Die vergitterte Welt: Mit 16 im Knast

25545874n.jpgÜberall waren immer Probleme und irgendwann waren es so viele, dass Juli sich nicht mehr zu helfen wusste - und zuschlug. Seitdem dreht sich die Gewaltspirale immer schneller und schneller. Juli schafft es nicht, sich daraus zu befreien und landet schließlich hinter Gittern. Dort ist es so erdrückend und einsam, dass Juli sich immer wieder fragt, ob es Menschen gibt, die trotz allem auf ihn warten?

Meine Gedanken zum Buch: 

Auch bei diesem Buch von Jana Frey habe ich nichts auszusetzen: Diesmal dreht sich alles um Patrick, auch Juli genannt, der von der Unterstützung seiner Familie nur träumen kann und durch falsche Freunde zur Kriminalität gedrängt wird. Als sich seine ärmliche Situation jedoch zum Guten wendet, steht schon das nächste Problem vor der Tür, welches prägend für Patricks Zukunft sein wird…
Wie immer überzeugt Frey durch ihre realistischen und gefühlvollen Erzählungen. Schonungslos und ehrlich berichtet sie über die schrecklichen Ereignisse, welche Patrick vor und in der Zeit des Jugendgefängnisaufenthalts durchmachen musste. Dieses Buch zeigt, wie man langsam und nichtsahnend in die Kriminalität hineinschlittert und danach mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen hat. Auch über Themen wie Alkohol, Gewalt und Probleme in der Familie wird nicht geschwiegen. Außerdem bekommt man als Leser das Gefühl vermittelt, nicht Patrick sei der Täter, da er wegen seiner ausweglosen Situation zu Hause, seinen Freunden, die ähnliche Probleme haben und durch Provokationen von Mitschülern zu den Verbrechen getrieben wird.
Da ich inzwischen schon ein richtiger Fan von Jana Frey und ihren Büchern mit wahren Geschichten bin, empfehle ich auch „Die vergitterte Welt“ weiter, da es ein sehr interessantes Thema anspricht und sich nicht scheut, die Wahrheit auszusprechen.

Überall waren immer Probleme. Meine Mutter war schrecklich dick, und sie schien immer schlechte Laune zu haben. Alles war ihr zu anstrengend und zu kompliziert. Meine halbe Kindheit über lag sie auf dem Sofa, aß Pralinen oder Schokoriegel und schaute fern. Zwischendurch weinte oder schimpfte oder schlief sie. Oder sie trank Sherry und Bier und Wein.
Mein Vater war auch ein Problem. Ein verschwundenes Problem, den er war spurlos verschwunden. Schon mein ganzes Leben lang.
Meine Schwester hatte auch eine Menge Probleme. Jahrelang hatten wir keinen Kontakt miteinander, denn sie wohnte eine lange Zeit bei Gunnar, ihrem Vater, und seiner neuen Frau.
Und dann war da noch Adam.
Und ich.
Ich hatte immer und überall Probleme. Schon solange ich zurückdenken kann, war alles kompliziert.

Seitenangabe für Zitat1: 
10

Draußen hatte es angefangen zu regnen, dünne Regentropfen prasselten gegen die Fensterschreibe und liefen in nassen, wackeligen Streifen daran hinunter. Fast sahen sie aus wie Tränen. Wie hypnotisiert starrte ich darauf, so lange, bis die Beamten mich am Arm rüttelten und mich zwangen, etwas über das zu sagen, was in der vergangenen Nacht geschehen war.

Seitenangabe für Zitat2: 
101

Wenn ich mich sehe,
erblicke ich eiskalten, unbarmherzigen Hass,
der sich wie ein Säurestrahl siedend heiß
durch meine dünne Hülle aus
Lebenswillen frisst.
 
Wenn ich nach außen schaue, sehe ich
Menschen, Ereignisse, Dinge, die auf mich
eindringen, aber im dichten Nebel
stecken bleiben.

Am Ende dieses Ganges ist eine Tür,
fest verschlossen von mir selber,
dahinter ich.
Wenn ich sie öffne, starrt mir
der Wahnsinn ins Gesicht.

Seitenangabe für Zitat3: 
144
Verlag: 
Loewe Verlag
Auflage: 
2. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3785565964 / ISBN-10: 3785565968