ENGEL MORDEN EINSAM

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Der Fund einer toten Nachbarin führt Katrin Hauser nach Brünn und auf die Spur eines Vereins illegaler Pflegehilfe. Werden Sterbehilfe und Mord verwechselt? Katrin Hauser, Immobilienmaklerin in Karenz, lebt in ihrer Familienidylle in Graz. Einziger Wermutstropfen: Die nervige Nachbarin. Als diese tot aufgefunden wird, findet Katrin in deren Wohnung einen mysteriösen Zettel mit Familiennamen und sich selbst als Hauptverdächtige wieder. Auf eigene Faust verfolgt sie die Spur der Namen und gelangt über Wien nach Brünn zu einem Verein, der tschechische Pflegerinnen an österreichische Familien und deren Pflegefälle vermittelt. Wie illegal und tödlich diese arbeiten, wird Katrin bald schmerzhaft bewusst...

Meine Gedanken zum Buch: 

Die Autorin - Irmgard Barta - macht uns mit einer Siedlungsgemeinschaft am noblen Ruckerlberg bekannt, wo man als Leser glaubt, die pure Grazer Idylle vorzufinden Leider ist dem nach ein paar Seiten nicht mehr so. Ein Mord passiert: Monika Wachter wird ermordet und die schöne Fassade beginnt zu bröckeln...
Viele Dinge gehen einem durch den Kopf beim Lesen dieses Krimis: Warum nehmen so viele Österreicher/innen diese illegalen Pflegerinnen in Anspruch? Können sie  es mit ihrem Gewissen vereinbaren? Warum nehmen es Menschen aus der Österreichsichen High-Society oder namahfte und bekannte Österreicher/innen in Anspruch? Warum will man für Qualität nicht bezahlen? Warum wird diesen Menschen nicht in Österreich verboten zu arbeiten, wenn sie keine gesetzlich anerkannte Ausbildung haben?                                                        Oder hat es damit etwas zu tun, da Pflege ein Teil des  Sozialbereiches ist?  Da viele Menschen noch immer glauben, wenn man im Sozialbereich arbeitet, macht man es aus Nächstenlibe, Liebe zum Menschen, aus Freude zum Beruf usw und (fast) gratis...                                                                                                                          Wissen diese Menschen, die diese illegalen Pflegerinnen beschäftigen, was pflegen bedeutet wie schwer Pflege ist? (!!Burn-Out, Helfersyndrom, Supervision!!) Kinästhetik, Pflege nach Bobath und basaler Stimulation, Validation. Im Sozialbereich und auch in der Pflege wird hoch wissenschaftlich gearbeitet und z.B.: eine Waschung eines Menschen sicher nicht "wischi - waschi" durchgeführt. Seit mehreren Jahren kann man Pflegewissenschaften studieren.
Die Autorin hat ein heißes Thema in einen spannend, sich fließerisch lesenden Kriminalroman verpackt.

>>Es begann als Kribbeln in Katrins Bauch, ein unangenehmes Kribbeln, das sich wie eine böse Vorahnung langsam in ihrem Körper ausbreitete. Sie drängte dieses unheimliche Gefühl zur Seite. Es lag wohl daran, dass ihr Mann Julius für vier Tage nach München fahren würde und sie das erste Mal ganz allein mit ihren beiden Söhnen zu Hause blieb<<

Seitenangabe für Zitat1: 
5

>>Pfusch im Pflegeberich.                                                                                                       Immer mehr junge Frauen aus Tschechien und der Slowakei werden in Bussen nach Österreich zu Familien befördert, um rund um die Uhr alte und kranke Menschen zu pflegen. Ohne Aufenthaltsgenehmigung, ohne Arbeitsbewilligung. Oft ohne nötige Ausbildung.                                                                                                         In einer Schwerpunktaktion mit der Wiener Polizei wurden zum Beispiel in Wien in kürzester Zeit knapp hundert Fälle von Schwarzarbeit aufgedeckt. Das Problem: Diese billigen Pflegediesnte werden hauptsächlich von Personen des öffentlichen Lebens in Anspruch genommen.<<

Seitenangabe für Zitat2: 
69

>> "Nur weil sie in ihrer Heimat weniger verdienen würde, bedeutet das ja nicht, dass ihre Arbeit bei uns weniger wert ist"                                                                     "Das hat Teresa auch gesagt. Sie nennt dieses System Pflegeprostitution"               "Pflegeprostitution? Gar kein schlechter Ausdruck. Muss ich mir merken"             "Warum unternimmt eigentlich die Polititk nichts gegen diese organisierte Schwarzarbeit?"                                                                                                                 "Dazu müsste diese Form der Versorgung öffentlich als Problem erkannt und praktikable Lösungen gefunden werden. Also wird es geduldet. Um das zu verstehen, brauchen Sie wieder nur nachzurechnen: In Österreich gibt es geschätzte vierzigtasuend illegal arbeitende Schwestern, die von sechs verschiedenen Vereinen vermittelt werden"                                                                    "Vierzigtausend?"                                                                                                                 "Genau. Eine Institution tut etwas dagegen. Das Finanzamt. Die haben eine eigene Meldestelle eingerichtet, dei der Familien angezeigt werden könne, die diese Schwarzarbeit in Anspruch nehmen. Für die Betroffenen, die diese Schwarzarbeit in Anspruch nehmen. Für die Betroffenen, die erwischt werden, wird das dann teuer. Sehr teuer. Neben der Strafe müsen sie alle nicht einbezahlten Beträge für Sozialversicherung, Beiträge für Steuern zahlen." Frau Erker biss genießerisch in ihr Schinkenbrötchen.                                                                                                        Katrin speilte nachdenklich mit dem Kaffeelöffel in ihrer Tasse.                                 "Aber erzählen Sie mir doch bitte, warum Sie das so interessiert. Sie kommen ja nicht aus dem Gesundheitswesen."                                                                            "Nein, komme ich nicht. Ich bin Immobilienhändlerin, derzeit in Karenz . Mit alten und kranken Leuten hab ich noch nichts zu tun gehabt. Aber vor kurzem hab ich einen Zettel gefunden, auf dem die Namen von tschechischen Schwestern und den dazugehörigen Patienten stehen. Der Zettel hat vermutlich der Prokuristin eines Sanatoriums gehört. Jetzt will ich wissen, was sie damit zu tun gehabt hat. Aus persönlichen Gründen."                                                                                                   "Das kann gefährlich werden."<<

Seitenangabe für Zitat3: 
78
Verlag: 
Milena Verlag
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978 3 85286 157 9