Die stummen Schreie

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Ruanda 1994: Der Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutu und der Tutsi eskaliert in einem Völkermord: Angehörige der Hutu-Mehrheit töten etwa 75 Prozent der Tutsi-Bevölkerung, insgesamt sterben zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen. Die fünfjährige Emma muss mit ansehen, wie ihr Dorf überfallen und ihre Mutter grausam ermordet wird. Allein und verängstigt mischt sie sich unter den Flüchtlingsstrom, bis sie bei einer alten Frau, einer Hutu, Zuflucht findet.Die Jahre vergehen, Emma wächst heran, verkauft Früchte auf dem Markt, hilft der alten Frau bei der Hausarbeit. So gut es geht, versucht Emma die schrecklichen Erinnerungen zu verdrängen, doch die Alpträume kehren immer wieder. Nur langsam erkennt Emma, dass sie ihrer Vergangenheit nicht entfliehen kann, sondern sich mit ihr auseinandersetzen muss. In klaren Worten erzählt Élisabeth Combres von der schmerzhaften Auseinandersetzung mit der Erinnerung aber auch von ihrer Überwindung und dem Aufbruch in ein neues Leben.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ich war sehr gespannt und neugierig, als ich anfing, das Buch "Die stummen Schreie" zu lesen, da es ein komplettes Gegenteil zu dem darstellt, was ich sonst immer lese. Das Thema Völkermord, dass in diesem Buch behandelt wird, war mir völlig neu, doch die Autorin beschreibt die Geschichte eines Mädchen, welches flüchten musste, als ihre Mutter von Hutus getötet wurde, sehr gut und überzeugend.
 
Ich hatte manchmal das Gefühl, die Autorin möchte Spannung aufbauen, was ihr leider nicht gelungen ist, jedoch beinhaltet dieses Buch eine sehr schöne Geschichte(abgesehen von den tragischen Ereignissen, die das Leben des Mädchens für immer prägen werden), die einen fesselt. Auch wenn durch die niedrige Seitenanzahl von nur knapp 130 Seiten keine große Vielseitigkeit in der Handlung aufkommen kann, fand ich trotzdem, dass Elisabeth Combres eine sehr tolle Geschichte geschaffen hat, die durch ihren tollen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt, weiter an Lob von mir gewinnt.
 
Es sind ungefähr zwei Seiten im Buch, wo der Völkermord ein bisschen beschrieben wird, jedoch konnte ich mir darunter nichts vorstellen, da diese Erklärung für Jugendliche zu kompliziert geschrieben ist.
 
Außerdem ist diese Geschichte sogar wirklich passiert, was mich sehr schockiert hat.
 
Abgesehen von dem unansprechenden Buchcover hat mir dieses Buch sehr gut gefallen, da alles wunderbar erzählt und beschrieben wurde. Es ist auf jeden Fall ein gutes Buch für Jugendliche, die es interessiert, welche Schicksale andere in ihrem Alter auf sich nehmen mussten.

Sie sind da.
Hinter der Tür.
Sie schreien, sie singen.
Sie stoßen und treten mit ihren Füßen.
Sie lachen.
Die Augen meiner Mutter
sind weit aufgerissen
vor Angst.
Gleich wird sie auf dem Boden liegen.
Gequält, blutend,
zerstückelt.
Dann endlich
erlöst
durch den
Tod.

Seitenangabe für Zitat1: 
9

Emma fiel die Zeichnung ein, die sie am selben Tag auf dem Schreibtisch des Mannes bemerkt hatte, als sie hergekommen war. Die Zeichnung lag jetzt nicht mehr dort, sondern war von ihm hastig in einer Schublade versteckt worden. Ein Mann war darauf zu sehen gewesen, statt eines Arms hatte er ein Gewehr und an seinem rechteckigen Oberkörper steckten zwei spitz zulaufende Stiefel. Er zielte auf ein Kind mit riesengroßen Augen in einem Gesicht, das keinen Mund hatte. Der Körper des Kindes war nur ein senkrechter Strich, ohne Arme und Beine, und aus dem Kopf spritzte eine Blutfontäne, die sich über das ganze Blatt ergoss. In Emmas Fantasie war das Blut noch weitergeströmt, bis auf den Schreibtisch, wo es dann über die Kante auf den Fußboden hinuntertropfte und dort eine purpurrote Lache bildete. Da packte sie die Stifte und versuchte ebenfalls, durch eine Zeichnung ihre Geschichte zu erzählen.

Seitenangabe für Zitat2: 
87
Verlag: 
Boje
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3414821195 / ISBN-10: 3414821192