Digitalis Purpurea

Digitalis Purpurea, der Rote Fingerhut, wächst in dichten Teppichen in Melanies Garten. Alles scheint zu blühen und zu gedeihen unter ihren Händen. Aber Digitalis ist ein Herzgift. Und das Idyll täuscht. Die Kinder werden erwachsen, der Ehemann wird zusehends ein Fremder, die Fassade verbirgt ihre Sprünge hinter Efeu und wildem Wein. Über manche Dinge wächst in der Stadt mit brauner Vergangenheit einfach kein Gras... (Auszug aus dem Klappentext.)

Meine Gedanken zum Buch: 

Melanie geht auf in der Rolle als fünffache Mutter, pflegt ihre Schwiegermutter. Interessant ist, dass die Geschichte aus der Sicht Melanies, später aber auch aus der Sicht Sophias, ihrer Schwiegermutter, erzählt wird. Melanie lebt fürs Haus, für den Garten, versorgt alles und alle. Durch die Ankunft einer alten Bekannten und durch das Kennenlernen eines Juden, dessen Vater wahrscheinlich durch Versuche eines Arztes ums Leben kam, gerät alles aus den Fugen.
Interessant zu lesen; was mir besonders gefiel und was auch das Hausfrau-Sein der Protagonistin herausstreicht: Wenn ein Gericht oder ein Kuchen im Roman erwähnt wird, steht als Fußnote das Rezept dabei.

Melanie zum Beispiel. Sie kam ihr näher, je älter sie wurde. Zunehmend konnte sie ihre Schwiegertochter besser verstehen, mochte sie. Sie mußte sie freilich "sekkieren", täglich mehr sogar, das fiel ihr selber auf. Melanie provozierte sie, einfach durch ihr Dasein, ihre Art, Melanie zu sein.

Seitenangabe für Zitat1: 
38

Sie wußte sofort, beim ersten Blick in die Bücher, den sie getan hatte, mit fliegenden Händen, als Hans gerade beim Gauleiter vorgeladen war, daß sie höchst gefährliches Material vor sich hatte.

Seitenangabe für Zitat2: 
78
Verlag: 
Styria
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
3-222-12629-1

Kommentare

Ich habe mir das Buch gestern ausgeborgt, da ich deine Buchpatenschaft sehr interessant fand. Es ist mein erstes Buch von Andrea Wolfmayr und ich bin schon sehr gespannt, wie es mir gefällt. Das mit den Rezepten als Fußnote finde ich witzig.

Gestern in der früh hab ich es fertig gelesen. Bis zum Schluss hab ich irgendwie gehofft, die Familie wird wieder zusammenfinden und die schwierige Zeit überwinden (mein Harmoniebedürfniss!!!). Aber es gibt einen Punkt, wo Entscheidungen getroffen werden müssen, damit man (in diesem Fall Melanie) nicht ganz zu Grunde geht.
Als Leserin fand ich toll, dass mir viele Schauplätze der Geschichte bekannt sind und ich so immer ein realistisches Bild vor Augen hatte.

verlass mich nie!
 
Ich hätte mir am Anfang des Buches auch nicht gedacht, das sich die Geschichte so weiterentwickeln wird. Es beginnt doch recht "harmlos".

Ich finde, dass das ein sehr realistisches Buch ist - man kann sich sehr gut vorstellen, dass alles wirklich so geschieht, gerade weil es kein "Happyend" gibt (hat mich allerdings auch etwas traurig gestimmt - aber "that's life"...)
Für mich hat das Buch auch so etwas wie "Heimatgefühl" ausgelöst, weil ich einmal "um die Ecke" gewohnt habe. Das kommt ja auch nicht so oft vor...
Alles in allem ein tolles Buch, das ich nur weiterempfehlen kann!
 

Ein Gruß nach Ägypten!
 
Ein Reiz dieses Buches lag für mich auch darin, immer wieder bekannte Plätze zu finden: "Hier bin ich schon einmal gewesen!"
 
lg, Gabi
 

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, da mir die Schauplätze bekannt vorkommen. Weiß niemand mehr heimische-steirische Autoren/innen?
Am Anfang ist heile Familie, Freude, Wonne und Zuckerkuchen... Aber dieses Familienbild begionnt zu bröckeln und es wird die Fassade noch immer renoviert auch wenn die Mauern schon feucht sind.
Digitalis und Rezepte fand ich super!!!
Leider hat mich das Ende traurig gestimmt.

Auch wenn das Ende traurig stimmt, so ist es doch (leider) das am ehesten realistische. Ob bei dieser Geschichte ein Happy End überhaupt möglich wäre?
 
Die Idee mit den Rezepten fand ich auch gut. Erinnert mich gerade daran, dass ich das eine oder andere ausprobieren wollte.

Natürlich, das Buch ist sehr realistisch. Solche Familiensysteme oder -konstellation gibt es ganz häufig in der Steiermark. Egal ob jetzt in der Ober-, Süd- oder  Weststeiermark oder Graz. Überall findet man sie.

Ich mag die Schreibweise von Andrea Wolfmayr und hab auch - schon vor Jahren - Pechmarie gelesen. Digitalis Purpurea ist mir bei meinem Kairoaufenthalt  bei Heidi in die Hände gefallen und ich hab es in wenigen Tagen ausgelesen gehabt. Die vertraute Gegend mit den realistisch handelnden Personen haben mich gefesselt. Dass dann nach dem Zerfall der Familie Melanie vor einem Neubeginn steht, gibt Hoffnung - vielleicht auf ein weiteres Buch von Andrea Wolfmayr!
 

Habe vor kurzem "Pechmarie" gelesen, einfach toll! Da das Buch vor 20 Jahren erschien, kann man es leider in keiner Buchhandlung mehr kaufen. Hatte in meiner Bücherei Glück und bin auf diese Rarität gestoßen