Die Vermessung der Welt

die_vermessung_der_welt_0.gifEine Satire auf die deutsche Klassik, ein Abenteuerroman, ein Abbild des Bürgertums im beginnenden 19. Jahrhundert, eine Studie über Opfer und Moral der Wissenschaft, das Portrait zweier alternder Männer, jeder auf seine Weise einsam; und ein wunderbar lesbarer Text voller gebildeter Anspielungen und Zitate und versteckter Kleinode.

Meine Gedanken zum Buch: 

Nun, die 43. Auflage kann doch nicht lügen. Oder?
Mir hat dieses Buch nicht sehr viel gebracht. Ping pong geht es hin und her zwischen den beiden geistigen Größen Humbold und Gauß, jedoch von Spannung oder Humor wenig bis keine Spur.

Bonpland fragte, ob er denn niemals schlafe.
Wenn er es vermeiden könne, antwortete Humboldt, nicht.

Seitenangabe für Zitat1: 
43

Der Fluß, sagte Julio, dulde keine Menschen. Bevor Aguirre sich hierhin aufgemacht habe, sei er bei Verstand gewesen. Erst hier sei es ihm eingefallen, sich zum Imperator zu erklären.

Seitenangabe für Zitat2: 
111

Es sei nichts, sagte er hustend, er wisse bloß nicht, ob das Fieber in ihm oder in der Luft sei. Als Arzt ermpfehle er, nicht tief einzuatmen.

Seitenangabe für Zitat3: 
129
Verlag: 
rowohlt
Auflage: 
43.!
ISBN: 
9783498035280

Kommentare

Ich persönlich kenne das Buch nicht; eine Freundin von mir fand das Buch jedoch sehr interessant - gerade wegen den unterschiedlichen Gesichtspunkten der 2 "Hauptdarsteller"

Muss dich leider auch entäuschen, meine Erfahrung mit diesem Buch war auch nicht grad berauschend.
"Ein philosphischer Abenteuerroman von seltsamer Phantasie, Kraft und Brillianz"  - hab ein diesem Buch weder Abenteuer, Spannung noch Witz gefunden. Es ließt sich für mich eher wie eine Art Doppelbiografie der beiden Wissenschaftlicher - man erhält einen kleinen Einblick in ihr Schaffen, charakterlich sind sie mir aber leider nach wie vor fremd geblieben. Vielleicht hab ich nach all den Lobeshymnen (was man halt so ließt) auch einfach zu viel erwartet!! Weiter empfeheln kann ich das Buch aus meiner Sicht leider nicht - aber am besten ist, du bildest dir selbst eine Meinung drüber, vielleicht kannst du`s dir ja ausborgen.

ein großer Künstler, wenn man an andere Werke denkt
Er probiert mit jedem Buch einen gewissen neuen Weg. Dieser war halt für mich ein wenig Einbahn. Aber da kommt bekannterweise auch niemand entgegen. Smile
schreibt Reinhard XING

Ich habe mich bei diesem Buch sehr amüsiert. Zwei Genies, die sich auch mit alltäglichen Dingen beschäftigen (müssen), aber in ihrem Denken bei der Wissenschaft sind. Als sie sich im Alter begegnen, reden sie zwar, aber nicht miteinander.
Wirklich sympathisch wurden sie mir nicht, das muss aber auch nicht sein.
 
Hier noch ein paar Zitate: S. 152:
"Er durfte es keinem sagen, aber dieser Bonaparte interessierte ihn. Angeblich diktierte er bis zu sechs Briefe zugleich. Einst hatte er eine vorzügliche Abhandlung über das Problem der Kreisteilung mit festgestelltem Zirkel verfaßt. Schlachten gewann er, indem er als erster behauptete, gewonnen zu haben."
 
S. 192:
"Angeblich kamen auf jeden Menschen eine Million Insekten. Selbst mit viel Glück und Geschick konnte man die nicht alle ausrotten. Er setzte sich auf einen Baumstumpf, holte ein hartes Stück Brot aus der Tasche und biß vorsichtig hinein. Sekunden später schwirrten die ersten Wespen um seinen Kopf. Nüchtern betrachtet mußte man annehmen, daß die Insekten gewinnen würden."
 
Und mein Highlight: Die Beschreibung der Geburt des ersten Sohnes von Gauß S. 154:
"Als Gauß den Tränen nahe nach Hause kam, fand er dort nur ungebetene Fremde: einen Arzt, eine Hebamme und seine Schwiegereltern.
Alles habe er versäumt, sagte die Schwiegermutter. Wohl wieder den Kopf in den Sternen gehabt!
Er habe ja nicht einmal ein anständiges Fernrohr, sagte er bedrückt. Was denn passiert sei?
Es sei ein Junge.
Was für ein Junge denn? Erst als er ihrem Blick begegnete, verstand er."
 
 

Na Gott sei dank hat es noch jemandem gefallen! Ich habe mich echt amüsiert beim Lesen, wie die einfachtsten Dinge des Alltags solche Schwierigkeiten bereiten können! Ich kann mir gut vorstellen, dass es hochbegabten Menschen immer wieder so geht und dass sie immer wieder einmal in ihrer eigenen Welt leben. Gleichzeitig bewundere ich solche Leute total, die so völlig neue Ideen entwickeln, etwas schaffen, was vorher noch keiner kannte und durch ihre  wissenschaftliche Arbeit erst möglich wird. Etwas, das dann das Leben von Generationen betrifft und die Sicht der Welt völlig verändert. Da denke ich, kommt ein Funke vom Göttlichen zu uns.
Das Buch ist in einer lebendigen Sprache geschrieben, mir hat es echt gefallen!