Die Pfeiler des Glaubens

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Mit diesem Roman entführt der Autor seine Leser nach Spanien in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und erzählt vom Aufstand der Morisken gegen ihre christlichen Unterdrücker im Jahre 1568 bis hin zu ihrer endgültigen Vertreibung in den Jahren 1609/10.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hernando, ein muslimischer Maultiertreiber, Sohn einer Moriskin, hervorgegangen aus der Vergewaltigung seiner Mutter durch einen katholischen Priester. Entsprechend schlecht wird Hernando auch von seinem Stiefvater Ibrahim behandelt. Doch bald werden persönliche Fehden vom Lauf der historischen Ereignisse relativiert.
Aus dem Aufstand der Morisken ist ein blutiger Glaubenskrieg geworden. Als die erhoffte Hilfe weder von den Türken, noch aus den Barbareskenstaaten eintrifft, erleiden die Muslime eine verheerende Niederlage, die schließlich zu ihrer dauerhaften Vertreibung aus dem Land führt, das acht Jahrhunderte lang ihre Heimat war.
Hernando bleibt der islamischen Religion im geheimen zwar immer treu, doch entdeckt er bei seiner Arbeit für das Domkapitel in Cordoba auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam. Eine Aussöhnung der beiden bis aufs Blut verfeindeten Religionen, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichen soll, wird zu Hernandos Lebensaufgabe, für die er viele Risiken auf sich nimmt und viele Opfer erbringt.

Meine Gedanken zum Buch: 

Ildefonso Falcones schlägt mit seinem Buch ein düsteres Kapitel der spanischen Geschichte auf, wobei er beeindruckende Recherchearbeit leistet und seine fiktiven Figuren gekonnt in das historische Geschehen einbettet. Und doch konnte mich der Roman nicht überzeugen. 
Auf den ersten 200 Seiten hat mich die äußerst detailierte Schilderung sämtlicher Gräueltaten genervt, die sich die Christen und die Muslime gegenseitig antaten, während mich Hernandos Schicksal nie richtig in seinen Bann zu ziehen vermochte. Sein wechselhaftes Leben voller Höhen und Tiefen fand ich einigermaßen konstruiert, zum Mitfiebern jedenfalls denkbar ungeeignet. Und auch in seiner Vermittlerrolle zwischen Islam und Christentum war mir der einstige Maultiertreiber zu unglaubwürdig, eben eine richtige Kunstfigur ohne Saft und Kraft.
Stilistisch gesehen ist der Roman meiner Meinung nach zwar kein Meisterwerk, aber durchaus gut lesbar, und so fand ich es besonders schade, dass ihm das gewisse Etwas fehlte. Wie tragisch die Ereignisse auch immer gewesen sein mögen, konnte ich doch keinen rechten Anteil daran nehmen. Es hat mir sogar einiges an Lesedisziplin abverlangt, um ans Ende der rund 900 Seiten zu gelangen.

Verlag: 
C. Bertelsmann
Auflage: 
1. Auflage
ISBN: 
978-3-570-10045-5

Kommentare

Hallo
Andalusien ist scheinbar z.Zt. wieder in . lange TV Reportagen, Filme und Bücher beschäftigen sich mit der Zeit als Andalusien ein freies, kulturell uns wissenschaftlich hochstehendes Land unter der Herrschaft der Kalifen war.
Da wo es Kunst, Kultur und Wirtschaft bei freier Religionsausübung aller Bewohner gab (Moslem, Christen und Juden) musste dies den anderen christlichen Herrschern (deren Länder weit schlechter dastanden) dieses Andalusien ein Dorn im Auge sein. So kam es zum Krieg und zur Reconquista und obwohl im Frieden von Granada eine freie Religionsausübung durch die katholische Kirche zugesagt wurde, kam es bald zu Zwangsbekehrungen und Enteignungen durch die Kirche - so entstanden die Morisken, als (Zangs-) übergetretene Moslem. So wurde eine über Jahrhunderte hinweg blühende Zivilisation durch die Kirche niedergewalzt.

Gerade die Wissenschaften wie Medizin, Astronomie etc. war für die Kirche "Hexenwerk" Cordoba hatte z.B. bereits mehrere Kilometer Straßenbeleuchtung, als London noch ein finsteres Schlammloch war, die Mauren führten bereits Schädeltrepanationen (mit Erfolg) durch und vieles mehr.

Dies alles (sozusagen die Aufklärung) stellte natürlich eine Gefahr für die Kirche dar und musste beseitigt werden !

Das Buch stand auch auf meiner Bücherliste doch nun werde ich davon Abstand nehmen, denn er scheint mir nach Deiner Beschreibung eine zu einseitige Sicht der Welt zu enthalten.
Rotbart

P.S. Die Moriskentänze, damals in aller Munde werden auch heute noch aufgeführt, berühmt dafür sind die Tänze in München
http://www.morisken.vo.tu-muenchen.de/
aber auch in anderen Ländern "Kerneuropas" haben sich die Tänze erhalten.
Tausende von Seiten wissenschaftlicher Werke wurden natürlich vernichtet, bewundern kann man aber immerhin bis heute leuchtende Bespiele der Architektur und auch der Gartenarchitektur.

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

Es gibt keine schlechten Bücher -
es gibt nur unfähige Autoren

Von dieser Kultur, von der Du schreibst, hätte ich mir eben in diesem Roman einen Abglanz erhofft, aber leider, nichts davon auf gut 900 Seiten.
Deine Meinung  würde mich natürlich interessieren, aber empfehlen kann ich Dir das Buch ruhigen Gewissens nicht.
Dafür gibt es einfach zu viele gute Bücher für ein einziges Leseleben!