Die Schachnovelle

Die Geschichte spielt auf dem Dampfer von New York nach Südamerika und schildert das Treffen von Dr.B., dem Schachweltmeister Czentovics und einem reichen Amerikaner Connors.
Auf dem Schiff organisiert der ehrgeizige Connors eine Schachpartie von einigen Passagieren gegen Czentovics, die der eher ungehobelte Weltmeister zu gewinnen scheint, doch da taucht zufällig die Person Dr.B, im Salon auf und zwingt den Weltmeister in ein Remie und dies obwohl er beteuert noch nie eine Figur angefasst zu haben.
Connors wittert eine Revanche und nötigt Dr. B. gegen Czentovics noch einmal (allein)zu spielen ! Der Ich-Erzähler trifft zufällig etwas später Dr. B. und erfährt seine Geschichte.

Wie er nach der Besetzung Österreichs durch das NS Regime in einem Hotel im Einzelzimmer gefangen gehalten wurde, ohne Bücher ohne Ansprache durch andere Menschen allein und isoliert.
Auf dem Weg zu einem Verhör konnte er ein Buch stehlen aber es war leider nur ein Fachbuch mit 150 großen Schachpartien der Geschichte.
Dr. B. fängt an Schach zu spielen, zuerst mit Brot auf den Karos seiner Bettwäsche - aber schon kurze Zeit später im Kopf ! Beim Spiel gegen einen angenommenen Gegner muß er sein Gehirn sozusagen zweiteilen und für den Gegner mitdenken.

Dr.B. gerät immer mehr in die geistige Falle und bricht einige Zeit später im geistigen Delirium zusammen. Nach einer Behandlung entlassen ihn auch die NS-Schergen und bürgern ihn aus - so ist er auf dieses Schiff gekommen.

Der Anblick des Schachbrettes hat aber längs überwunden geglaubte Gräben wieder aufgerissen und Dr. B. steht wieder am Abgrund.

Beim folgenden Schachspiel an Bord kann er sich nur mit Mühe retten und muß das Spiel abbrechen, was Czentovics zu einer zynischen Bemerkung über den "Dilettanten" veranlasst.

Meine Gedanken zum Buch: 

Stefan Zweig wurde ja auch (durch das NS Regime) aus Österreich ausgewiesen und zeigt in beklemmender aber auch beeindruckender Weise der Geist in der Lage ist einen Menschen zu retten, aber auch zu vernichten.
Gleichzeitig ist es ein Vergleich der Charaktere hier der feinsinnige, gebildete Dr. B. ihm gegenüber der eher plumpe, grobschlächtige Czentovics (eher ein Unsympath) und dann der reiche Amerikaner, der daran gewohnt ist, seinen Willen durchzusetzen.

Congenial verfilmt mit Curd Jürgens als Dr. B. in der Hasuptrolle (1960 in s/w) und Mario Adorf als Czentovics

Schade sagte er großmütig. "Der Angriff war gar nicht so übel disponiert. Für einen Dilettanten ist der Herr eigentlich ungewöhnlich begabt"

Verlag: 
Lizenzausgabe für Reinhard Mohn OHG
Auflage: 
Das genaue Jahr ist nicht angegeben
ISBN: 
NA

Kommentare

Danke für´s Vorstellen.... ma, die hatte ich bei meinem letzten Besuch in der Buchhandlung schon in der Hand... und dann doch wieder zurück gelegt..... aber, es ist ja noch nicht aller Tage Abend.... beim nächsten Mal ist sie MEIN ;o)

Freu Dich daruf, Claudia, das ist ein wirklich schönes Buch. Es wundert mich, dass Ihr das in der Schule nicht gelesen habt, bei uns stand Zweig (noch) auf der Pflichtleseliste. Und ich hab jedes Buch von ihm genossen, auch damals schon, als junges Mädchen.
 
Am Sonntag hab wieder mal den Film im TV gesehen, den solltest Du Dir dann auch besorgen, er ist sehr gut gemacht, auch wenn er schon so alt ist.

.... ja, wenn ich ehrlich bin, wundert`s mich auch.... komischer Weise haben wir in der Schulzeit viele absolute Klassiker nicht gelesen...... wie zum Beispiel "Der alten Mann und das Meer" oder auch Goethe`s Werther (den hab ich aber schon daheim liegen, kommt dann auch mal gleich dran). Eigentlich schade, aber man kann ja alles nachholen  ;o)
 
Mei, schade.... von dem Film hab ich zu spät erfahren.... den hätt ich mir gern angeschaut... aber e besser zuerst das Buch!!!

... ist es nicht eigentlich verflucht leicht, sich für einen großen Menschen zu halten, wenn man nicht mit der leisesten Ahnung belastet ist, daß ein Rembrandt, ein Beethoven, ein Dante, ein Napoleon je gelebt haben?

