Die dunkle Botschaft des Verführers - Maresciallo Bonanno ringt um Fassung

Die_dunkle_Botschaft_des_Verf__hrers.jpgMaresciallo Saverio Bonanno steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch: Nachdem er sich von seiner halbwüchsigen Tochter hat breitschlagen lassen, den heiß ersehnten Hund anzuschaffen, herrscht grenzenloses Chaos in seinem Haus. Zudem hat sein Vorgesetzter Nägel mit Köpfen gemacht und mit seiner frisch Angetrauten endgültig das Weite gesucht. Bonanno steht also allein da, als ein mysteriöser Mord in Zuhälterkreisen für Aufruhr in Villabosco sorgt. Dem Anschein nach hatten hier mehrere Konkurrenten in einem äußerst lukrativen Geschäft um die Vorherrschaft gerungen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine geheimnisvolle Webseite, die mit mehreren Passwörtern geschützt ist. Als Bonanno herausfindet, wer sich hinter jener Organisation verbirgt, die ihre dunklen Botschaften via Internet verbreitet, ringt er nicht nur einmal um Fassung...

Meine Gedanken zum Buch: 

Dieses Buch ist das zweite in der mittlerweile vierteiligen Serie um den fülligen Maresciallo Bonanno. Er ermittelt in einem Fall von schwerer Körperverletzung und rennt dabei immer wieder gegen Mauern des Schweigens. Trotzdem öffnet er eine Tür nach der anderen, und hinter jeder ist ein noch größerer Schrecken verborgen. Prostitution, Kindesmissbrauch, Mord - die prominentesten Bürger der Gegend haben sich in irgendeiner Weise die Hände schmutzig gemacht, aber Bonannos Spürsinn und teilweise unorthodoxen Methoden entgeht letztendlich keiner.
Mit viel Witz erzählt Mistretta von dem Maresciallo, seinen Gewichtsproblemen, seinen Kollegen, dem verwöhnten Töchterchen und den zwei jungen Hunden, die ihm das Leben schwer machen. Und diesen Witz braucht es auch, um an dem Rest der Geschichte nicht zu verzweifeln. Kindesmissbrauch ist ein grässliches Thema, und obwohl der Autor vieles umschreibt oder auslässt, braucht man nicht viel Phantasie, um die fehlenden Informationen zu erzgänzen. Nicht einmal hat es mir den Magen verkrampft, wenn der kleine Junge davon erzählt, wie sein Papa am Nachmittag mit ihm "spielt" - schrecklich! Mistretta, selber Vater und Kinderbuchautor, geht mit sehr viel Gefühl auf diese Thematik ein, für die Täter lässt er keine Gnade walten.
Ein aussergewöhnlicher Krimi, gut geschrieben und leider top-aktuell.

"Könntest du mir dann genauer erklären, wie es seink ann, dass dein Wagen, der von der STraße abkam, aussieht wie vorher und nicht den kleinsten Kratzer hat, du aber zugerichtet bist wie der heilige Sebastian?"
"Das ist ein unglücklicher Zufall, Maresciallo, wirklich verdammtes Pech! Die Tür hat sich geöffnet, ich bin hinausgefallen und dabei habe ich mir den Kopf angeschlagen. Als ich aufstehen wollte, habe ich, glaube ich, Wölfe oder streunende Hunde bemerkt, die wütend heulten. Ich bekam es mit der Angst zu tun und bin schnell auf einen Baum geklettert, der genau vor mir stand, da muss es mit dem Teufel zugegangen sein, und als ich ganz oben war, bin ich gestolpert und hinuntergefallen, das ist alles. Was danach geschah, daran erinnere ich mich nicht mehr. Vieleicht bin ich mit dem Gesicht gegen einen großen Stein geprallt."

Seitenangabe für Zitat1: 
75

Der Mensch verdammt das, was er fürchtet. Er hat Angst vor sich selbst, vor seinen Schwächen, vor dem eigenen Fleisch, das sich nach den Kindern sehnt, die so voller Leben und Energie sind. Glaubt ihr denn, ich sehe euch nicht, wenn ihr mit diesem gierigen Blick voller uneingestandener Wünsche pubertierende kleine Mädchen oder kleine Frauen mit Blicken auszieht, deren Brustknospen so hart sind wie Nüssel?

Seitenangabe für Zitat2: 
85

Bonanno nahm den Zettel zitternd in die Hand, weil er spürte, dass dieses einfache Stück Papier den Schmwer der ganzen Welt ausströmte, das grenzenlose Leid unschuldiger Kinder, die auf dem Altar dieser Bestie geopfert wurden.

Seitenangabe für Zitat3: 
303
Verlag: 
Bastei Lübbe
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
ISBN-13: 978-3785715949