Die Rückkehr des Tanzlehrers

DieRueckkehrdesTanzlehrers_0.jpgStefan Lindmann, 37, Polizeikommissar in Südschweden, bekommt an einem Tag gleich zwei schlechte Nachrichten. Er hat Krebs, und sein ehemaliger Kollege und Mentor, Herbert Molin, wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Um auf andere Gedanken zu kommen, fährt Lindmann hinauf nach Norrland. Dort hat Herbert Molin nach seiner Pensionierung in völliger Abgeschiedenheit gelebt, bis er am 19. Oktober 1999 überfallen, gefoltert und getötet wurde - ein Mord, der einer Hinrichtung gleicht.

Meine Gedanken zum Buch: 

Durch dieses Buch habe ich mich etwas gequält. Warum? Nun, es wird nie richtig spannend und der dramatische Anfang, der spontan abbricht, findet an keiner Stelle wieder in die Handlung hinein. Es ist auch schon nach ca. 100 Seiten ziemlich gelöst (das ganze Buch hat 503). Das Motiv ist völlig banal um nicht zu sagen nicht vorhanden. Der Mörder, in deren Perspektive der Leser manchmal eintaucht (gutes Stilmittel) bleibt auch eher schemenhaft und unklar.
Aber trotzdem wartet man bis zum Ende auf einen Hammer, der aber nicht kommt. Keine nähere Erklärung zu den Tanzschritten aus Blut. Der Roman will blutrünstig wirken, scheinbar traut sich Mankell jedoch selbst nicht zu,seine nicht üblen Ansätze konsequent zu Ende zu schreiben. Oft bleibt man nur mit einer Ahnung der Brutalität alleine. Es fehlt dem Buch die Tiefe.
Weiters werden immer wieder Zusammenfassungen nach nur wenigen Seiten gegeben, für den schnellen Leser nicht notwendig. Oder wollte Mankell sich immer wieder in seinem eigenen Buch orientieren?
Einige banale und unnötige Sätze gefällig?
"Dann hob er die Waffe und trat ein. Er entdeckte sie zu spät."
S 476
"Sie hat nur die Wahl, zu fliehen oder aufzugeben. Und sie hat nicht aufgegeben."
S 475
Trivialliteratur?

Er blätterte sich zu einem Entschluss.

Seitenangabe für Zitat1: 
38

Sie brauchen mir nicht die Hand zugeben. Ich fürchte Bakterien mehr als Menschen.

Seitenangabe für Zitat2: 
245

Ich bin entschieden der Ansicht, daß es ein Verbrechen ist, Musik von Johann Sebastian Bach dadurch zu unterbrechen, daß man ein Gespräch beginnt.

Seitenangabe für Zitat3: 
291
Verlag: 
Zsolnay
Auflage: 
unbekannt
ISBN: 
3552052054

Kommentare

mich auch nicht vom Hocker geworfen, als ich dieses Buch las, da ist der Chinese von Mankell schon eine spannendere Lektüre, auch hat er da sehr gut die Zustände die in China herschen immer wieder eingeflochten.
Lieben Gruß
Paula

Nicht zu fassen, aber tatsächlich mein erster Mankell..... bzw. mein erster Krimi von Mankell. Meine bisherigen Berührungen mit diesem Autor waren sehr unterschiedlich.... vom "Chronist der Winde" beeindruckt, war ich von "Die italienischen Schuhe" eher gelangweilt....
 
Was hier auffällt ist der starke und sehr rasante Einstieg..... auch recht brutal... ganz ungewöhnlich für einen Kriminalroman..... so etwas hätte ich eher bei einem Thriller erwartet. Aber gut, diese Tatsache allein hat mich schon mal zu Beginn sehr positiv überrascht.
Der weitere Verlauf war für mich oft ein bisschen ungwöhnlich.
Der Polizeikommissar Stefan Lindman scheint eine derart außergewöhnliche Spührnase zu haben, wie man sie kein zweites Mal wo findet...... oft fragt man sich wirklich, wie er so manche Schlussfolgerung erzielt... er kombiniert.... entdeckt Spuren, die anscheinend nur er zu finden vermag.... ein verdammt scharfer und wacher Geist..... fast nicht von dieser Welt. ;o)
Und dann haben wir da den Täter..... ein Täter mit Herz??? Ein Täter mit Gewissen???? Auch sehr ungewöhnlich...... wie beim folgenden Zitat auf S. 335, wo er Lindman angreift: "Er zwang sich, die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, die ihm eigenltich unerträglich war. Hatte er zu fest zugedrückt? Konnte es sein, daß der Mann tot war?
Sehr seltsam..... einerseits ist er so kaltblütig... wenn man bedenkt wie sehr er Molin gequält hat..... wieviel Wut und Rachsucht in diesem Mann stecken muss,.... eigenltich ja blinde, rasende Wut... eine Tat, die bis ins kleinste Detail geplant wurde..... und dann macht er sich drüber Sorgen, einen anderen Menschen erwürgt zu haben..... gut, natürlich einen unschuldigen Menschen, aber trotzdem.... dann auf einmal Schuldgefühlt empfinden zu können, DAS scheint mir dann doch ein bisschen unrealistisch.
 
Ansonsten fand ich "Die Rückkehr des Tanzlehrers" recht flüssig zu lesen, Langeweile kam für mich nicht auf und die Einflechtung bzw. den Hintergrund der NS-Zeit fand ich zusätzlich recht spannend. Das hat hat dem Buch eine interessante "Beigeschmack" gegeben....
Die Kritik, die Reinhard übt, kann ich schon verstehen.... aber ich denke, solche Bücher darf man einfach nicht all zu sehr hinterfragen.....
Thriller oder eben auch solche Kriminalromane haben für mich nur einen Zweck. Sie sollen mich kurzzeitig unterhalten. Drum sind sie für mich auch zB als Urlaubslektüre am Strand sehr gut geeignet. Man kann abgelenkt werden, ohne den Faden zu verlieren... braucht seine grauen Zellen nicht all zu sehr anzustrengen und wenn man mit dem Buch druch ist, stell man es einfach in den Schrank und das war`s auch schon.
Diesen Zweck hat dieser Mankell bei mir auch erfüllt, nicht mehr und nicht weniger... ;o)