Aber macht man sich nicht bereits einer beleidigenden Einschränkung schuldig, indem man Schach ein Spiel nennt? Ist es nicht auch eine Wissenschaft, eine Kunst, schwebend zwischen diesen Kategorien wie der Sarg Mohammeds zwischen Himmel und Erde, eine einmalige Bindung aller Gegensatzpaare; uralt und doch ewig neu, mechanisch in der Anlage und doch nur wirksam durch Phantasie, begrenzt in geometrsich starrem Raum und dabei unbegrenzt in seinen Kombinationen, ständig sich entwickelnd und doch steril, ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts  errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichtsdestominder erwiesenermaßen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke, das einzige Spiel, das allen Völkern und allen Zeiten zugehört und von dem niemand weiß, welcher Gott es auf die Erde gebracht, um die Langeweile zu töten, die Sinne zu schärfen, die Seele zu spannen.
 
Claudia meint: einfach herrlich, diese Sprache... so ausgeschmückt, so klingend.... genau solche Sätze sind es, die mir die Freude am Lesen schenken....  endlos lang und einfach wunderbar in ihrem Ausdruck.

so, am Wochenende war es endlich so weit.... mit diesem Buch habe ich einen neuen und absolut interessanten Autor für mich entdeckt!
Zweig kann erzählen, ein Wahnsinn..... egal ob man Schachspieler ist oder eben nicht (so wie ich) .... das wird dem Vergnügen an diesem Buch keine Abbruch tun.
Von der ersten Zeile an war ich gefangen in dieser Geschichte....  eigentlich ja in diesen beiden Geschichten.... denn neben der Schachpartie an Bord dieses Dampfers und den Einblicken in das Leben des Schachgenies Mirko Czentovic wird noch eine Zweite erzählt... nämlich die des Dr. B.... und diese ist beeindruckend und traurig zu gleich.
Unfassbar, was dieser Mensch über sich ergehen lassen musste und auch wie er einen Weg gefunden hat, um zu überleben..... das zeigt wieder deutlich wozu ein Mensch in einer Notsituation eigentlich fähig ist und vorallem auch, wozu der Geist imstande ist....
 
Nachbetrachtet für mich eigentlich sehr eigenartig, dass mir Zweig nicht schon während meiner Schulzeit "über den Weg gelaufen ist".... eine große Lücke. Ich finde, grad solche Bücher sollten da absolut nicht fehlen..... aber egal, ich für meinen Teil habe es ja jetzt nachgeholt und werde sicher noch weiter Bücher von ihm lesen.
"Ungeduld des Herzens" ist schon mal eines, das bereits daheim auf mich wartet!!!

Ich "spiele" Schach im wahrsten Sinne des Wortes, während die anderen, die wirklichen Schachspieler, Schach "ernsten", um ein  verwegenes neues Wort in die deutsche Sprache einzuführen.

Schach ist die stilisierte Kunst des Krieges, es zählt nicht der Mut des Kämpfers oder die Zahl der Toten - es zählt einzig der Intellekt. die strategische Fähigkeit zu planen und sich das Unvorstellbare nicht nur vorstellen zu können sondern es auch in die Planung aufzunehmen.

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

tiefer gehen. Wechsle dazu jedoch das Medium (das kleine Samsung ist halt doch zu klein). So, folgendes: Die Geschichte schweift in viele Richtungen unglücklich ab. Der globige, einfache Schachweltmeister würde sich perfekt anbieten "sein" Geheimnis, Schwäche, Doppelkompliziertheit, aufzudecken, zu erkunden etc. Vom Geheimnis jedoch keine Spur. Die einsamen Stunden der Gefangenschaft sind ebenso unglaubwürdig, da der Gefangene ja nicht weiß, ob die Gefangenschaft nicht doch früher enden wird. Ich glaube nicht an diesen psychischen Verfall und die Rettung durch dieses Schachbuch. Vielleicht kann ich es mir nur nicht vorstellen. Dass Schachspiele bei ihren Zügen lange überlegen, wird hier sehr negativ erwähnt - ja unaushaltbar. Dies ist jedoch ganz normal (meine Vater ist Turnierspieler und empfindet dies als normal und notwendig) und keiner (auch nicht die Zuschauer) regt sich dabei auf. Weiters ist der unbekannte Herr Schachspieler mit seinen eigenen geringen Vorsätzen, nur eine Partie spielen zu wollen sehr dominant. Man bedenke dieses Verhalten ihm unbekannten Schachfreunden gegenüber. Von der notwendigen Bezahlung wußte er auch nichts (es wurde ihm einfach davon nichts gesagt), da dieser Schach-Mäzen dieses Spektakel, das ja gar keines ist, einfach bezahlt. Das kann ich ja am aller wenigsten verstehen, dass nicht ein Satz in Richtung Schmarotzus-Longus-Schachmeister-Herausforderus getan wird. Diese beiden Schachspiele sind weder dramatisch noch interessant, wenn Züge aus dem Zusammenhang (die Otto-Normalis eh nichts sagen) eingestreut sind. Auch darf der Schachweltmeister einige wenige Partien verlieren, das ist auch nichts verbotenes oder kurioses. Ich war von diesem Buch sehr enttäuscht.