Die kleinen Gärten des Maestro Puccini

Aus Liebe zu den Opern Giacomo Puccinis begann Helmut Krausser dessen verborgene Lebensumstände zu erforschen. Mit den Ergebnissen seiner Recherchen schrieb er einen Roman, der zehn ereignisreiche Lebensjahre des Meisters in neuem Licht erscheinen läßt. Es gelang dem Autor nicht nur, die streng gehütete Indentität der Puccini-Geliebten Corinna zu enthüllen, sondern - mit Hilfe neu aufgetauchter Dokumente - auch die tragischen Umstände, die zum Skandal um sein Hausmädchen Doria Manfredi führten. Entstanden ist dabei viel mehr als nur eine Chronique Scandaleuse.
Die Spannungsfelder zwischen Kunst und Erfolg, Liebe und Begierde, Neid und Intrige, Eifersucht und Hass, Revolte und Versagen liefern dem Stoff ein oft bizarres Geflecht an Verstrickungen. Rund um die Person des heutzutage populärsten Opernkomponisten entfaltet sich das spannende Panorama jener letzten Phase der Belle Epoque in einer neuen, überraschenden Perspektive.

Meine Gedanken zum Buch: 

Dem Autor gelingt ein beeindruckendes Porträt Giacomo Pucinis während 10 turbulenter Jahre seines Lebens. Man erhält Einblick in die Macht des Eros, der Eifersucht und der Liebe. Obwohl viele Passagen des Romans nur Annahmen, wie es hätte sein können, erzählen, ist es gelungen, den Menschen Puccini näherzubringen, mit all seinen Stärken und Schwächen und man liebt seine wunderbare Musik umso mehr.

Wann heiraten wir? fragt Cori, noch knapp bei Atem und die Frage stellt eher eine Anerkennung als eine Forderung dar.
Wenn du reif dafür bist.
Das Mädchen sieht ihn schmollend/zwinkernd an. Schlafen kannst du mit mir, ja?
Sie solle da zwei Dinge nicht durcheinanderbringen, murmelt Giacomo. Es sei klar, daß sie wenigstens einundzwanzig sein müsse, bevor man daran denken könne, der Öffentlichkeit eine solche Verbindung zuzumuten.
Mit diesem an sich vernünftigen  Argument schindet Giacomo Zeit, auch wenn er es nicht bewußt empfindet. Ihm ist die Sache durchaus ernst, aber der Altersunterschied, der damit unweigerlich verbundene Skandal, läßt ihn zögern.

Seitenangabe für Zitat1: 
52
Verlag: 
Dumont
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
978-3-8321-7989-2

Kommentare

ich hab's auf meine (endlos lange) Wunschliste gesezt. Von Krausser hab ich "Der große Bagarozy" gelesen, ein kleines amüsantes Denkmal für Maria Callas. Sieh Dir mal die Rezension bei amazon an, vielleicht wär das ja auch noch etwas für Dich!

Gestern sah ich im Fernsehen den Film. Til Schweiger in der  Hauptrolle und die faszinierende Stimme der Callas, einfach schön! Ich hab auch das Buch auf meine Wunschliste gesetzt!
 

danke das du`s vorgestellt hast - wer weiß ob ich sonst drauf gekommen wäre !!! Hab das Lesen wirklich genossen - durch die Romanform nicht so trocken wie eine normale Biographie - natürlich entspricht nicht alles der Wahrheit, und doch macht es das Bild von der Person Puccini ein bisschen kompletter/runder. Trotz der tragischen Wendung in seinem Leben habe mich manche Passagen beim Lesen ganz schön zum Schmunzeln gebracht:
Puccinis Liebe zu "schnellen" Autos (S30-31): "Wozu er dieses Ding brauche? Elvira ist mäßig begeistert. Das werde dann schon das dritte. Zwölf PS! Wohin soll das noch führen? Welcher Mensch brauche gleich drei dieser gefährlichen Maschinen? Er werde sich damit noch umbringen.  ... Sie verbietet vorsorglich ihrem Sohn, jemals in diesem Höllengefärt Platz zu nehmen."
Hast du eigentlich "La Boheme" im Kino gesehen?? War traumhaft, ich hoffe den gibt`s bald auf DVD.

Ich freu mich sehr, dass auch Dir das Buch gefallen hat. Wenn ich eine Biografie lese, werd ich immer noch neugieriger und versuche,  mehr über die Person zu erfahren oder - wie bei Puccini - zu hören. "La Boheme" hab ich lim Kino leider nicht gesehen, hoffe aber, dass ich es doch - vielleilch im TV - sehe.  

Der Film zur Oper war einfach fantastisch - darf`st auf keinen Fall verpassen wenn er ins Fernsehn kommt. Die  wunderbaren Stimmen von Netrebko und Villazon lassen glaub ich niemanden kalt, aber das die beiden auch so viel schauspielerisches Talent haben hätt ich nicht gedacht. Eine tolle Sache waren auch die deutschen Untertitel  - kenn ja nur die Originalfassung in Italienisch - den genauen Wortlaut der Arien zu sehen/lesen hat mir teils eine Gänsehaut beschert - so viel Gefühl,.... ich glaub ich komm schon wieder ins Schwärmen.... weiß auch schon genau welche CD bei mir heut noch im Auto läuft .... Smile

Seite 35: Wir sagen ihm du kömmst. 'Fähre, Wöre und Kömmst' sind hier im Club noch im letzten Jahrhundert erfundene Konjungationsformen, die kurz ausdrücken, was sonst mit 'daß du offiziell zum ihm fährst, aber natürlich nicht wirklich' wiedergegeben werden müßte. Die Verschwörer wissen rundum Bescheid.
 
Seite 55: Wie bitte? Was? Niemals? Treib keinen Luderschund mit mir! Giacomo hat einen ausgeprägten Hang zu Wortspielen. Manche gelingen auch.
 
Seite 86 - Elvira zu Puccini:
Aber vielleicht weden wir noch jemanden einstellen müssen. Angiolina hat gekündigt, um zu heiraten.  
Angiolina?
Unser Küchenmädchen.
Ach die. Seltsam. Wer heiratet denn so etwas?

Sind schon gute Ausschnitte und man könnte noch viele andere Stellen hinzufügen - das Buch macht einfach Freude.

S. 35
"'Fähre', 'Wöre' und 'Kömmst' sind hier im Club noch im letzten Jahrhundert erfundene Konjugationsformen, die kurz ausdrücken, was sonst mit 'daß du offiziell zu ihm fährst, aber natürlich nicht wirklich' wiedergegeben werden müßte."
 
 

Ja, ja - dieses Zitat hab ich auch noch in Erinnerung (siehe meinen Kommentar weiter oben). Dieses Buch hat sprachlich wirklich so einiges zu bieten...
Freut mich, dass es in dir anscheinend wieder einen neuen Liebhaber gefunden hat Wink

Muss ein feines Zitat sein,
wenn's sogar zweimal genannt wird ;-)))
 
Gutes Buch!

So, jetzt bin ich fertig.
 
Ein Zitat noch zum Abschluss. Puccini wurde bei einem Autounfall verletzt und von einem Arzt, der glücklicher Weise in der Nähe wohnt, versorgt:
 
S. 81:
"Im Haus angelangt, legen die Helfer den größten im Moment so gerade noch lebenden Komponisten Italiens auf den Küchentisch. Petroleumlampen werden entzündet. Sbragia besieht sich den Schaden und meint: Oje!
Elvira bekommt einen erneuten Heulkrampf, nicht ahnend, daß Dottore Carlo Sbragia immer, aus purer Gewohnheit, erst einmal Oje sagt."