme bereitet hat. Seine Art zu Schreiben ist teils sehr holprig, teils viel zu ausschweifend. Dieses Buch verlanget  von mir volle Konzentration, ohne die ging garnichts. Erschwert wurde das Lesen auch durch den etwas eigenwilligen Aufbau: teils wirklich endlose Sätze, keine Absätze, kaum Satzzeichen (nichtmal zwischen den Dialogen).... man könnte fast sagen, ich musste mit der Zeit erst lernen, dieses Buch zu lesen....
 
Inhaltlich oft zu ausführlich und eigenwillig, wirft Saramago trotzdem recht interessante Fragen für den Leser auf. "Eine Zeit ohne Tod".... auf den ersten Blick doch etwas Wunderbares.... doch was kann passieren, wenn der Lauf des Lebens so apprupt  unterbrochen wird. Keine Tod... keine Wiederauferstehung...kein Mensch stirbt... doch altern alle weiter.... und was passiert, wenn der Tod selbst, an seinem Handwerk zu zweifeln beginnt.... wenn er selbst einem Menschen, für den das Leben eigentlich schon abgelaufen wäre, plötzlich Gefühle entgegenbringt und dadurch "seiner Arbeit" nicht mehr nachgehen kann....
 
Dieser Roman hat mich oft an meine Grenzen gebracht und ich war nicht nur einmal kurz davor ihn wieder aus der Hand zu legen. Teils fassungslos, teils richtig genervt... ABER was ich Saramago zu Gute halten muss. Den Schluss hat er sehr gekonnt gewählt und ich habe meine Meinung auf den letzten paar Seiten noch ein wenig geändert Smile

Die Religionen haben, wie immer man es dreht und wendet, allesamt keine andere Daseinsberechtigung als den Tod, sie brauchen ihn wie das Wasser zum Leben.

Seitenangabe für Zitat1: 
40

So ist das Leben, es gibt mit der einen Hand, bis der Tag kommt, an dem es mit der anderen alles wieder wegnimmt.

Seitenangabe für Zitat2: 
46

Er ist nicht der einzige Musiker, dem ihre Anwesenheit auffällt. Zum einen, weil sie diese Loge allein belegt, was zwar nicht ganz selten, aber auch nicht allzu häufig vorkommt, zum anderen, weil sie schön ist, vielleicht nicht die Schönste unter den weiblichen Zuhörerinnen, doch auf unbeschreibliche, besondere, nicht in Worte  zu fassende Weise schön, wie ein Vers, dessen letzer Sinn, falls es so etwas bei einem Vers überhaupt gibt, seinem Übersetzer stets aufs Neue entgleitet.

Seitenangabe für Zitat3: 
231
Verlag: 
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
978 3 499 24342 4

Kommentare

Es gibt Schwächen, die Anerkennung verdienen oder zumindest bemerkenswert sind, aber Dummheit ist lächerlich, Hochmut ist lächerlich, und ich habe mich lächerlich gemacht.