Die große Liebe

Liebe.jpgEin deutscher Fernsehredakteur recherchiert an der italienischen Adria-Küste für einen Film über das Meer und lernt die Meeresbiologin Franca kennen, die ein Forschungsinstitut leitet. Sie ist mit einem Institutskollegen verlobt, er hat sich gerade aus einer längeren Beziehung gelöst. Bereits über ihrer ersten Begegnung liegt eine eigentümlich Magie. Sie können den anderen nicht mehr aus den Augen lassen und erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind. Mit rapide wachsender Intensität gehen sie ihren Wünschen nach und versuchen, ihre Liebe gegen alle inneren und äußeren Widerstände zu behaupten.

Meine Gedanken zum Buch: 

Wunderschöne Sprache, melancholisch, man taucht ein in ein fremdes Italien. Nicht als Urlauber, sondern als deutscher Fernsehredakteur. Später wird er schreiben, dass er auf diesen Moment vorbereitet war. Er trifft die Meeresbioligin Franca und sie erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind. Die Beziehung ist sehr fragil, der Verlobte will Franca nicht ohne weiteres freigeben. Ein Buch über die große Liebe, zart und nie banal, auch über die Liebe zu Italien, zu italienischem Essen, Wein, Meer...
 

Irgendwann wurde es mir zuviel und die Bewegung auch lästig, ich drehte mich auf den Rücken und ließ mich tragen, den Kopf halb unter Wasser, so daß die Landgeräusche verebbten, ich war eingetaucht in das gleichmäßige Summen des Meeres, stilles Summen, dachte ich, Ur-Ton, ich schloß die Augen und spürte die brennende Sonnendichte auf meinem Gesicht.

Seitenangabe für Zitat1: 
49

Ich ging auf sie zu, ich zog sie eng an mich heran, wir umarmten uns und standen wieder minutenlang still, eng umschlungen, ich küßte sie vorsichtig, als wollte ich sie beruhigen, seit Tagen standen wir immer wieder so still, fassungslos aneinandergeschmiegt, es waren Momente des puren Verstehens.

Seitenangabe für Zitat2: 
212

Die Filmbilder dagegen sind zu präzise, sie locken keine Phantasien und nicht den ganzen Reichtum der Erinnerungen an, ich verwende sie vor allem, um etwas nachzuschauen oder zu überprüfen, eine sinnliche Macht haben sie, anders zum Beispiel als Fotografien, eben nicht. Fotografien, wie das Foto des großen Platzes von Ascoli, wirken stärker, weil sie Standbilder eines Bildflusses sind, zu diesen Standbildern ergänze ich die Bilder des Vorher und Nachher, und genau dadurch, durch diese Ergänzung, werden die übrigen Sinne rege und bringen so etwas wie "Erinnerungen" hervor ...

Seitenangabe für Zitat3: 
315
Verlag: 
Luchterhand Literaturverlag
Auflage: 
Erstauflage
ISBN: 
3-630-87147-X

Kommentare

Die große Liebe.... kein Kitsch, keine Übertreigungen, keine schmachtende Gefühle... .es ist, wie Gabi schon geschrieben hat, ein Buch über Italien, über die Liebe zum Essen und Trinken, über die Vielseitigkeit dieses Landes, über das Lebensgefühl und natürlich auch über die Liebe an sich.
 
Schon nach den ersten Seiten war ich gefangen und beeindruckt. Die Atmosphäre, das Meer, der Strand, die Weite,.... er lässt keine einzige Kleinigkeit aus, nichts wird vergessen....man sieht alles durch seine Augen. Fast ist es so, als wäre man selbst an diesem Ort.
 
Und dann das Aufeinandertreffen zweier Menschen.
Es ist schon fast beängstigend, wie ehrlich und offen er schreibt. Er berichtet von großen Gefühlen, man könnte es die Liebe auf den ersten Blick nennen......von banalen Dinge, Albernheiten, Hirngespinsten, Fantasien, die sich im Kopf abspielen.... so lächerlich und doch so ernst.... die Zukunft wird schon im Geiste geplant, wo doch noch garkein Wort gewechselt ist...... all das erzählt Ortheil mit so viel Feingefühl, dass man ihm alles glaubt....
 
Ob so eine Liebe wirklich existieren kann, frage ich mich im Nachhinein...... könnte so etwas wirklich passieren... fast wartet man darauf, das all das wie eine Seifenblase zerplatzt..... ABER im Grunde ist es nicht wichtig. Diese Liebe existiert, und wenn es auch nur für diesen Roman ist.....und das ist momentan das Einzige, was zählt.
 
Ein tolles Buch und ein toller Autor!!!!

Sie winkte ganz kurz, dann fuhr sie davon, sie hatte mir ihr Du angeboten, dieses Du, dachte ich, ist ihr erster Kuß.