Die sterblich Verliebten

Die_sterblich_Verliebten.jpgMadrid, ein Café: Jeden Morgen beobachtet María das perfekte Paar Luisa und Miguel. Sie ist gefangen von der zärtlichen Aufmerksamkeit der Liebenden. Doch dann geschieht etwas Schreckliches, und María gerät in einen Irrgarten aus Ahnungen und Verdächtigungen. Sie kennt die Liebe, sie kennt den Tod, aber kennt sie auch die Wahrheit?

Meine Gedanken zum Buch: 

Ein Lesemarathon der besonderen Art. Schwierig, anstrengend,  und doch auf eine gewisse Weise spannend und auch durchaus bereichernd. Die Geschichte an sich ist einfach erzählt, sie handelt von Liebe, Eifersucht und Tod. Das Wie und Was war fast naheliegend, somit gibt es da kaum Überraschungen. Was bleibt, ist der Zweifel ob das, was man María glauben macht, auch stimmt oder reiner Selbstzweck ist.
Aber die wahre Tiefe des Buches liegt in den vielen, ohne Absatz aneinandergereihten Gedanken zu so vielen wichtigen Themen des Lebens. Durch diese Endlosigkeit ist es mir echt schwergefallen, die wichtigen Sätze zu erkennen und herauszufiltern, immer wieder hab ich mich dabei erwischt, den Text nur mehr querzulesen. Schade eigentlich, aber man wird mit Worten überflutet, wie das normalerweise nur bei raschem Nachdenken der Fall ist. Und das ist es letztendlich auch, das Gedankenspiel von María und Javier, das einem hier ungefiltert vorgesetzt wird.
Es mangelt nicht an Emotion, manche Momente sind durchaus berührend. Vor allem natürlich die Beschreibung der trauernden Witwe Luisa, ihrer Einsamkeit und Hilflosigkeit. Auch Marías erfolglose Liebe hat mich nicht kalt gelassen, aber trotzdem gehen diese Emotionen unter in dem Wust von Hypothesen und Eventualitäten, die immer wieder von der eigentlichen Handlung abschweifen.
Für meinen Geschmack viel zu viel, ich hab mich total überfordert gefühlt und konnte somit auch der durchaus schönen Sprache und den brisanten Themen Liebe und Tod nichts mehr abgewinnen.
 
Ich kann mich gut daran erinnern, dass es mir mit Javier Marías erstem Bestseller "Mein Herz so weiß" genauso gegangen ist, aber der Klappentext war für mich einfach so verlockend, dass ich nicht widerstehen konnte. Jetzt weiß ich, dass das wohl mein letztes Buch von diesem Autor sein wird, sei er noch so erfolgreich. Mein Fall ist er leider nicht.

Auch das ist ein Nachteil, wemm man ein Unglück erleidet: Beim Betroffenen hält die Wirkung viel länger an als die Geduld derer, die gewillt sind, ihm zuzuhören und beizustehen, schnell versickert die Bereitschaft in der Eintönigkeit. So bleibt der Trauernde früher oder später allein, auch wenn sein Trauern noch nicht beendet ist, man gesteht ihm nicht zu, weiterhin von dem zu sprechen, was noch immer seine einzige Welt darstellt, denn diese Welt des Jammers wirkt unerträglich und schreckt ab.

Seitenangabe für Zitat1: 
82

Wenn jemand verliebt ist, vor allem eine Frau und zudem erst seit kurzem, die Verliebtheit also noch den Reiz der Offenbarung besitzt, können wir uns meist für jede Sache interessieren, die den interessiert oder die der uns erzählt, den wir lieben. Wir täuschen nicht nur vor, um zu gefallen, um zu erobern oder unseren prekären Platz zu behaupten, das zwar auch, sondern schenken ihm echte Aufmerksamkeit, lassen uns tatsächlich von allem anstecken, was er fühlen und vermitteln mag, von Begeisterung, Widerwillen, Sympathie, Furcht, Sorge, ja selbst von Besessenheit.

Seitenangabe für Zitat2: 
181
Verlag: 
S. Fischer Verlag
Auflage: 
1.Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3100478313