Die neuen Leiden des jungen W.

Der 17-jährige Edgar Wibeau nimmt einen Streit mit seinem Vorgesetzten zum Anlass, seine Lehre in einem Metall verarbeitenden Betrieb abzubrechen und geht nach Berlin. Plenzdorf.jpgDort richtet er sich in einer verlassenen Gartenkolonie ein und findet ein Reclamheft. Dass es sich dabei um R Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther handelt, weiß er nicht, weil er Titelblatt und Nachwort als Toilettenpapier benutzt. Von der Lektüre beeindruckt, verwendet Edgar fortwährend Zitate aus dem Werk. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich bei einer Malerkolonne: Nachdem deren Projekt, die Entwicklung eines Farbspritzgeräts scheitert und Edgar beinahe aus der Kolonne fliegt, baut er in seiner Laube an einem eigenen Gerät. Bei dessen Inbetriebnahme erleidet er schließlich einen tödlichen Stromschlag.

Meine Gedanken zum Buch: 

Indem ich soeben Goethe`s Werther zu Ende gelesen hab, sind Plenzdorf`s "neue Leiden" ja quasi Pflicht.... dieses Buch habe ich schon zu meiner Schulzeit gelesen, habe aber leider nur mehr sehr verblasste Erinnerungen daran. Ein Grund mehr es wieder mal aus dem Regal zu fischen.
 
Mmmmhhhh... nach kurzem Reinlesen steht aber schon mal eines fest... der Sprung von Goethe zu Plenzdorf ist ein verdammt großer..... gegen Goethes wunderbare Sprache klingt das hier fast ein bisschen plump und roh... aber warten wir mal ab.... ich lass mich überraschen.

Verlag: 
Suhrkamp Taschenbuch
Auflage: 
1. Auflage 1976
ISBN: 
434445-01009998

Kommentare

 
 

puh.... also so ganz warm bin ich mit dem E. noch nicht geworden.... ein verdammt eigener Humor, den der Herr Plenzdorf zu haben scheint..... zuerst die Hymne für die gute alte Jean (komisch aber irgendwie auch eigenartig) und dann Sätze wie auf S. 27: Es tötete mich immer fast garnicht, wenn ich so einen fünfundzwanzigjährigen Knacker mit Jeans sah, die er sich über seine verfetteten Hüften gezwängt hatte und in der Taille zu zugeschnürt....gut, das wäre ja noch verkraftbar, ABER was er dann mit dem Werther... mit MEINEM Werther gemacht hat... bzw. was er über ihn sagt....!!!! Nein, so werden wir keine Freunde...steck ich doch noch mit Haut und Haar in Goethes Geschichte und in dieser wunderbaren Sprache.... auf Seite 58 meint Edgar "Ich kam einfach nicht mit dieser Sprache zu Rande"... ja genau, da geht´s uns gleich.... nur im umgekehrten Sinne... uff, dieser Sprung ist wirklich ein Hochseilakt, aber so schnell fall ich nicht ;o)

"Darf ich sie etwas fragen? - Haben sie Edgar gemocht?"
 
" Wie gemocht? Edgar war noch nicht achtzehn, ich war über zwanzig. Ich hatte Dieter. Das war alles. Was denken Sie?"

Goethes`s Werther oder doch eher die "modernere Nachbau-Variante"????
Für mich ist die Antwort sonnenklar, egal wie geschickt Plenzdorf seinen Roman auch aufgebaut hat.... gegen Goethe hat er keine Chance.
Vorallem weil ich doch im Vorfeld das "Orginal" gelesen hab.... sprachlich war mir der Unterschied dann doch zu gewaltig und mein erster Eindruck hat sich für mich auch bewahrheitet..... Obwohl Plenzdorf`s jugendlicher Jargon vorallem für viele jüngere Leser sicher leichter zugänglich ist und mich auch das eine oder andere Mal laut auflachen ließ (immerhin wurden Werther`s Zitate immer passend und gekonnt eingeworfen), so hat es mich bis zum Schluss doch nicht so ganz überzeugen können.
Natürlich - man darf beide Sprachen und auch Stile nicht miteinander vergleichen.... aber trotzdem... hat man Goethes Worte noch im Ohr, empfindet man Plenzdorf im Anschluss fast ein bisschen plump...
 
Was die Geschichten rund um Werther und Edgar aber gemeinsam haben, ist wohl die Erkenntnis..... dass sich die Dramatik rund um die Liebe damals sowie heute und auch in naher Zukunft nie ändern wird ;o).... in der Hinsicht kann man wohl von "Beständigkeit" sprechen.... :o)..hihihihi