Die souveräne Leserin

Wer hätte gedacht, dass eine Liebeserklärung an die Queen und die Literatur so gut zusammenpassen? Die Hunde sind schuld. Beim Spaziergang mit der Queen rennen sie los, um den allwöchentlich in einem der Palasthöfe parkenden Bücherbus der Bezirksbibliothek anzukläffen. Ma'am ist zu gut erzogen, um sich nicht bei dem Bibliothekar zu entschuldigen, leiht sich ebenfalls aus Höflichkeit ein Buch aus - und kommt auf den Geschmack.

Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken.

Meine Gedanken zum Buch: 

Es ist herrlich, auf fiktive Art zu erfahren, wie eine ansonsten als unnahbare Persönlichkeit plötzlich sehr menschlich dargestellt wird.
In einer fahrbaren leihbibliothek mit Büchern konfrontiert, wird die Quenn langsam aber sicher zur Vileleserin und nervt ihre Umgebung mit der Frage: "Und was lesen Sie gerade?"
 
Die diplomatischen Verwicklungen, die dadurch entstehen und der Aufruhtr im Palast, weil sich die Queen nur noch um Bücher, nicht aber um ihre Arbeit kümmert - einfach herrlich.
Absolut lesenswert !!!

Verlag: 
Wagenbach
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
3-803-11254-0

Kommentare

Eine nette Unterhaltung für Freunde des britischen Humors, die auch etwas für englische Literatur und Lebensart übrig haben. Kurz und bündig präsentiert und Bennett ein Bild der Queen, wie wir sie wohl nie kennenlernen werden.

Aufgrund der überschwenglichen Kritiken und Rezensionen hatte ich mir allerdings etwas mehr Witz erwartet, ein paar Mal musste ich auch vor mich hin kichern, aber stellenweise hab ich die Seiten bis zum Schluss gezählt - ein Zeichen für beginnende Langeweile. Alles in allem eine nette Unterhaltung von 120 Seiten.

Hallo Tedesca,
man muss dieses kleine, feine Büchlein auf einen Sitz runterlesen, dann merkt man die Langeweile garnicht, weil das Buch gelesen ist, bevor diese überhaupt aufkommen kann. ;-)))
Nein, im Ernst, mir hat das Buch gefallen, aber es ist wie immer und auch Gott sei Dank, alles Geschmackssache.
 
Liebe Grüße
Lothar

Ich sag ja auch nicht, dass es mir garnicht gefallen hat, aber wahrscheinlich war auch die Erwartungshaltung wieder einmal zu groß, denn das Buch wurde ja allerseits über den grünen Klee gelobt.
Liebe Grüße,
tedesca

Also ich fand das Buch wirklich unglaublich schön. Ich hab es an einem kalten Winterabend in der heißen Badewanne in einem Rutsch durch gelesen (ja, in der Badewanne - ganz vorsichtig natürlich!)
Allerdings stand für micht nicht die Queen als Person im Vordergrund. Tenor des Buches war für mich, wie man - nicht nur die Queen - anfängt aus sich selbst heraus eine Leidenschaft zu entdecken und nicht mehr los zu lassen, wie man so eine schöne Sache wie das Lesen für sich entdeckt. Einerseits zu erkennen, was diese neue Leidenschaft mit einem macht, aber auch wie sie auf andere wirkt, wie andere mit der eigenen Verwandlung umgehen. Ob sie Verständnis haben, ob und wie sie sich dann in einen hineinversetzen können und das neue Ich verstehen.
Das Lesen hat - in diesem Fall die Queen - zu einem anders denkenden Menschen gemacht, sie hat sich weiter entwickelt, gelernt, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist, sondern dass sich auch etwas verändern kann. Und das kann jedem passieren, wenn man offen ist und manchmal auch neugierig und etwas Unvorhergesehenes tut (z. B. in eine fahrende Bibliothek zu schauen).
Mir schien es, wenn man nun mal doch bei der Queen bleibt, dass es für sie wie ein Erwachen war, eine Art Aufklärung nicht immer nur das zu tun, was von ihr erwartet wurde, sondern auch einmal nachzufragen, was sie da gerade tut und warum. Sie ist in diese Situation aufgrund ihrer Geburt geraten, aber das kann jedem einfachen Menschen genauso passieren, in eine Situation hinein geboren zu werden, in der alles schon für einen voraus geplant ist, in die man hineinwächst und die man dann einfach auch nicht mehr hinterfragt.
Toll war auch das Ende, der Schritt aus der Passivität in die Aktivität, das Schreiben. Die Entdeckung der eigenen Produktivität, das man selbst auch aktiv etwas beitragen kann, egal ob und von wem es bemerkt wird. Wie gesagt: für mich eine Art der bildhaften Darstellung von Aufklärung.
 
 

Du fasst das wirklich wunderbar zusammen, so hab ich es natürlich auch empfunden, nur hatte ich nicht die Zeit, alles in Worte zu fassen, was mir wohl auch nicht so gut gelungen wäre wie Dir. Aber ich hatte wahrscheinlich übertriebene Erwartungen an Stil und Witz, daher der kleine langweilige Beigeschmack.

Ich hatte das Buch ruckzuck durch, finde es aber nicht spannend.
Entweder war ich nicht in der passenden Stimmung oder das Buch ist wirklich nicht gut. Wobei das Buch sicher eher wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.